Bericht über drei letzten Zeitzeugen Gespräche am ende des Jahres 2013.

Es wird immer offensichtlicher, dass die Zeitzeugen langsam aussterben und deshalb ver-sucht man die letzten, die bereit sind über ihr Schicksal öffentlich zu berichten, so oft wie möglich einzuladen.

1. Ich wurde zuerst in die Freie Waldorfschule Balingen eingeladen .Dieses Zeitzeugen Ge-spräch wurde durch den Verein „Israelplattform“ vermittelt. Das Gespräch fand am 19. No-vember 2013 statt, Die etwa 45 Schüler waren sehr aufgeweckt, und sie haben viele Fragen gestellt. Es war auch mehr Zeit zur Verfügung gestellt als bei bisherigen Zeitzeugen Gesprä-chen. Der Religionslehrer Herr Grebe hat mich sehr herzlich empfangen und war sehr ent-gegenkommend. Er war auch sehr umfangreich über das Thema informiert. Er hat auch die Schüler sehr gut auf das Gespräch vorbereitet. Was mich aber hier am meisten überrascht und ich möchte sagen begeistert hat war das Feedback in der Form von fast 40!! persönli-chen Briefen von den Schülern, die mir Herr Grebe ein paar Tage später zugeschickt hat.. So etwa ist mir während der letzten 10 Jahren nirgendwo passiert. Ich kann nicht widerstehen und möchte hier einen Brief von vielen von einer Schülerin veröffentlichen.

2. Das zweite Zeitzeugen Gespräch fand in Stuttgart in der Ludwig Erhardt Schule statt. Ich muss sagen, dass hier ein völlig anderes Schülerpublikum zugehört hat. In dieser Klasse wa-ren etwa 4 Deutsche Schüler der Rest bunt international. Es waren meistens Hauptschüler, die sich auf Realschulabschluss vorbereitet haben. Ich habe auf Bitte der Lehrerin Frau Ka-tharina Anselm meine Einführung angepasst und während des Gesprächs haben die Schüler sehr aufmerksam zugehört. Die Diskussion war zwar nicht so umfangreich wie sonst aber ich habe einen sehr netten gemeinschaftlichen Brief mit allen Unterschriften bekommen und das Feedback war für mich auch überraschend. Trotz der Tatsache, dass in der Klasse Türki-sche, Kurdische und Schüler anderen Nationalität waren habe ich folgendes Feedback an-hand eines vorgelegten anonymen Fragebogens von 25 Schülern erhalten

Ich zitiere die Zusammenfassung der Lehrerin:

21 Schüler würden die Begegnung weiterempfehlen

– 12 Schüler zeigen weiteres Interesse an den in Israel lebenden Juden

– 9 sagen, durch die Begegnung hätte sich Ihre Einstellung im Zusammenhang Judentum/Holocaust verändert

– 9 sagen, an ihrer bisherigen Einstellung hat sich nichts verändert

Viele wissen sehr wenig über Judentum, den Holocaust und dass Ausmaß des Leids.

Berührt hat die Schüler vor allem, dass Sie so früh Ihre Eltern verloren haben und als Waise aufwuchsen. Des Weiteren Ihr Bericht von den vielen jüdischen Kindern, die vergast oder anderes umgekommen sind.

 

3. Mein drittes und in diesem Jahr das letzte Zeitzeugen Gespräch fand in Landau (Rheinland Pfalz) in dem Otto Hahn Gymnasium zum zweiten Mal am 11. Dezember 2013 statt. Dies-mal war dabei auch mein jüngster Enkel David, der dadurch als erster von meinen 4 Enkel-kindern bei einem Zeitzeugen Gespräch anwesend war. Es waren etwa 30 Gymnasiasten der 10-ten und 12-ten Klasse. Trotz einer Dauer von fast zwei Stunden ohne Pause haben die Schüler die ganze Zeit sehr aufmerksam zugehört. Die Diskussion danach hat sich erst zu Ende meines Aufenthaltes verstärkt. Es ist oft so, dass bevor die ersten sich trauen Fragen zu stellen, vergeht ziemlich viel Zeit. Ich habe um das Feedback gebeten aber inzwischen hat mich mein Enkel kurz informiert, dass er selbst einiges Neues über seine Familie erfahren hat und dann wörtlich geschrieben:

Die Leute aus meinem Kurs waren durch die Bank weg begeistert, auch diejenigen, die der Sache etwas skeptisch gegenüberstanden, weil wir ja schon so viel zum Holocaust in der Schule machen. So eine persönlichere Beschreibung hat es jedoch viel zugäng-licher und interessanter gemacht.

Somit kann ich zufrieden sein und warte jetzt auf das Feedback der ganzen Klasse. Wie ich schon oft gesagt habe und immer wieder erwähne. Meine Botschaft lautet:

wenn nur einige von den jungen Zuhörer den Begriff Jude in der Zukunft und hoffentl-ich immer nicht als Schimpfwort verstehen werden aber als Zugehörigkeit zum Volk und Religion hat sich mein Einsatz bereits gelohnt.

Ich nehme an das ist auch ein Wunsch von uns allen, die das Grauen überlebt haben..

 

Pavel Hoffmann den 12. Dezember 2013

 

 

 

 

 

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