Antisemitismus Heute:

Von unserem Mitglied Pavel Hoffmann

 

Wer geglaubt hat, dass nach dem Holocaust und der Vernichtung von zwei Drittel der europäischen Juden, resp. 90% der jüdischen Kinder Europas, der Antisemitismus der Vergangenheit angehört, der hat sich maßlos getäuscht.

Die Definition des Antisemitismus hat sich aber seit es Israel gibt, grundsätzlich geändert. Vor 1945 bezeichnete sich ein Mensch, der "die Juden noch weniger mag als üblich", stolz selbst als Antisemiten. Heute kann man denjenigen, der von den Juden bzw. den Israelis, das verlangt, was man Nichtjuden nicht einmal im Traum zugemutet hätte, zu Recht als Antisemiten bezeichnen. Denn ein wehrhafter Jude ist für viele Deutsche oder Europäer nach 2000 Jahren Opferrolle unerträglich. Juden sollen gefälligst die Opfer bleiben, die sich berauben, vertreiben oder ermorden lassen. In unseren fortschrittlichen Demokratien werden die jüdischen Opfer von Paris, Brüssel, Beerscheba und anderswo bedauert und beweint und dann wird eine Gedenkfeier mit Klezmer-Musik abgehalten. Antisemitismus wird aber nicht in erster Linie von Vorurteilen bestimmt, sondern von tiefgehenden Ressentiments. Vorurteile sind dahingegen eher harmlos, man braucht sie, um sich im Leben zurecht zu finden, denn jeder hat positive und negative Vorurteile.

Dass die Juden z.B. das Volk des Buches oder das Volk des Witzes sind, hören wir gerne, dass sie aber schlechtes Benehmen haben hören wir ungern.

Deutsche sind fleißig, diszipliniert und gastfreundlich, dem wird man sicher zustimmen. Wenn man sagt, sie seien geizig, humorlos und kindisch, stößt man auf Widerstand.

Ein Vorurteil zielt auf das Verhalten des Menschen, das Ressentiment immer auf dessen Existenz.

Der Antisemit nimmt dem Juden nicht das übel, was er macht oder wie er ist. Dass der Jude überhaupt existiert, ist sein Problem. Anpassung oder auch die Abgrenzung wirft der Antisemit den Juden vor. Reiche Juden sind Ausbeuter, arme Juden sind Schmarotzer, kluge Juden sind überheblich, dumme Juden ( ja auch solche gibt es ) sind eine Schande für das Judentum. Der Antisemit nimmt den Juden alles übel und auch das Gegenteil davon. Deshalb bringt es nichts mit Antisemiten über die Absurdität deren Ansichten zu diskutieren. Man muss sie ausgrenzen oder in einer Art sozialer Quarantäne isolieren. Die Gesellschaft muss unbedingt deutlich herausstellen, dass sie den Antisemiten und den Antisemitismus genauso verachtet wie die Prügelstrafe als Mittel der Erziehung oder die Vergewaltigung (auch in der Ehe).

Der Antisemitismus unterliegt dem zeitbedingten Wandel, so wie die Armut heute nicht mehr die gleiche ist wie zur Zeit des Oliver Twist oder wie bei Aschenputtel.

 

Antisemitismus scheint wohl inzwischen zu einer „DNA- Eigenschaft“ Europas geworden zu sein.

Der gewöhnliche Antisemitismus ist der Antisemitismus der dummen Kerle, um es mit einem Bebel Zitat zu beschreiben. Er schmiert Hakenkreuze an die jüdischen Grabsteine und brüllt:“Juda verrecke“. Niemand wird sich mit Rabauken solidarisieren, die den Arm zum Hitlergruß heben oder „Juden raus“ schreien.

Es ist hässlich und dumm, aber höchstens ein Fall für die Polizei, weil es letztlich irrelevant ist.

Der moderne Antisemit hat dagegen keine Glatze, dafür aber Manieren und oft sogar einen akademischen Titel. Er trauert um die toten Juden, die im Holocaust umgekommen sind, aber stellt gleich die Frage, warum die Juden aus ihrer Geschichte nichts gelernt haben und heute ein anderes Volk misshandeln. Der moderne Antisemit glaubt nicht an die Protokolle der Weisen von Zion, aber er fantasiert über die sogenannte Israel Lobby, die mit den USA wedeln wie ein Hund mit dem Schwanz.

Der moderne Antisemit gedenkt des 27. Januar, dem Tag der Befreiung von Auschwitz. Aber gleichzeitig möchte er dem Iran auch das Recht zugestehen, eine Atombombe zu haben.

Der moderne Antisemit findet den ordinären Antisemitismus schrecklich, aber gleichzeitig bekennt er sich zum Antizionismus, damit er hierin seine Abneigung gegenüber den Juden in einer politischen korrekten Form ausleben kann.

Der Antizionist hat die gleiche Einstellung zu Israel wie der klassische Antisemit zu den Juden. Den Antizionisten stört nicht alles, was Israel macht, aber dass Israel überhaupt existiert. Deshalb beteiligt er sich vehement an der Debatte um die Lösung der Palästina Frage, die für das Israel die Endlösung bedeutet.

Währenddessen lassen ihn aber die Massenmorde im Simbabwe, Darfur oder Syrien genauso kalt wie die Aussendung von tausenden iranischen Kindern in die Minenfelder mit einem Plastik-Schlüssel um den Hals für den Schlüssel zum Himmel.

Vor dem Krieg gab es Juden, Antisemiten und Antisemitismus. Nach dem Krieg gab es Antisemitismus ohne Juden und heute haben wir es wieder mit einem Phänomen zu tun, dem Antisemitismus ohne Antisemiten.

Neu ist auch der Beruf eines „Freizeit Antisemiten“, der seinen Sonntagsbraten aus dem Porzellanteller des vergasten Nachbarn genießt und am Abend versucht sein schlechtes Gewissen durch den Besuch der antizionistischen Israel diffamierenden „Nakba“ Ausstellung zu beschwichtigen.

Antizionismus und Antisemitismus sind zwei Seiten der gleichen Medaille. War der Antisemit überzeugt dass der Jude an Antisemitismus selbst schuld ist, so ist der Antizionist überzeugt, dass Israel nicht nur für die Leiden der Palästinenser sondern auch dafür verantwortlich ist was es selbst erleiden muss.

Der moderne Antisemit ehrt die toten Juden, aber nimmt es den lebenden Juden übel, wenn sie sich wehren. Er ruft „Wehret den Anfängen“ wenn ein paar Hobbynazis in Cottbus aufmarschieren, aber hat Verständnis für den iranischen Führer, der monatlich zu der vollständigen Vernichtung des jüdischen Staates aufruft.

Der moderne Antisemit ist entsetzt, wenn in Paris oder Berlin Islamisten wahllos Zivilisten ermorden, aber er sucht nach einer Motivation, wenn eine israelische Familie von zwei Arabern brutal ermordet wird und dem Baby noch der Kopf abgeschnitten wird.

Der Korrespondent des Bayerischen Rundfunks, dessen Botschaften im Radio, auf tagesschau.de und über Twitter verbreitet werden, sagte doch allen Ernstes nach dem furchtbaren  Blutbad in einer Jerusalem Synagoge: »Nach dem Motiv der Attentäter fragt niemand.«

Das Motiv fehlt!

Aber welches Motiv kann jemand haben, der sich mit einem anderen dazu verabredet, in einer Synagoge vier betende Juden mit dem Hackmesser niederzumetzeln? Da nichts gestohlen wurde, war es kein Raubmord, auch Eifersucht und ein Unfall können nach ersten Erkenntnissen ausgeschlossen werden – der Fall bleibt rätselhaft. .

Genauso können sich 71% der Deutschen nicht vorstellen, dass Juden und Araber nicht nur in Israel, sondern auch in einem Staat Palästina leben könnten. Sie träumen lieber von einer ethnischen Säuberung, die früher Adolf und heute Herr Abas seinen Landsleuten versprochen hat, die sie aber sonst weltweit geißeln.

Die Aufgabe der Menschheit besteht nicht darin, scheinheilig nach »dem Motiv« der Täter zu fragen – das kennen wir bereits –, sondern darin, sie zu stoppen.

Der erste Schritt dorthin ist, eben jenes Motiv so laut, so deutlich und so oft wie möglich zu benennen und dabei keine Schutzbehauptungen zugunsten der Täter zuzulassen.

Der einzige Antrieb der Mörder und ihrer Unterstützer ist: sadistischer Judenhass.

 

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