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Zeitzeugen-Gespräche „Gestohlene Kindheit“ im Nazi-Terror

  wn.de/Muensterland/Kreis-Warendorf/2858176-Zeitzeugen-Gespraeche-Gestohlene-Kindheit-im-Nazi-Terror

Zeitgeschichte hautnah: Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke (7.v.r.) startete in Ennigerloh gemeinsam mit Zeitzeugin Liesel Binzer (5.v.r) und dem Historiker Matthias Ester (4.v.r.) das Projekt „Erinnerungspaten – Erinnern über die Zeitzeugenschaft hinaus“. Die Veranstaltung wurde von Realschulleiterin Felicitas Inkmann (7.v.l) und Geschichtslehrer Marco Kühlert (l) sowie Schülerin der Abschlussklassen unterstützt..

Zeitgeschichte hautnah: Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke (7.v.r.) startete in Ennigerloh gemeinsam mit Zeitzeugin Liesel Binzer (5.v.r) und dem Historiker Matthias Ester (4.v.r.) das Projekt „Erinnerungspaten – Erinnern über die Zeitzeugenschaft hinaus“. Die Veranstaltung wurde von Realschulleiterin Felicitas Inkmann (7.v.l) und Geschichtslehrer Marco Kühlert (l) sowie Schülern der Abschlussklassen unterstützt.

KREIS WARENDORF – 

Liesel Binzer war mit 15 000 Kindern im Ghetto Theresienstadt. Mit ihr haben nur rund 150 Kinder überlebt. Ennigerloher Schüler hören ihr jetzt bei ihrem Zeitzeugengespräch zu.

Die Abschlussklassen der Realschule zur Windmühle und Anne-Frank-Hauptschule in Ennigerloh hatten am Dienstag die Gelegenheit mit der aus Münster stammenden Liesel Binzer eine der letzten Zeitzeuginnen zu hören, die in dem Konzentrationslager Theresienstadt interniert waren und die Shoah überlebt haben.

Doch die Zeit, in der Überlebende die Erinnerung an den Holocaust und die Entrechtung und Verfolgung durch die Nationalsozialisten persönlich den nachwachsenden Generationen vermitteln können, neigt sich dem Ende entgegen. Was kommt dann?

Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke gab im Rahmen des Zeitzeugengesprächs in der Realschule Ennigerloh den Startschuss für das Projekt „Erinnerungspaten – Erinnern über die Zeitzeugenschaft hinaus“ für den Regierungsbezirk Münster. „Erinnerungspaten, die in einem engen Kontakt zu den Überlebenden stehen oder standen, können besser als jede Geschichtsschreibung einen unmittelbaren Eindruck von der Dimension des Unrechts vermitteln und damit gegen eine Wiederholung des Bösen immun machen. Es ist höchste Zeit, ihnen zuzuhören“, sagte Klenke.

Die Schüler erlebten den Historiker Matthias Ester vom Geschichts-Kontor Münster als ersten Erinnerungspaten. Er führte das Gespräch und zeigte Dokumente, Fotos und Erinnerungsstationen. Ester steht seit Jahren in engem Austausch mit der Zeitzeugin Liesel Binzer, die 1936 in Münster als Liesel Michel geboren wurde und fünf Jahre alt war, als sie am 31. Juli 1942 mit ihren Eltern vom Güterbahnhof Münster aus nach Theresienstadt deportiert wurde. Ester war es auch, der Liesel Binzer ermutigte, öffentlich über ihr Überleben im Nazi-Terror, ihre Kindheit im Ghetto und später ihre Jugend und Schulzeit im Nachkriegs-Münsterland zu sprechen. Sie war mit 15 000 Kindern im Ghetto Theresienstadt. Nur rund 150 haben überlebt

Liesel Binzer schilderte den Schülern der Abschlussklassen auch, wie sie mit den Erfahrungen und Nachwirkungen einer „gestohlenen Kindheit“ umgegangen ist und wie ihre Kinder und Enkel dieses „Familienerbe“ wahrnehmen.

Für das Projekt „Erinnerungspaten“ hat das Dezernat für Lehrerfortbildung der Bezirksregierung Münster in Zusammenarbeit mit der Geschichtsort Villa ten Hompel ein Konzept entworfen, wie das Gedenken am besten wachgehalten werden kann, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt. Zu diesen Zeitzeugen gehören alle Menschen, deren Leben in der Zeit des Nationalsozialismus massiv gegen ihren Willen verändert wurde, wie Holocaust-Überlebende, Verfolgte, Untergetauchte, Emigranten, Kinder der Kindertransporte, aber auch Angehörige von Überlebenden. Die potenziellen Erinnerungspaten sollen die Zeitzeugen oder die Angehörigen persönlich gekannt und gesprochen, als Zeitzeugen gehört haben und Fotos, Briefe, Dokumente oder Video-Audiomitschnitte aus dem Leben des Zeitzeugen präsentieren können.

Die Erinnerungspaten übernehmen als Vermittler und Botschafter die Geschichte des Überlebenden. Es ist auch wichtig, dass Erinnerungspaten ein vertieftes historisches Sachwissen haben, gut erzählen und mit Schülern umgehen können. Die künftigen Erinnerungspaten werden bei ihrer Aufgabe eng von Fachleuten der Bezirksregierung und der Villa ten Hompel begleitet.   

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Warum Eva Szepesi ihr Schweigen brach

mainpost.de/regional/schweinfurt/Lebensrettung-Nationalsozialisten;art742,9611505

1.6.2017

Sie schreibt und spricht über die Hölle, die sie als Zwölfjährige erlebt hat. „Es ist meine Pflicht, meiner Mutter, meinem Bruder und allen, die es nicht überlebt haben, eine Stimme zu geben“, sagt sie heute.

Szepesi weiß, dass die Menschen aus der Geschichte nichts lernen, sich aber sehr wohl von persönlichen Zeugnissen beeindrucken lassen. Im Rahmen der Reihe „Zeitzeugen berichten“ hatte das Bayernkolleg sie eingeladen, genau diese Betroffenheit und ein Gespür für die daraus wachsende Verantwortung im Hier und Heute zu wecken.

Im Saal hätte man eine Stecknadel fallen hören können, als Szepesi beginnt, aus ihrem Buch „Ein Mädchen auf der Flucht“ zu lesen und ihr Schicksal zu erzählen. Man merkt ihr an, dass die Erinnerungen belastend sind. „Es ist schon anstrengend, denn die ganzen Emotionen kommen wieder hoch“ erklärt sie, aber die Jungen sollen wissen, was damals geschehen ist, „verstehen können sie das sowieso nicht, es ist unmöglich, das zu verstehen“.

Eva wächst in Budapest auf. Bis zu ihrem achten Lebensjahr verbringt sie eine glückliche Kindheit, dann wird schlagartig alles anders. Ihre Spielkameraden beschimpfen sie plötzlich als „Saujüdin“, keiner will mehr mit ihr spielen. Sie ist zehn, als der Vater zum Arbeitsdienst nach Weißrussland muss, ein Jahr später wird er als vermisst gemeldet. Sie ist elf, als die Nazis Ungarn besetzen, ab jetzt muss sie den gelben Judenstern tragen. Die Mutter versucht, sie in Sicherheit zu bringen, schickt sie mit der Tante in die Slowakei. Sie verspricht, mit dem keinen Bruder nachzukommen. Eva Szepesi wird beide nie wiedersehen.

Die Tante übergibt sie in der Slowakei an einen Rabbi, der an eine Familie, die an zwei ältere Damen. Stationen, in denen es ihr eigentlich gut ging, aber „ich konnte das nicht genießen, weil ich ja immer auf ein Lebenszeichen meiner Mutter wartete, sie hatte es doch versprochen“, erzählt die gebürtige Ungarin. Mitte September 1944, in der Nacht, kommt die SS, jetzt heißt es, das Wichtigste packen und ins Sammellager. Von dort aus gehört sie zum letzten Transport, der ins Konzentrationslager geht. Sie sitzt im Viehwaggon, ängstlich, apathisch und von quälendem Hunger geplagt, die Luft ist „zum Ersticken“.

„Es ist meine Pflicht, meiner Mutter, meinem Bruder und allen, die es nicht überlebt haben, eine Stimme zu geben.“

Eva Szepesi über ihre Motivation, ein Buch zu schreiben

Aber das sollte noch nicht das Schlimmste sein. In Auschwitz werden sie von SS-Männern mit Hunden und Lederpeitschen empfangen, alles Persönliche wird ihnen abgenommen, sie müssen sich nackt ausziehen. Eine Aufseherin tritt die blaue Jacke, die die Mutter ihr gestrickt hat, mit Füßen. Dann kommt „das Schlimmste“: Mit einer Schere schneidet ihr eine Aufseherin die geliebten Zöpfe ab und wirft sie auf einen Haufen von Haaren. „Es war, als hätten sie mir meinen letzten Schutz genommen“, erinnert sich die Überlebende.

In einem unbeobachteten Moment raunt ihr eine Aufseherin zu: „Du bist 16!“ Die Zwölfjährige ist so verwirrt, dass sie die Behauptung bei der Registrierung wiederholt. Erst viel später erfährt sie, dass ihr das das Leben gerettet hat, denn die Kinder, die nicht arbeiten konnten, kamen gleich ins Gas. Die Neuzugänge bekommen Holzpantinen und gestreifte Häftlingskleidung und werden tätowiert. Ab sofort war ich nur noch A26877, erzählt Szepesi. Das Grauen des Lagers ergreift auch von den Zuhörern Besitz.

Schnell lernt das Mädchen damals die Überlebensstrategie des Lagers: „Mund halten und nie auffallen.“ Die Aufseherin habe ihr ja das Leben gerettet, stellt eine Zuhörerin fest und eine andere will wissen, ob sich die Gefangenen untereinander geholfen hätten. Für beide gelte, es gibt solche und solche. Auch in der Hölle gibt es Menschen, die sich einen Rest Gutes bewahrt haben, und andere, die zu Tieren werden, stellt die Auschwitzüberlebende fest.

Als die SS im Januar 1945 die letzten Häftlinge auf Todesmärchen in den Westen treibt, bleibt das Mädchen zurück, sie ist halb tot. Sie erinnert sich: „Irgendwann kam eine helfende Hand und fütterte mich mit Schnee.“ Als sie ein zweites Mal aus der Bewusstlosigkeit erwacht „leuchtet ein roter Stern über mir“. Ein russischer Soldat bringt sie ins Lazarett, wo sie wieder zu Kräften kommen kann.

Den bewegenden Worten von Szepesi schließt sich eine aufschlussreiche Fragerunde an. „Wollten Sie die Tätowierung nie entfernen lassen?“, will ein Schüler wissen. „Nein, sie gehört zu mir und sie ist nicht meine Schande“, antwortet Szepesi.

Warum sei sie ausgerechnet in Deutschland, dem Land der Täter sesshaft geworden, fragt jemand. Das war Schicksal, antwortet die 84-Jährige. Ihr Mann sei beruflich für zwei Jahre nach Frankfurt gegangen. Dann aber kam der Volksaufstand in Ungarn und ein blutiges Ende durch den Einmarsch der Sowjetarmee und das Einsetzen einer pro-sowjetischen Regierung. Die Familie beschloss, in Deutschland zu bleiben. Heute ist die gebürtige Ungarin froh, denn „der Antisemitismus in Ungarn ist viel schlimmer als hier“.

Den Jugendlichen legt sie ans Herz, „mutig dagegen aufzutreten, wenn jemand ausgegrenzt wird, denn so etwas darf nie wieder passieren.“

 

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“Holocaust? Darüber lesen kannst du morgen noch…”

Horst Selbiger als Zeitzeuge der Holocausts im Institut für Katholische Theologie

 

Im Rahmen einer Veranstaltung des Instituts für Katholische Theologie der TU Dortmund hörten 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dem Holocaustüberlebenden Horst Selbiger zu. Als jüdischer Zeitzeuge der NS-Diktatur in Deutschland teilte Horst Selbiger seine Erlebnisse mit den Zuhörerinnen und Zuhörern und verlieh allen Opfern des Holocausts eine Stimme. In Berlin wurde Horst Selbiger am 10. Januar 1928 als Sohn eines jüdischen Zahnarztes und einer nichtjüdischen Mutter geboren. Nach einer vergleichsweise unbeschwerten Kindheit erzählte Horst Selbiger von der entscheidenden Wende in seinem Leben durch die Machtergreifung Hitlers. Er und seine Familie erlebten ab 1933 den Übergang von anfänglicher Diskriminierung im Privat-, Schul- und Berufsleben bis hin zur späteren systematischen Verfolgung von jüdischen Menschen in ganz Europa. Über die erste Deportation jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger in die ersten Konzentrationslager erzählte Horst Selbiger besonders ergreifend. Stellvertretend zum Gedenken der vielen Millionen Opfer, insbesondere der 1,2 Millionen Kinder, verlas Horst Selbiger die Namen der sechs Säuglinge und Kleinkinder des ersten Deportationszuges. Nach seinem Vortrag beantwortete Horst Selbiger noch Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Auf die abschließende Frage, worauf es im Leben ankäme, forderte Horst Selbiger: „Mut, Widerstand und Zivilcourage“ von der nachfolgenden Generationen. Durch Horst Selbigers Engagement wurde es den Zuhörerinnen und Zuhörern ermöglicht, selbst zu „Zeugen eines Zeitzeugen“ zu werden.

  

Holocaust 3

v.l.n.r.: Patrick Freund (Organisator der Veranstaltung), Horst Selbiger, Prof. Dr. Egbert Ballhorn

  

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Von 15 000 Ghetto-Kindern überlebten lediglich 150

  fnweb.de/fraenkische-nachrichten_artikel,-bad-mergentheim-von-15-000-ghettokindern-ueberlebten-lediglich-150-_arid,1051283.html

Autor: Peter D. Wagner 22.5.2017

 

Bad Mergentheim.Zwei ergreifende und beeindruckende Unterrichtsstunden erlebten die Schüler der Klassenstufen 10 und 11 des Deutschorden-Gymnasiums (DOG).

"In dem bundesweiten Projekt 'Zeugen der Zeitzeugen' wollen wir der letzten Generation der Holocaust-Überlebenden, deren Kindern und Enkeln begegnen und mit ihnen in einen Dialog treten", erklärte Alexandra Behns, ehrenamtliches Teammitglied von "Zeugen der Zeitzeugen", einem Projekt des Vereins "Initiative 27. Januar" mit Sitz in Berlin. Weitere Ziele seien, das Gedenken an den Holocaust lebendig zu halten und an die junge Generation weiterzugeben, dem Antisemitismus in seinen Erscheinungsformen entgegenzuwirken sowie die deutsch-israelischen Beziehungen durch Austausch und Projekte zu stärken. "Ein einzigartiges Erlebnis", so kündigte Rektorin Sabine Rühtz die Veranstaltung mit Liesel Binzer in der mit über 130 Schülern und Lehrern sehr gut besuchten DOG-Aula an. Behns sagte, sie höre häufig, dass Holocaust-Überlebende schon lange verstorben seien. Dabei würden Zahlen von 2016 noch von weltweit rund 100 000 Überlebenden ausgehen.

Nach ihrer Rückkehr aus diesem KZ wohnte sie zunächst in Warendorf/Freckenhorst gemeinsam mit ihren Eltern, die ebenfalls das KZ überlebt hatten, sowie ab 1965 in Mühlheim und ab 1968 in Offenbach, wo sie Mitglied der Jüdischen Gemeinde ist. 1960 heiratete sie und bekam in den Folgejahren drei Kinder. Wie bei allen anderen Kindern und Jugendlichen sowie weiteren Überlebenden des Holocausts sei auch für sie der Neuanfang 1945 schwer gewesen. Sie habe versucht, trotz oder gerade wegen ihrer Erlebnisse im KZ Theresienstadt ihr eigenes Leben zu führen und eine harmonische Familie zu gründen, was ihr letztlich auch gelungen sei.

In Theresienstadt sei sie, auch wenn sie sich als Kind nicht aller Einzelheiten bewusst gewesen sei, zu früh erwachsen geworden, bilanzierte Binzer, nachdem sie eingehend ihre Geschichte, Erlebnisse und Erfahrungen geschildert hatte. Seit damals spüre sie eine innere Unruhe und reagiere besonders sensibel auf Antisemitismus, der in Deutschland noch immer bei manchen Menschen verbreitet sei. Trotzdem versuche sie, den Menschen zu vertrauen. "Als Zeitzeugin versuche ich ein Gespür für Unrecht zu vermitteln und speziell auch junge Menschen dafür zu sensibilisieren", hob Binzer hervor. Nach dem Vortrag nutzten zahlreiche Schüler die Gelegenheit, mit der 80-Jährigen ins Gespräch zu kommen.

Ihre Erlebnisse hat Binzer in einem Buch veröffentlicht, das mit Förderung durch die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" sowie durch den Zentralrat der Juden in Deutschland in der Reihe "Bittere Vergangenheit – bessere Zukunft" des Vereins Child Survivors Deutschland herausgegeben wurde.

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Kommentar im Mindener Tageblatt zum Treffen der Child-Survivor in Petershagen

Bessere Zukunft für Child Survivors

Zweimal jährlich treffen sich die Child Survivors Deutschland in Petershagen bei Minden zu einem lebhaften Gedankenaustausch. Dort werden sie liebevoll betreut von der ARBEITSGEMEINSCHAFT ALTE SYNAGOGE PETERSHAGEN ( AG ASP). Das Treffen wird gefördert von der Claims Conference.

 

März 2017 gab es sogar eine Lesung in Minden, zum Beginn der neuen Buchreihe: "Bittere Vergangenheit! – Bessere Zukunft?", mit den beiden Autoren der Bände 1 und 2:

im Verlag Hentrich und Hentrich ab April 2017 mit:
    Band I (einführend), Philipp Sonntag: Wir Überlebende des Nazi-Terrors in Aktion
    Band II, Liesel Binzer: Ich prägte mein Leben in / wegen / trotz Theresienstadt. 

Bitte anklicken: Artikel aus dem Mindener Tageblatt 

 

Bitte anklicken: Gerührt von freundlicher Aufnahme

 

Bitte anklicken: Frühjahrstreffen der Child-Survivors in Petershagen Musikalisches Geschenk Die „Vitalen Geigen“ spielen unter der Leitung von Vita Gehrmann ein mitreißendes Konzert für jüdische Gäste aus ganz Deutschland.

 

Bitte anklicken: MT-Interview: Als Naturwissenschaftler und Schriftsteller ist Philipp Sonntag ein Sprachrohr der Überlebenden der Shoah. Mit 78 Jahren sorgt er sich um die Zukunft der traumatisierten Kinder als Opfer der Gewalt von heute.

 

Bitte anklicken: Erinnerungen gemeinsam bewältigen Mitglieder des jüdischen Vereins „Child Survivors“ kommt nach Petershagen

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Zeitzeugengespräch mit Liesel Binzer

 ls.schulen-offenbach.de/index.php

 

 

Vom Leben und Überleben im Deutschland der Nazizeit, im KZ Theresienstadt und im heutigen Deutschland und Israel

 

 

Leibniz schreibt in seiner Monadologie:

„Denn an uns selbst lernen wir durch die Erfahrung Zustände kennen, in welchen uns weder eine gehörige Erinnerung, noch irgend eine deutliche Vorstellung zu Gebot steht. Dergleichen sind Schwäche, Ohnmacht, oder ein tiefer traumloser Schlaf, der uns gefangen hält. In diesen und ähnlichen Lagen unterscheidet sich die Seele nicht merklich von einer bloßen Monade, und steht nur insofern höher denn diese, als jene Zustände bei ihr von keiner Dauer sind, sondern sie sich durch eigene Kraft aus denselben emporzuraffen vermag.“
(Leibniz, Gottfried Wilhelm: Leibnitz’ Monadologie. Deutsch mit einer Abhandlung über  Leibnitz’ und Herbart’s Theorie des wirklichen Geschehens, von Dr. Robert Zimmermann. Wien: Braumüller & Seidel 1847; S. 15, § 20.)

 

 

 

 

 

Erinnerung und deutliche Vorstellungen sind es also, was uns in Leibnizens Augen über die einfachen seelenlosen Monaden hinaus hebt und uns als Menschen ausmacht.

Ohne Erinnerungen wären wir demnach schwach, ohnmächtig, hilflos.

Das gilt insbesondere dann, wenn Erinnerung dazu dient, aus Vergangenem zu lernen, um sich aktuellen Herausforderungen gezielt stellen zu können.

Ganz konkret gilt es zum Beispiel heutzutage, wenn unsere demokratischen Werte vom Chauvinismus nationalistischer Radikaler bedroht, weltanschauliche Toleranz von religiösen Fundamentalisten untergraben und die Erinnerungskultur unserer Zivilisation von populistischen Politikern infrage gestellt wird.

Da gilt es, dagegenzuhalten, und dazu ist man am ehesten dann in der Lage, wenn man in heutigen Aussagen, Positionen und Prozessen Muster wiedererkennt, deren Schädlichkeit man ebenso historisch belegen kann wie die Notwendigkeit ihres Scheiterns.

Wenn nationalistische Politiker den Holocaust und/oder andere Völkermorde kleinreden oder leugnen, wenn sich machthungrige Politiker wie Hitler gebärden oder gar selbst mit ihm vergleichen und ihnen Massen ebenso unreflektiert folgen wie vor nicht einmal einem Jahrhundert, dann kann man froh sein, dass es noch Menschen gibt, die sich an die Geschehnisse von damals aus erster Hand erinnern, andere daran teilhaben lassen und so deutliche Vorstellungen davon vermitteln können, wie es damals war und wie es auf keinen Fall wieder werden darf.

Die Generation heutiger SchülerInnen wird eine der letzten sein, die noch das Privileg besitzen, Zeitzeugen des Holocausts unmittelbar kennenlernen und sprechen zu können.
Wenn sich dann noch eine Zeitzeugin findet, die biographisch eng mit der Heimatstadt der SchülerInnen verbunden ist und ihnen so trotz aller biographischen Unterschiede doch ganz fassbar nahesteht, dann rückt ihr Erleben ganz nah mit dem der SchülerInnen zusammen und schafft ein gemeinsames fruchtbares Fundament, auf dem sich immer wieder gemeinsame Anknüpfungspunkte finden und Erinnerungen lebendig mitteilen und teilen lassen.

 

 

Zeitzeugin Liesel Binzer hat als Kind das KZ Theresienstadt er- und überlebt und berichtet gemeinsam mit ihrer Tochter von ihrem Leben.

 

 


So war es auch beim Zeitzeugengespräch mit Liesel Binzer, die als Fünfjährige ins KZ Theresienstadt deportiert wurde, den Holocaust glücklicherweise und erstaunlicherweise gar gemeinsam mit ihren Eltern überlebte und sich später in Offenbach ein neues Leben aufgebaut hat. Gemeinsam mit ihrer Tochter sprach sie vor und mit SchülerInnen der Jahrgangsstufe 9 und des diesjährigen Abiturjahrgangs. Herr Kegler und Herr Keller, die beide diese SchülerInnen unterrichten, bereiteten das Gespräch im Unterricht vor und nach, hatten es organisiert und begleiteten auch die Veranstaltung selbst.

Frau Binzer erzählte, unterstützt durch Fotografien, ihre Lebensgeschichte. Sie schilderte die Situation der Juden in Deutschland vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, ließ die zunehmende Ausgrenzung der Juden in all ihren Formen Revue passieren, berichtete vom Leben und Überleben im KZ Theresienstadt, beleuchtete die Schwierigkeiten des Neuanfangs im Nachkriegsdeutschland inmitten zahlloser unbehelligt gebliebener Nazis und schloss mit der Präsentation ihrer Familie und deren Bemühen um die Akzeptanz ihres jüdischen Lebens im Hier und Heute, in Deutschland ebenso wie in Israel, wohin ihre Tochter ausgewandert ist.

Es war eine ungewöhnliche Perspektive, die Frau Binzer bot. Sie hat die Zeit des Nationalsozialismus aus dem Blickwinkel eines Kindes wahrgenommen, und so unterschieden sich ihre Erlebnisse – und Zeugnisse – bereits deutlich von denen, die die Generation der heutigen Lehrer von Zeitzeugen zu hören gewohnt sein dürfte. Das mInderte allerdings keineswegs den Wert dieser Erinnerungen, sondern rückte die Zeit in ein für das gesamte Publikum neues Licht. Selbst die Lehrer dürften manches auch für Sie neue Ungehörte und Unerhörte erfahren haben.

 

 

Frau Binzer (als "Child Survivor") vermittelt den SchülerInnen eine besondere Perspektive auf das Leben als Jude in Deutschland vor, während und nach dem Krieg bis heute.

 

 

Ihr Bericht bewegte das Publikum sichtlich. Das zeigte sich zum einen an der aufmerksamen Ruhe der SchülerInnen, zum anderen aber auch sehr deutlich an den Fragen, die im Anschluss aus dem Plenum an Frau Binzer gerichtet wurden.

Man interessierte sich beispielsweise dafür, inwieweit ihr als Kind die Lage der Juden bewusst und spürbar wurde. Während einerseits im KZ die Kinder abgeschottet von den Erwachsenen von jüdischen Gefangenen betreut wurden, die sich mühten, den Kindern die Zeit so angenehm wie unter den gegebenen Umständen möglich zu machen, spürte sie andererseits schon vor der KZ-Zeit in verschiedenen Situationen, dass sie als Jüdin zunehmend anders angesehen, anders behandelt wurde.

Ob sie sich dann gewünscht habe, keine Jüdin zu sein, wurde sie gefragt. Als Kind, in manchen Situationen, gänzlich unreflektiert, durchaus. Heute kommt es ihr ebenso wie ihrer Tochter aber darauf an, dass sie unbehelligt ihren kulturellen Gepflogenheiten nachgehen können, ohne deshalb als andersartig angesehen zu werden. Sie wollen sie selbst sein dürfen und sich darin als ganz normal wahrgenommen und akzeptiert fühlen.

In Zeiten, in denen es für SchülerInnen mit Migrationshintergrund oft an der Tagesordnung ist, sich mit der Ambivalenz des Wunsches nach eigener Akzeptanz einerseits und dem Bedürfnis nach identitätsstiftender Abgrenzung von anderen, die mitunter das Risiko von deren Ausgrenzung eingeht, auseinandersetzen, ist es erhellend zu hören, dass auch diese Problematik keineswegs eine neue ist, und das sid nicht bloß eine bestimmte Gruppe von Migranten betrifft, sondern eine vielfältig geteilte Grunderfahrung ist.

Ob Frau Binzer angesichts der Untaten der Nazis am Glauben habe festhalten können, lautete eine Frage aus dem Plenum. Sie habe bis heute Zweifel, räumte sie ein, denn es könne nicht Gottes Wille gewesen sein, dass 6 Millionen Juden ermordet wurden – und das nur wegen ihrer Religion. Auch dieses Thema könnte aktueller kaum sein in einer Zeit vorgeblich religiös motivierter Kriege und im Namen der Religion begangenen Terrors.

Ob Sie je Rachegedanken gehegt habe, wollte ein Schüler wissen. Höchstens als Kind, überlegte Frau Binzer, aber sie hätte daran nie festhalten können, noch wollen. Rachegedanken zerstörten einen nicht zuletzt auch selbst, stellte sie klar und gab in ihrer Versöhnlichkeit ein Beispiel dafür ab, dass und wie es möglich ist, die Gewaltspirale zu durchbrechen, in denen sich vielerorts Gruppierungen aus unterschiedlichen Kulturen aufreiben. Sid lehnt Gewalt und Krieg strikt ab, das ist eine der wichtigsten Lektionen, die sie im Krieg gelernt hat und nun weiterzugeben bemüht ist.

Deutschland sei trotz allem ihr Heimatland und das Land ihrer Muttersprache. Sie hat sich mit ihren Eltern auf das Wagnis eingelassen, zurückzukehren. Früher sei es denn auch tatsächlich schwer gewesen, sich den eigenen Erlebnissen zu stellen, als sie noch jünger gewesen sei, heute gelinge es ihr besser, darüber zu sprechen. Man müsse im Leben immer positiv denken, sich den Optimismus bewahren, sonst bekomme man Probleme mit der Seele.

Offenbach ist ihr eine neue Heimat geworden, eine Stadt, die sich in ihren Augen sehr positiv entwickelt habe, "multikulti", jeder werde akzeptiert, wie er sei, unabhängig von Hautfarbe, Religion, Herkunft. Das solle bitte so bleiben.

Das war mehr als nur ein Bekenntnis zu dieser Stadt, die sich glücklich schätzen kann, aus dem Munde einer Zeugin derartiger Geschehnisse, wie Frau Binzer sie erleben musste, ein solches Lob zu erfahren. Es war zugleich auch ein Appell an die vor ihr sitzenden jungen OffenbacherInnen, unverdrossen daran mitzuwirken, dass chauvinistischer Separatismus die städtische Gemeinschaft bedroht, die sich durch ihre "unitas in multitudine" auszeichnet, wie sie Leibniz nennen würde.

Vortrag und Gespräch trafen und betrafen die SchülerInnen offensichtlich in hohem Maße. Einige blieben noch lange nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung, um die Gelegenheit zu nutzen, das Gespräch mit Frau Binzer und ihrer Tochter fortzusetzen. Die Themen, die dabei zur Sprache kamen, gingen weit über die Nazizeit hinaus.

Nicht zuletzt brannten ein paar palästinensische Schülerinnen darauf, mit Frau Binzer Tochter über die Situation in Israel zu sprechen, die sie als dort Ansässige ja aus erster Hand kennt. Obgleich man nicht in allen Details einer Meinung war, war man sich doch unzweifelhaft einig darin, dass man stets bereit sein müsse, ungeachtet der weltanschaulichen Unterschiede einander schlicht als Menschen zu begegnen und möglichst unvoreingenommen sich auf das Gespräch miteinander einzulassen.

Auch dass es Ziel sein müsse, dass beide Völker gemeinsam und voneinander unbehelligt in Israel leben können, war man sich gänzlich einig.

 

Frau Binzers in Israel lebende Tochter im offenen Gespräch mit unter anderem auch palästinensischen Schülerinnen.

 


Alles in allem konnte man in dieser Veranstaltung, im Teilen der Erinnerungen und im Austausch miteinander, aus der Vergangenheit lernen für Gegenwart und Zukunft, für Toleranz und ein friedliches Miteinander der Kulturen in einer gemeinsamen Welt, die in solcher Form Leibniz sicherlich als "die beste aller möglichen Welten" ansähe…

(Blu)

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Auftakt des Projektes „Erinnerungspaten” mit Regierungspräsident Prof. Dr. Klenke

Überlebende des Ghettos Theresienstadt sprach mit Schülern der Realschule zur Windmühle und Anne-Frank-Hauptschule

 

Münster/Ennigerloh. Die Abschlussklassen der Realschule zur Windmühle und Anne-Frank-Hauptschule in Ennigerloh hatten am Dienstag (13. Juni) die Chance mit der aus Münster stammenden Liesel Binzer eine der letzten Zeitzeuginnen zu hören, die in dem Konzentrationslager Theresienstadt interniert waren und die Shoa überlebt haben.

Doch die Zeit, in der Überlebende die Erinnerung an den Holocaust und die Entrechtung und Verfolgung durch die Nationalsozialisten persönlich den nachwachsenden Generationen vermitteln können, neigt sich dem Ende entgegen. Was dann?

 

Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke gab im Rahmen des Zeitzeugengesprächs in der Realschule Ennigerloh den Startschuss für das Projekt „Erinnerungspaten – Erinnern über die Zeitzeugenschaft hinaus“ für den Regierungsbezirk Münster. „Erinnerungspaten, die in einem engen Kontakt zu den Überlebenden stehen oder standen, können besser als jede Geschichtsschreibung einen unmittelbaren Eindruck von der Dimension des Unrechts vermitteln und damit gegen eine Wiederholung des Bösen immun machen. Es ist höchste Zeit, ihnen zuzuhören“, sagte Klenke.

 

Die Schüler erlebten den Historiker Matthias Ester vom Geschichts-Kontor Münster als ersten Erinnerungspaten. Er führte das Gespräch und zeigte Dokumente, Fotos und Erinnerungsstationen. Ester steht seit Jahren in engem Austausch mit der Zeitzeugin Liesel Binzer, die 1936 in Münster als Liesel Michel geboren wurde und fünf Jahre alt war, als sie am 31. Juli 1942 mit ihren Eltern vom Güterbahnhof Münster aus nach Theresienstadt deportiert wurde. Ester war es auch, der Liesel Binzer ermutigte, öffentlich über ihr Überleben im Nazi-Terror, ihre Kindheit im Ghetto und später ihre Jugend und Schulzeit im Nachkriegs-Münsterland zu sprechen. Die Zeitzeugin schilderte den Schülern der Abschlussklassen auch, wie sie mit den Erfahrungen und Nachwirkungen einer „gestohlenen Kindheit“ umgegangen ist und wie ihre Kinder und Enkel dieses „Familienerbe“ wahrnehmen.

 

Für das  Projekt „Erinnerungspaten" hat das Dezernat für Lehrerfortbildung der Bezirksregierung Münster in Zusammenarbeit mit der Villa ten Hompel ein Konzept entworfen, wie das Gedenken am besten wachgehalten werden kann, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt. Zu diesen Zeitzeugen gehören alle  Menschen, deren Leben in der Zeit des Nationalsozialismus massiv gegen ihren Willen verändert wurde, wie Holocaust-Überlebende, Verfolgte, Untergetauchte, Emigranten, Kinder der Kindertransporte, aber auch Angehörige von Überlebenden. Die potentiellen Erinnerungspaten sollen die Zeitzeugen oder die Angehörigen persönlich gekannt und gesprochen, als Zeitzeugen gehört haben und Fotos, Briefe, Dokumente oder Video-Audiomitschnitte aus dem Leben des Zeitzeugen präsentieren können. Die Erinnerungspaten übernehmen als Vermittler und Botschafter die Geschichte des Überlebenden. Es ist unter anderem wichtig, dass Erinnerungspaten ein vertieftes historisches Sachwissen haben, gut erzählen und mit Schülern umgehen können. Die künftigen Erinnerungspaten werden bei ihrer Aufgabe eng von Fachleuten der Bezirksregierung Münster und der Villa ten Hompel begleitet.

Bildzeile: Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke (7.v.r.) startete in Ennigerloh gemeinsam mit Zeitzeugin Liesel Binzer (5.v.r) und dem Historiker Matthias Ester (4.v.r.) das Projekt „Erinnerungspaten – Erinnern über die Zeitzeugenschaft hinaus“. Die Veranstaltung wurde von Realschulleiterin Felicitas Inkmann (7.v.l) und Geschichtslehrer Marco Kühlert (l) sowie Schülerinnen und Schülern der Abschlussklassen unterstützt.

Bildquelle: Bezirksregierung Münster (Wir erklären uns damit einverstanden, dass die beigefügten Bilder für die Berichterstattung in Print- und Online-Medien sowie in Sozialen Netzwerken veröffentlicht werden. Ausgenommen sind sonstige kommerzielle Zwecke.)

 

Weitere Informationen zu der Zeitzeugin Liesel Binzer:

 

Liesel Binzer, geb. Michel, 1936 in Münster geboren, war fünf Jahre alt, als sie am 31. Juli 1942 mit ihren Eltern vom Güterbahnhof Münster aus nach Theresienstadt deportiert wurde. Die Familie überlebte die Shoah; sie wurde am 8. Mai 1945 von der Roten Armee befreit und ließ sich im Juli 1945 in Freckenhorst, dem Heimatort der Mutter, nieder. Liesel Michel besuchte die Volksschule in Freckenhorst und das Mariengymnasium in Warendorf, wo sie 1957 das Abitur machte. Sie wurde Finanzbeamtin. 1960 heiratete sie Hans David Binzer. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Mitte der 1960er Jahre zog die Familie in die Nähe von Frankfurt/Main, wo Liesel Binzer auch heute noch lebt.

 

Liesel Michel gehört zu den 15.000 Kindern, die in dem Konzentrationslager Theresienstadt im damaligen „Protektorat Böhmen und Mähren“ interniert waren, von denen nur etwa 150 überlebten. Mehr als 140.000 Menschen wurden in der Garnisonsstadt Terezín in den Jahren 1941 bis 1945 gefangen gehalten. Etwa 33.000 Juden starben aufgrund der katastrophalen Lebensumstände oder fielen dem Terror zum Opfer, 88.000 Häftlinge wurden weiter in die Vernichtungslager im Osten Europas deportiert. Das Lager Theresienstadt diente auch der nationalsozialistischen Propaganda. Als „Vorzeige-Ghetto“ sollte es die internationale Öffentlichkeit über den wahren Charakter des Lagers und der Judenverfolgung hinweg täuschen.

 

Liesel Binzer spricht erst seit wenigen Jahren öffentlich über ihr Überleben im Nazi-Terror und ihre Jugend im Münsterland. Am 27. Januar 2011, dem Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, fand in Warendorf ihr erstes Zeitzeugengespräch statt.

 

Inzwischen engagiert sich Liesel Binzer im Vorstand des Vereins „Child Survivors Deutschland – Überlebende Kinder der Shoah“ (www.child-survivors-deutschland.de), in dem sich Menschen organisieren, die als Kinder in der Nazi-Zeit verfolgt wurden und nun im hohen Alter an die Öffentlichkeit treten.

 

Anfang April 2017 sind die Erinnerungen von Frau Binzer in Buchform erschienen – ein weiterer Schritt auf dem langen Weg zur öffentlichen Zeitzeugin. Das Buch enthält zudem kurze Statements der drei Kinder und eines Enkels, die darüber berichten, wie die Shoah-Erfahrungen der Mutter bzw. der Großmutter in den Lebensalltag der zweiten und dritten Generation hinein wirken. Liesel Binzer: Ich prägte mein Leben in – wegen – trotz Theresienstadt

(Bittere Vergangenheit – Bessere Zukunft, Bd. 2), Hentrich & Hentrich Verlag Berlin 2017, 80 S., Broschur, zahlreiche Abbildungen, € 12,90, ISBN 978-3-95565-212-8

 

Klappentext: „Ich habe versucht, mein eigenes Leben soweit wie irgend möglich selbst zu gestalten und einiges ist mir gelungen. Eigentlich war das kaum möglich und es ist mir heute noch unheimlich: Ich war mit 15.000 Kindern im Ghetto Theresienstadt und nur etwa 150 haben überlebt. Wie generell bei Child Survivors, welche die Verfolgung der Nazis als Kinder und/oder Jugendliche überlebt haben, so ist auch bei mir der Neuanfang 1945 schwierig gewesen. Natürlich war die Befreiung ein Höhepunkt des eigenen Lebens. Aber es fehlte viel Ausbildung, es fehlte 'das Erlernen des Verhaltens im Alltag' durch eine gesunde Familie in einem respektvollen gesellschaftlichen Umfeld. Für die Auswirkungen des Holocaust ist typisch, dass ich sie nach wie vor spüre und in den Herausforderungen des Lebens damit immer neu umgehen muss. 2001 wurde der Verein Child Survivors Deutschland e. V. gegründet, in dem ich ein aktives Vorstandsmitglied bin.“ Liesel Binzer

 

Familiengeschichtliche Daten zu Liesel Michel-Binzer

Vater: Bernhard Michel (9.10.1897 Burgsteinfurt – 24.11.1977 Frankfurt/M.)

Mutter: Hilde Rosenberg (15.3.1906 Freckenhorst – 6.10.1977 Münster)

Hochzeit: 20.12.1935 in Münster

(Hilde und Bernhard Michel sind beerdigt auf dem Jüdischen Friedhof in Warendorf.)

Liesel Michel-Binzer

Geburt: 16.10.1936 Münster; einziges Kind des Ehepaares

Hochzeit: 1.4.1960 in Freckenhorst, Hans David Binzer (1931 – 2005)

Kinder: Daniela (*1961), Gabriela (*1962), Michael (*1966)

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Antisemitismus Heute:

Von unserem Mitglied Pavel Hoffmann

 

Wer geglaubt hat, dass nach dem Holocaust und der Vernichtung von zwei Drittel der europäischen Juden, resp. 90% der jüdischen Kinder Europas, der Antisemitismus der Vergangenheit angehört, der hat sich maßlos getäuscht.

Die Definition des Antisemitismus hat sich aber seit es Israel gibt, grundsätzlich geändert. Vor 1945 bezeichnete sich ein Mensch, der "die Juden noch weniger mag als üblich", stolz selbst als Antisemiten. Heute kann man denjenigen, der von den Juden bzw. den Israelis, das verlangt, was man Nichtjuden nicht einmal im Traum zugemutet hätte, zu Recht als Antisemiten bezeichnen. Denn ein wehrhafter Jude ist für viele Deutsche oder Europäer nach 2000 Jahren Opferrolle unerträglich. Juden sollen gefälligst die Opfer bleiben, die sich berauben, vertreiben oder ermorden lassen. In unseren fortschrittlichen Demokratien werden die jüdischen Opfer von Paris, Brüssel, Beerscheba und anderswo bedauert und beweint und dann wird eine Gedenkfeier mit Klezmer-Musik abgehalten. Antisemitismus wird aber nicht in erster Linie von Vorurteilen bestimmt, sondern von tiefgehenden Ressentiments. Vorurteile sind dahingegen eher harmlos, man braucht sie, um sich im Leben zurecht zu finden, denn jeder hat positive und negative Vorurteile.

Dass die Juden z.B. das Volk des Buches oder das Volk des Witzes sind, hören wir gerne, dass sie aber schlechtes Benehmen haben hören wir ungern.

Deutsche sind fleißig, diszipliniert und gastfreundlich, dem wird man sicher zustimmen. Wenn man sagt, sie seien geizig, humorlos und kindisch, stößt man auf Widerstand.

Ein Vorurteil zielt auf das Verhalten des Menschen, das Ressentiment immer auf dessen Existenz.

Der Antisemit nimmt dem Juden nicht das übel, was er macht oder wie er ist. Dass der Jude überhaupt existiert, ist sein Problem. Anpassung oder auch die Abgrenzung wirft der Antisemit den Juden vor. Reiche Juden sind Ausbeuter, arme Juden sind Schmarotzer, kluge Juden sind überheblich, dumme Juden ( ja auch solche gibt es ) sind eine Schande für das Judentum. Der Antisemit nimmt den Juden alles übel und auch das Gegenteil davon. Deshalb bringt es nichts mit Antisemiten über die Absurdität deren Ansichten zu diskutieren. Man muss sie ausgrenzen oder in einer Art sozialer Quarantäne isolieren. Die Gesellschaft muss unbedingt deutlich herausstellen, dass sie den Antisemiten und den Antisemitismus genauso verachtet wie die Prügelstrafe als Mittel der Erziehung oder die Vergewaltigung (auch in der Ehe).

Der Antisemitismus unterliegt dem zeitbedingten Wandel, so wie die Armut heute nicht mehr die gleiche ist wie zur Zeit des Oliver Twist oder wie bei Aschenputtel.

 

Antisemitismus scheint wohl inzwischen zu einer „DNA- Eigenschaft“ Europas geworden zu sein.

Der gewöhnliche Antisemitismus ist der Antisemitismus der dummen Kerle, um es mit einem Bebel Zitat zu beschreiben. Er schmiert Hakenkreuze an die jüdischen Grabsteine und brüllt:“Juda verrecke“. Niemand wird sich mit Rabauken solidarisieren, die den Arm zum Hitlergruß heben oder „Juden raus“ schreien.

Es ist hässlich und dumm, aber höchstens ein Fall für die Polizei, weil es letztlich irrelevant ist.

Der moderne Antisemit hat dagegen keine Glatze, dafür aber Manieren und oft sogar einen akademischen Titel. Er trauert um die toten Juden, die im Holocaust umgekommen sind, aber stellt gleich die Frage, warum die Juden aus ihrer Geschichte nichts gelernt haben und heute ein anderes Volk misshandeln. Der moderne Antisemit glaubt nicht an die Protokolle der Weisen von Zion, aber er fantasiert über die sogenannte Israel Lobby, die mit den USA wedeln wie ein Hund mit dem Schwanz.

Der moderne Antisemit gedenkt des 27. Januar, dem Tag der Befreiung von Auschwitz. Aber gleichzeitig möchte er dem Iran auch das Recht zugestehen, eine Atombombe zu haben.

Der moderne Antisemit findet den ordinären Antisemitismus schrecklich, aber gleichzeitig bekennt er sich zum Antizionismus, damit er hierin seine Abneigung gegenüber den Juden in einer politischen korrekten Form ausleben kann.

Der Antizionist hat die gleiche Einstellung zu Israel wie der klassische Antisemit zu den Juden. Den Antizionisten stört nicht alles, was Israel macht, aber dass Israel überhaupt existiert. Deshalb beteiligt er sich vehement an der Debatte um die Lösung der Palästina Frage, die für das Israel die Endlösung bedeutet.

Währenddessen lassen ihn aber die Massenmorde im Simbabwe, Darfur oder Syrien genauso kalt wie die Aussendung von tausenden iranischen Kindern in die Minenfelder mit einem Plastik-Schlüssel um den Hals für den Schlüssel zum Himmel.

Vor dem Krieg gab es Juden, Antisemiten und Antisemitismus. Nach dem Krieg gab es Antisemitismus ohne Juden und heute haben wir es wieder mit einem Phänomen zu tun, dem Antisemitismus ohne Antisemiten.

Neu ist auch der Beruf eines „Freizeit Antisemiten“, der seinen Sonntagsbraten aus dem Porzellanteller des vergasten Nachbarn genießt und am Abend versucht sein schlechtes Gewissen durch den Besuch der antizionistischen Israel diffamierenden „Nakba“ Ausstellung zu beschwichtigen.

Antizionismus und Antisemitismus sind zwei Seiten der gleichen Medaille. War der Antisemit überzeugt dass der Jude an Antisemitismus selbst schuld ist, so ist der Antizionist überzeugt, dass Israel nicht nur für die Leiden der Palästinenser sondern auch dafür verantwortlich ist was es selbst erleiden muss.

Der moderne Antisemit ehrt die toten Juden, aber nimmt es den lebenden Juden übel, wenn sie sich wehren. Er ruft „Wehret den Anfängen“ wenn ein paar Hobbynazis in Cottbus aufmarschieren, aber hat Verständnis für den iranischen Führer, der monatlich zu der vollständigen Vernichtung des jüdischen Staates aufruft.

Der moderne Antisemit ist entsetzt, wenn in Paris oder Berlin Islamisten wahllos Zivilisten ermorden, aber er sucht nach einer Motivation, wenn eine israelische Familie von zwei Arabern brutal ermordet wird und dem Baby noch der Kopf abgeschnitten wird.

Der Korrespondent des Bayerischen Rundfunks, dessen Botschaften im Radio, auf tagesschau.de und über Twitter verbreitet werden, sagte doch allen Ernstes nach dem furchtbaren  Blutbad in einer Jerusalem Synagoge: »Nach dem Motiv der Attentäter fragt niemand.«

Das Motiv fehlt!

Aber welches Motiv kann jemand haben, der sich mit einem anderen dazu verabredet, in einer Synagoge vier betende Juden mit dem Hackmesser niederzumetzeln? Da nichts gestohlen wurde, war es kein Raubmord, auch Eifersucht und ein Unfall können nach ersten Erkenntnissen ausgeschlossen werden – der Fall bleibt rätselhaft. .

Genauso können sich 71% der Deutschen nicht vorstellen, dass Juden und Araber nicht nur in Israel, sondern auch in einem Staat Palästina leben könnten. Sie träumen lieber von einer ethnischen Säuberung, die früher Adolf und heute Herr Abas seinen Landsleuten versprochen hat, die sie aber sonst weltweit geißeln.

Die Aufgabe der Menschheit besteht nicht darin, scheinheilig nach »dem Motiv« der Täter zu fragen – das kennen wir bereits –, sondern darin, sie zu stoppen.

Der erste Schritt dorthin ist, eben jenes Motiv so laut, so deutlich und so oft wie möglich zu benennen und dabei keine Schutzbehauptungen zugunsten der Täter zuzulassen.

Der einzige Antrieb der Mörder und ihrer Unterstützer ist: sadistischer Judenhass.

 

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Pavel Hoffmann: Gedenkreden

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Pavel Hoffmann: Sicherheitsrat-Entscheidung

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Geschützt: Blog: Kinder der Shoah

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Gedenkveranstaltung anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 24. Januar 2017 in der Synagoge Oranienburger Straße, in Berlin

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Zeitzeugengespräch mit Liesel Binzer

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9. Nov. Bittere Vergangenheit-bessere Zukunft?

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Rezension von Philipp Sonntag zu Peter Kroh: Minderheitenrecht ist Menschenrecht – Sorbische Denkanstöße zur politischen Kultur in Deutschland und Europa. Beggerow Verlag, 2015, 485 Seiten.

Rezension von Philipp Sonntag zu

Peter Kroh: Minderheitenrecht ist Menschenrecht – Sorbische Denkanstöße zur politischen Kultur in Deutschland und Europa. Beggerow Verlag, 2015, 485 Seiten.

Minderheiten- und Fremdenfeindlichkeit sind Phänomene der Vergangenheit und Gegenwart. Beim Beggerow Verlag ist ein Buch erschienen, das dem Leser deutsche und europäische Konflikte im Umgang mit ethnischen Minderheiten nahebringt. Es kann unsere Solidarität wesentlich präzisieren und mitfühlend unsere emotionale Verbundenheit vertiefen.

Der Autor Peter Kroh hatte als Sorbe in der DDR zunächst handwerklich gearbeitet, später ein Lehrerstudium begonnen und danach promoviert über „Ethische Probleme der sozialistische Arbeitsdisziplin“. Hinzu kam 1985 eine Habilitation zu „Wirkungsbedingungen des protestantischen Arbeitsethos in der DDR“. Zugleich war und ist er mit den Lebensumständen der Sorben vertraut. Dieser Werdegang macht nachvollziehbar, inwiefern er für eine systematische Untersuchung des Schicksals der Sorben, insbesondere zur Zeit des Nazi-Regimes, prädestiniert war.

Dazu hat er vor allem das Wirken des Sorben Jan Skala (1889 -1945) als Chefredakteur der „Kulturwehr“ (Zeitschrift des Verbandes der nationalen Minderheiten in Deutschland) mit Akribie und Einfühlungsvermögen nachgezeichnet. Skalas minderheitspolitische Schriften und Reden sind vielfältig ergiebig und bezeichnend sowohl für damalige als auch aktuelle Probleme. Auf der Rückseite des Buches steht der enthüllende Satz: „Wahre Ignoranz ist nicht fehlendes Wissen, sondern Weigerung, es zu erwerben.“

Das Buch ist für Wissenschaftler außerordentlich ergiebig und dabei für Laien anschaulich und gut verständlich. Es gibt der in Deutschland weitgehend unbekannten sorbischen Identität eine selbstkritisch ehrliche Gestalt, immer vor dem Hintergrund systematischer Unterdrückung vor allem während der Zeit des Nazi-Regimes. Dafür sind bereits Formulierungen von Kapitelüberschriften typisch, wie „Kritik an nationalistischer und klerikaler Minderheitenpolitik“, aber auch „Innersorbische Querelen mit bei-spiellosen Unfassbarkeiten“. Skala sah „die sorbische Seite nicht auf der Höhe der Zeit“ (S. 174), indem zum Beispiel klerikal-nationalistische Übergriffe wie nur deutsch sprechende Pastoren in sorbischen Kirchen teils mit Protest, aber auch teils mit gewohnter Unterwürfigkeit unter klerikale Strukturen beantwortet wurden. Überzeugend weist der Autor nach, dass „christliche und sozialistische Ideen – wechselseitig sich befruchtend und immer Bezug nehmend auf die soziale Wirklichkeit – […] Skalas journalistisches und politisches Engagement für die Minderheits- und Menschenrechte seines sorbischen Volkes (leiteten)“ (S.111)

Kennzeichnend sind Formulierungen wie „Minderheitenverband, 'Kulturwehr‘ und Skala rudern mutig gegen den Sturm.“ Der Kontext ist eindeutig (S. 13): „In gesellschaftlichen Krisen und mit ihnen entstanden und entstehen rechtsextreme, faschistoide Stimmungen, Bewegungen und Organisationen. Faschismus jedoch – das lehrt uns die Geschichte – ist die vorsätzliche, zielstrebige, allumfassende Zerstörung aller Menschen- und Minderheitenrechte.“

Weil für den Autor jedoch – wie es auf der Rückseite heißt – Geschichte „nicht zuerst Rückblick, sondern Ausblick“ ist, geht er nach einer komplexen Erörterung der Menschenrechte und kritischen Anmerkungen zu ihrer Ausprägung in der Bundesrepublik auf höchst aktuelle Probleme des sorbischen Volkes ein. Dafür stehen u.a. Kapitelüberschriften wie „Einigungsvertrag und Grundgesetz“,„ Staatsbürgerschaft“, „Serbski Sejmik“ , d.h. das Streben der Sorben nach einem eigenen Parlament oder „Heimat und Bodenschätze“, wo er auf die Gefahren für das Volk durch die Abbaggerung aufmerksam macht.   


Der Druck des informativen Buches wurde möglich mit Förderung durch die „Stiftung für das sorbische Volk“. Zugleich ist für einen kleinen Verlag wie Beggerow eine derart sorgfältige, fundiert moderne Publikation eine beeindruckende Leistung. Der Verlag hat sich aus seinem belletristischen Schwerpunkt (mit dem 2012 verstorbenen Verleger Rainer Hengsbach) heraus in Richtung sozialkritischer Bücher (so die Buchserie „Zu Wahrheiten vereint“) bewegt und die weitere Entwicklung mit der Verlegerin Karin Manke-Hengsbach erscheint als vielversprechend.

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Die Child Survivors als Brücke zwischen den Menschen von unserem Mitglied Fred Lieball 9/2015

Die Child Survivors als Brücke zwischen den Menschen

Fred Lieball    9/2015

Die Gruppe der Child Survivors hat sich seit vielen Jahren zu einer guten Hilfe für 

uns, die Kinder mit einer so schweren Vergangenheit entwickelt. Wir sind alt 

geworden und haben doch immer noch das Gefühl die Erinnerungen unserer 

Kindertage in uns wach zu halten. Unsere Meinungen in Weltanschauung und Politik 

sind weit zerstreut, und doch eint uns der Wunsch, dass auf der Welt ein solches 

schweres Schicksal, wie es uns beschieden war, nicht mehr zugelassen wird. Wir 

treffen uns, helfen denen, die vom Alter geplagt werden und leider müssen wir auch 

manchmal die begleiten, deren Uhr abgelaufen ist. So ist es unsere große Sorge, 

dass es uns als Verein eines Tages nicht mehr geben wird, wenn es uns nicht gelingt 

auch weitere Kreise für unsere Sache zu interessieren. 

So geschah es vor einigen Jahren, dass Child Survivor Marie-Claire Genestier aus 

Frankreich unserem Verein antrug, mit einem Berliner Mitglied in Verbindung zu 

treten. Gern habe ich diesem Wunsch entsprochen, als ich erfuhr, dass sie von zwei 

Berliner Eltern stammte, die emigriert waren. Sie hatte Berlin nie gesehen, und doch 

hatte sie die Begeisterung ihrer Eltern für ihre Stadt gespürt und in sich 

aufgenommen, war dadurch angeregt. Seit dieser Zeit gehen die Briefe zwischen ihr 

und mir hin und her und ich bin überrascht und beglückt, wie nahe wir uns in dem 

Gefühl Berliner zu sein, gekommen sind. Beide sind wir in dem Alter, in dem wir uns 

eine Begegnung hier oder dort nicht mehr erlauben können, doch der Briefaustausch 

ist uns jedes Mal eine Freude. 

Inzwischen ist es mir auch gelungen, meine Freundin in den Kreis derer 

einzubeziehen, die von der Kanzlei unseres Bürgermeisters mit einem Journal 

bedacht werden. So ist sie stets über die Entwicklung und Veränderung in Berlin 

wohl unterrichtet. Auch pflegt sie das Internet-Portal unseres Vereins oft zu 

verfolgen, und kennt alle Veränderungen und Bewegungen unseres Vereins. Ich bin 

sicher, wenn dieser Beitrag im Internet erscheint, dann wird auch sie davon 

profitieren, es wird uns beide sehr erfreuen. Ich halte es für sehr wichtig, dass man 

sich gerade in unseren alten Tagen an Gesprächen mit Gleichgesinnten erfreuen 

kann. Wir sind beide ein gutes Beispiel dafür und können es anderen als 

nachahmenswert empfehlen. Wir haben eine Brücke geschlagen über eine große 

Entfernung und fühlen uns so sehr nah. An dieser Stelle möchte ich meine Freundin 

herzlich grüßen.

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Leserbrief Mai 2015, zu den Wahlen in Israel

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