Rezension von Philipp Sonntag zu Peter Kroh: Minderheitenrecht ist Menschenrecht – Sorbische Denkanstöße zur politischen Kultur in Deutschland und Europa. Beggerow Verlag, 2015, 485 Seiten.

Rezension von Philipp Sonntag zu

Peter Kroh: Minderheitenrecht ist Menschenrecht – Sorbische Denkanstöße zur politischen Kultur in Deutschland und Europa. Beggerow Verlag, 2015, 485 Seiten.

Minderheiten- und Fremdenfeindlichkeit sind Phänomene der Vergangenheit und Gegenwart. Beim Beggerow Verlag ist ein Buch erschienen, das dem Leser deutsche und europäische Konflikte im Umgang mit ethnischen Minderheiten nahebringt. Es kann unsere Solidarität wesentlich präzisieren und mitfühlend unsere emotionale Verbundenheit vertiefen.

Der Autor Peter Kroh hatte als Sorbe in der DDR zunächst handwerklich gearbeitet, später ein Lehrerstudium begonnen und danach promoviert über „Ethische Probleme der sozialistische Arbeitsdisziplin“. Hinzu kam 1985 eine Habilitation zu „Wirkungsbedingungen des protestantischen Arbeitsethos in der DDR“. Zugleich war und ist er mit den Lebensumständen der Sorben vertraut. Dieser Werdegang macht nachvollziehbar, inwiefern er für eine systematische Untersuchung des Schicksals der Sorben, insbesondere zur Zeit des Nazi-Regimes, prädestiniert war.

Dazu hat er vor allem das Wirken des Sorben Jan Skala (1889 -1945) als Chefredakteur der „Kulturwehr“ (Zeitschrift des Verbandes der nationalen Minderheiten in Deutschland) mit Akribie und Einfühlungsvermögen nachgezeichnet. Skalas minderheitspolitische Schriften und Reden sind vielfältig ergiebig und bezeichnend sowohl für damalige als auch aktuelle Probleme. Auf der Rückseite des Buches steht der enthüllende Satz: „Wahre Ignoranz ist nicht fehlendes Wissen, sondern Weigerung, es zu erwerben.“

Das Buch ist für Wissenschaftler außerordentlich ergiebig und dabei für Laien anschaulich und gut verständlich. Es gibt der in Deutschland weitgehend unbekannten sorbischen Identität eine selbstkritisch ehrliche Gestalt, immer vor dem Hintergrund systematischer Unterdrückung vor allem während der Zeit des Nazi-Regimes. Dafür sind bereits Formulierungen von Kapitelüberschriften typisch, wie „Kritik an nationalistischer und klerikaler Minderheitenpolitik“, aber auch „Innersorbische Querelen mit bei-spiellosen Unfassbarkeiten“. Skala sah „die sorbische Seite nicht auf der Höhe der Zeit“ (S. 174), indem zum Beispiel klerikal-nationalistische Übergriffe wie nur deutsch sprechende Pastoren in sorbischen Kirchen teils mit Protest, aber auch teils mit gewohnter Unterwürfigkeit unter klerikale Strukturen beantwortet wurden. Überzeugend weist der Autor nach, dass „christliche und sozialistische Ideen – wechselseitig sich befruchtend und immer Bezug nehmend auf die soziale Wirklichkeit – […] Skalas journalistisches und politisches Engagement für die Minderheits- und Menschenrechte seines sorbischen Volkes (leiteten)“ (S.111)

Kennzeichnend sind Formulierungen wie „Minderheitenverband, 'Kulturwehr‘ und Skala rudern mutig gegen den Sturm.“ Der Kontext ist eindeutig (S. 13): „In gesellschaftlichen Krisen und mit ihnen entstanden und entstehen rechtsextreme, faschistoide Stimmungen, Bewegungen und Organisationen. Faschismus jedoch – das lehrt uns die Geschichte – ist die vorsätzliche, zielstrebige, allumfassende Zerstörung aller Menschen- und Minderheitenrechte.“

Weil für den Autor jedoch – wie es auf der Rückseite heißt – Geschichte „nicht zuerst Rückblick, sondern Ausblick“ ist, geht er nach einer komplexen Erörterung der Menschenrechte und kritischen Anmerkungen zu ihrer Ausprägung in der Bundesrepublik auf höchst aktuelle Probleme des sorbischen Volkes ein. Dafür stehen u.a. Kapitelüberschriften wie „Einigungsvertrag und Grundgesetz“,„ Staatsbürgerschaft“, „Serbski Sejmik“ , d.h. das Streben der Sorben nach einem eigenen Parlament oder „Heimat und Bodenschätze“, wo er auf die Gefahren für das Volk durch die Abbaggerung aufmerksam macht.   


Der Druck des informativen Buches wurde möglich mit Förderung durch die „Stiftung für das sorbische Volk“. Zugleich ist für einen kleinen Verlag wie Beggerow eine derart sorgfältige, fundiert moderne Publikation eine beeindruckende Leistung. Der Verlag hat sich aus seinem belletristischen Schwerpunkt (mit dem 2012 verstorbenen Verleger Rainer Hengsbach) heraus in Richtung sozialkritischer Bücher (so die Buchserie „Zu Wahrheiten vereint“) bewegt und die weitere Entwicklung mit der Verlegerin Karin Manke-Hengsbach erscheint als vielversprechend.

Veröffentlicht unter Artikel unserer Mitglieder | Kommentare deaktiviert für Rezension von Philipp Sonntag zu Peter Kroh: Minderheitenrecht ist Menschenrecht – Sorbische Denkanstöße zur politischen Kultur in Deutschland und Europa. Beggerow Verlag, 2015, 485 Seiten.

Videos

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für Videos

Die Child Survivors als Brücke zwischen den Menschen von unserem Mitglied Fred Lieball 9/2015

Die Child Survivors als Brücke zwischen den Menschen

Fred Lieball    9/2015

Die Gruppe der Child Survivors hat sich seit vielen Jahren zu einer guten Hilfe für 

uns, die Kinder mit einer so schweren Vergangenheit entwickelt. Wir sind alt 

geworden und haben doch immer noch das Gefühl die Erinnerungen unserer 

Kindertage in uns wach zu halten. Unsere Meinungen in Weltanschauung und Politik 

sind weit zerstreut, und doch eint uns der Wunsch, dass auf der Welt ein solches 

schweres Schicksal, wie es uns beschieden war, nicht mehr zugelassen wird. Wir 

treffen uns, helfen denen, die vom Alter geplagt werden und leider müssen wir auch 

manchmal die begleiten, deren Uhr abgelaufen ist. So ist es unsere große Sorge, 

dass es uns als Verein eines Tages nicht mehr geben wird, wenn es uns nicht gelingt 

auch weitere Kreise für unsere Sache zu interessieren. 

So geschah es vor einigen Jahren, dass Child Survivor Marie-Claire Genestier aus 

Frankreich unserem Verein antrug, mit einem Berliner Mitglied in Verbindung zu 

treten. Gern habe ich diesem Wunsch entsprochen, als ich erfuhr, dass sie von zwei 

Berliner Eltern stammte, die emigriert waren. Sie hatte Berlin nie gesehen, und doch 

hatte sie die Begeisterung ihrer Eltern für ihre Stadt gespürt und in sich 

aufgenommen, war dadurch angeregt. Seit dieser Zeit gehen die Briefe zwischen ihr 

und mir hin und her und ich bin überrascht und beglückt, wie nahe wir uns in dem 

Gefühl Berliner zu sein, gekommen sind. Beide sind wir in dem Alter, in dem wir uns 

eine Begegnung hier oder dort nicht mehr erlauben können, doch der Briefaustausch 

ist uns jedes Mal eine Freude. 

Inzwischen ist es mir auch gelungen, meine Freundin in den Kreis derer 

einzubeziehen, die von der Kanzlei unseres Bürgermeisters mit einem Journal 

bedacht werden. So ist sie stets über die Entwicklung und Veränderung in Berlin 

wohl unterrichtet. Auch pflegt sie das Internet-Portal unseres Vereins oft zu 

verfolgen, und kennt alle Veränderungen und Bewegungen unseres Vereins. Ich bin 

sicher, wenn dieser Beitrag im Internet erscheint, dann wird auch sie davon 

profitieren, es wird uns beide sehr erfreuen. Ich halte es für sehr wichtig, dass man 

sich gerade in unseren alten Tagen an Gesprächen mit Gleichgesinnten erfreuen 

kann. Wir sind beide ein gutes Beispiel dafür und können es anderen als 

nachahmenswert empfehlen. Wir haben eine Brücke geschlagen über eine große 

Entfernung und fühlen uns so sehr nah. An dieser Stelle möchte ich meine Freundin 

herzlich grüßen.

Veröffentlicht unter Artikel unserer Mitglieder | Kommentare deaktiviert für Die Child Survivors als Brücke zwischen den Menschen von unserem Mitglied Fred Lieball 9/2015

Leserbrief Mai 2015, zu den Wahlen in Israel

Veröffentlicht unter Artikel unserer Mitglieder | Kommentare deaktiviert für Leserbrief Mai 2015, zu den Wahlen in Israel

Als kleiner Bub die Gräuel der Nazis überlebt

ÖHRINGEN Zeitzeuge Pavel Hoffmann berichtet am Technischen Gymnasium vom Schicksal seiner jüdischen Familie….

Weiterlesen>>

Veröffentlicht unter Zeitzeugengespräche | Kommentare deaktiviert für Als kleiner Bub die Gräuel der Nazis überlebt

Artikel: Kritischer blick auf Israel vom 27.Januar 2015

Betreff: Artikel: Kritischer blick auf Israel vom 27.Januar 2015

Genau zu richtiger Zeit (Auschwitz Gedenktag) kam die Veröffentlichung der Umfrage wie die Deutschen den Staat, in dem die Shoa Überlebenden Ihre Heimat gefunden haben, beurteilen. Das Ergebnis zeigte einen Fortschritt. Noch vor 75 Jahren bewerteten mehr als 80% der Deutschen die Juden als Unglück für Deutschland. Bei den 18-29 Jährigen kann man annehmen, waren es 95%. Heute sind die Zahlen viel kleiner. Damals wie heute waren es die gleichen Gründe. Ein verheerendes Unwissen und Vorurteile über die Juden resp. Israel und eine Gehirnwäsche: damals Stürmer und der Deutscher Rundfunk, heute SZ und ARD. Es gibt aber auch Unterschiede. Damals hat man gebrüllt: "Juden raus nach Palästina" – heute schreit man "Juden raus aus Palästina". Man sollte sich endlich entscheiden, was man will. Ja und die Ähnlichkeit der israelischen Politik mit Nationalsozialismus hat es auch in sich. Damals hat der, bis heute meist geehrte Führer der palästinensischen Araber Amin el Husseini dafür gesorgt, dass 5000 jüdischen Kinder in Auschwitz vergast wurden, heute werden tausende palästinensische Kinder in den Israelischen Krankenhäuser kostenlos behandelt. Sogar die Kinder von Hamas Führern. Ja und der Gaza Krieg. Ich warte immer noch auf die flammenden Proteste der Israelkritiker gegen die "unverhältnismäßige" Bombardierung von IS beim unzähligen (wörtlich) zivilen Opfer, die weder erwähnt noch gezählt werden. Dabei schießen die Islamisten doch nur mit "Spielzeugraketen". Die Hamas und Hisbollah sind übrigens weit effektiver bewaffnet als IS. Was noch wichtiger ist, keiner der Staaten die bereits monatelang die Bomben abwerfen, kämpft um seine Existenz, in keinem dieser Staaten werden die Bürger mit tausenden Raketen noch Terrortunnels bedroht. Wo bleiben die Proteste der Israelkritiker? Oder verstummt man, wenn es sich nicht um die Juden handelt? Das nennt man heute den wahren Antisemitismus. Es gibt heute auch was Positives. Noch nie waren so viele mutige und anständige Bürger mit Israelischen Fahnen auf den Straßen zu sehen. Und es waren nicht nur Juden, die den einzigen demokratischen Staat im Nahen Osten trotz der Gefahr, der sie ausgesetzt waren unterstützten. Die Welt hat am 27.Januar die ermordeten Juden gedacht. In Auschwitz marschierten vermutlich zum Letzten Mal viele Staatsführer zusammen mit den letzten Shoa Überlebenden. Es gab allerdings auch etwas, das diesen Tag mit Sinn erfüllte und ihm Würde verlieh. Wie jedes Jahr donnerten auch an diesem 27. Januar israelische Kampfjets im Tiefflug über Birkenau. Das war keine Verletzung der polnischen Lufthoheit und keine artistische Übung einer Kunstflugstaffel. Nicht einmal eine Erinnerung daran, dass die Alliierten es versäumt hatten, Auschwitz zu bombardieren, als die Gaskammern noch in Betrieb waren. Es war eine klare Ansage: "Ihr trauert um die Toten, wir kümmern uns um die Lebenden. Und nebenbei: Wenn es uns damals schon gegeben hätte, hätte man nicht gewagt Euch abzuschlachten. Also seid froh, dass es uns gibt." Aus der Vergangenheit haben die Deutschen und die Juden unterschiedlichen Lehren gezogen. "Nie wieder Krieg" sagen die Deutschen und "nie wieder Opfer" sagen die Juden. Das erste Versprechen ist inzwischen hinfällig, hoffen wir, dass das zweite für immer anhält.

 

Pavel Hoffmann

Veröffentlicht unter Artikel unserer Mitglieder | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für Artikel: Kritischer blick auf Israel vom 27.Januar 2015

Bericht über das Treffen des weltweit größten Vereines der Shoa Überlebenden der Theresienstadt Initiative in Prag.

Am 15.4. hat wie jedes Jahr das Jahrestreffen der Theresienstadt initiative (kurz TI genannt) stattgefunden. Bereits seit 7 Jahren findet das Treffen in einem der Kongresssälen des Hotels DUO in dem der inzwischen verstorbener jüdischer Besitzer den Raum kostenlos zur Verfügung stellt und sein Sohn setzt diese Tradition fort. Die Vorsitzende Dr. Dagmar Lieblová hat das Treffen eröffnet und hat sich gleich am Anfang der Eröffnungsrede an die zweite Gene-ration gewandt um die Aufgaben des Vereines in der nächsten Zukunft zu übernehmen damit die Erinnerungskultur weiterhin bestehen bleibt. Als Gäste waren neben vielen anderen die 5 Mitglieder des Vereines: „Initiative 27 Januar e.v.“ mit dem Projekt: „Zeugen der Zeitzeugen“ anwesend. Die Projektleiterin Frau Marina Rentschler hat die Anwesenden begrüßt und versprochen alles zu tun um die Erinnerung an das größte Verbrechen in der Menschheitsgeschichte weiterhin auf-rechtzuhalten. Mich haben die 5 jungen Damen gebeten über den heutigen Antisemitismus zu berichten. Sie haben danach auch das Ghetto und KZ Theresienstadt besucht. Neben dieser Delegation der jungen Deutschen waren auch Vertreter der Israelischen Botschaft, ICEJ und des tschechischen Parlaments anwesend und haben ihre Grußworte vorgetragen. Es war aber zu sehen, dass eine Reihe von Mitglieder nicht dabei waren entweder wegen Krankheit oder sind inzwischen gestorben. Andererseits waren dabei bereits Mitglieder der zweiten Generation was verspricht die Fortsetzung dieser notwendigen und verdienstvollen Arbeit.

Pavel Hoffmann Reutlingen den 25.4. 2015

Veröffentlicht unter Artikel unserer Mitglieder | Kommentare deaktiviert für Bericht über das Treffen des weltweit größten Vereines der Shoa Überlebenden der Theresienstadt Initiative in Prag.

Interview mit unserem Ehrenpräsidenten Horst Selbiger

"Interview mit unserem Ehrenpräsidenten Horst Selbiger am 26.04.2014".

 

Veröffentlicht unter Zeitzeugen im Interview, Zeitzeugengespräche | Kommentare deaktiviert für Interview mit unserem Ehrenpräsidenten Horst Selbiger

Zeitzeugen im Interview (Video)

Veröffentlicht unter Zeitzeugen im Interview | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert für Zeitzeugen im Interview (Video)

Zeitzeugen im Interview

Ein Teil unserer Mitglieder hat als Zeitzeugen im Interview aus eigenen Erfahrungen berichtet. Diese Aufnahmen stellen wir für Schulen, Veranstaltungen usw. kostenfrei zur Verfügung.

bulletWeiter zu Zeitzeugen im Interview                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             

Veröffentlicht unter Zeitzeugengespräche | Kommentare deaktiviert für Zeitzeugen im Interview

Donnerstag, 27. Februar 2014 um 16:00 Uhr: Gedenken an die “Fabrik-Aktion” und den Protest in der Rosenstraße

Donnerstag
27. Februar 201 4
Gedenken
an die „Fabrik-Aktion“
und den Protest
in der Rosenstraße
1 6 Uhr
Stilles Gedenken am
Mahnmal Große Hamburger Straße, Berlin-Mitte
ElMale Rachamim
Kantor Issac Sheffer
Kaddisch
Rabbiner Yitzak Ehrenberg
Anschließend Schweigemarsch zur Rosenstraße
1 6.30 Uhr
Einweihung der restaurierten Dokumentationssäulen
des Gedenkorts Rosenstraße 2-4, Berlin-Mitte
Prof. Dr. Andreas Nachama, Stiftung Topographie des Terrors
Daniel Wall, Wall AG
Mit freundlicher Unterstützung derWall AG
1 6.40 Uhr
Gedenkfeier in der Rosenstraße, Berlin-Mitte,
am Denkmal der Bildhauerin Ingeborg Hunzinger
Gedenkode
Avitall Gerstetter
Worte des Gedenkens /Grußworte
Dr. Christian Hanke, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte
Dr. Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin
Hebräischer Gebetsgesang
Avitall Gerstetter
Gedenkgebet
Dr. Mario Offenberg,
Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin
KelMalé Rachamim und Kaddisch
Rabbiner Yakov Zinvirt
1 7.1 5 Uhr
Zeitzeugengespräch im Instituto Cervantes,
Rosenstraße 1 8, Berlin-Mitte
Zeitzeugengespräch mit Horst Selbiger und Schülerinnen und Schülern
der Schöneberger Sophie-Scholl-Oberschule
Mit freundlicher Unterstützung des Instituto Cervantes Berlin
Am 27. Februar 1 943 fand die „Fabrik-Aktion“ statt, bei der Tausende Jüdinnen
und Juden an ihren Zwangsarbeitsstätten verhaftet und anschließend
nach Auschwitz deportiert wurden. In Berlin waren auch viele in sogenannter
Mischehe Lebende darunter, die im Sammellager in der Rosenstraße 2-4,
dem ehemaligen Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, interniert
wurden. Als ihre Angehörigen, vorwiegend Frauen, erfuhren, wo sie sich befanden,
harrten sie tagelang vor dem Gebäude aus – bis zu deren Freilassung.
Initiativkreis: Anne Frank Zentrum, Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), Bet Debora e.V., Bezirksamt Mitte
von Berlin, Deutsch-Israelische Gesellschaft, Frauenarbeit der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-
schlesische Oberlausitz, Frauenseelsorge im Erzbistum Berlin, Gedenkstätte Stille
Helden, Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V., Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adass
Jisroel) zu Berlin, Jüdische Gemeinde zu Berlin, Stiftung Topographie des Terrors, Überparteiliche
Fraueninitiative Berlin – Stadt der Frauen e.V.

Veröffentlicht unter Zeitzeugengespräche | Kommentare deaktiviert für Donnerstag, 27. Februar 2014 um 16:00 Uhr: Gedenken an die “Fabrik-Aktion” und den Protest in der Rosenstraße

Bericht über drei letzten Zeitzeugen Gespräche am ende des Jahres 2013.

Es wird immer offensichtlicher, dass die Zeitzeugen langsam aussterben und deshalb ver-sucht man die letzten, die bereit sind über ihr Schicksal öffentlich zu berichten, so oft wie möglich einzuladen.

1. Ich wurde zuerst in die Freie Waldorfschule Balingen eingeladen .Dieses Zeitzeugen Ge-spräch wurde durch den Verein „Israelplattform“ vermittelt. Das Gespräch fand am 19. No-vember 2013 statt, Die etwa 45 Schüler waren sehr aufgeweckt, und sie haben viele Fragen gestellt. Es war auch mehr Zeit zur Verfügung gestellt als bei bisherigen Zeitzeugen Gesprä-chen. Der Religionslehrer Herr Grebe hat mich sehr herzlich empfangen und war sehr ent-gegenkommend. Er war auch sehr umfangreich über das Thema informiert. Er hat auch die Schüler sehr gut auf das Gespräch vorbereitet. Was mich aber hier am meisten überrascht und ich möchte sagen begeistert hat war das Feedback in der Form von fast 40!! persönli-chen Briefen von den Schülern, die mir Herr Grebe ein paar Tage später zugeschickt hat.. So etwa ist mir während der letzten 10 Jahren nirgendwo passiert. Ich kann nicht widerstehen und möchte hier einen Brief von vielen von einer Schülerin veröffentlichen.

2. Das zweite Zeitzeugen Gespräch fand in Stuttgart in der Ludwig Erhardt Schule statt. Ich muss sagen, dass hier ein völlig anderes Schülerpublikum zugehört hat. In dieser Klasse wa-ren etwa 4 Deutsche Schüler der Rest bunt international. Es waren meistens Hauptschüler, die sich auf Realschulabschluss vorbereitet haben. Ich habe auf Bitte der Lehrerin Frau Ka-tharina Anselm meine Einführung angepasst und während des Gesprächs haben die Schüler sehr aufmerksam zugehört. Die Diskussion war zwar nicht so umfangreich wie sonst aber ich habe einen sehr netten gemeinschaftlichen Brief mit allen Unterschriften bekommen und das Feedback war für mich auch überraschend. Trotz der Tatsache, dass in der Klasse Türki-sche, Kurdische und Schüler anderen Nationalität waren habe ich folgendes Feedback an-hand eines vorgelegten anonymen Fragebogens von 25 Schülern erhalten

Ich zitiere die Zusammenfassung der Lehrerin:

21 Schüler würden die Begegnung weiterempfehlen

– 12 Schüler zeigen weiteres Interesse an den in Israel lebenden Juden

– 9 sagen, durch die Begegnung hätte sich Ihre Einstellung im Zusammenhang Judentum/Holocaust verändert

– 9 sagen, an ihrer bisherigen Einstellung hat sich nichts verändert

Viele wissen sehr wenig über Judentum, den Holocaust und dass Ausmaß des Leids.

Berührt hat die Schüler vor allem, dass Sie so früh Ihre Eltern verloren haben und als Waise aufwuchsen. Des Weiteren Ihr Bericht von den vielen jüdischen Kindern, die vergast oder anderes umgekommen sind.

 

3. Mein drittes und in diesem Jahr das letzte Zeitzeugen Gespräch fand in Landau (Rheinland Pfalz) in dem Otto Hahn Gymnasium zum zweiten Mal am 11. Dezember 2013 statt. Dies-mal war dabei auch mein jüngster Enkel David, der dadurch als erster von meinen 4 Enkel-kindern bei einem Zeitzeugen Gespräch anwesend war. Es waren etwa 30 Gymnasiasten der 10-ten und 12-ten Klasse. Trotz einer Dauer von fast zwei Stunden ohne Pause haben die Schüler die ganze Zeit sehr aufmerksam zugehört. Die Diskussion danach hat sich erst zu Ende meines Aufenthaltes verstärkt. Es ist oft so, dass bevor die ersten sich trauen Fragen zu stellen, vergeht ziemlich viel Zeit. Ich habe um das Feedback gebeten aber inzwischen hat mich mein Enkel kurz informiert, dass er selbst einiges Neues über seine Familie erfahren hat und dann wörtlich geschrieben:

Die Leute aus meinem Kurs waren durch die Bank weg begeistert, auch diejenigen, die der Sache etwas skeptisch gegenüberstanden, weil wir ja schon so viel zum Holocaust in der Schule machen. So eine persönlichere Beschreibung hat es jedoch viel zugäng-licher und interessanter gemacht.

Somit kann ich zufrieden sein und warte jetzt auf das Feedback der ganzen Klasse. Wie ich schon oft gesagt habe und immer wieder erwähne. Meine Botschaft lautet:

wenn nur einige von den jungen Zuhörer den Begriff Jude in der Zukunft und hoffentl-ich immer nicht als Schimpfwort verstehen werden aber als Zugehörigkeit zum Volk und Religion hat sich mein Einsatz bereits gelohnt.

Ich nehme an das ist auch ein Wunsch von uns allen, die das Grauen überlebt haben..

 

Pavel Hoffmann den 12. Dezember 2013

 

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Zeitzeugengespräche | Kommentare deaktiviert für Bericht über drei letzten Zeitzeugen Gespräche am ende des Jahres 2013.

“Nakba” Ausstellung am 8. November – Gipfel der Geschmacklosigkeit

"Nakba" Ausstellung am 8. November – Gipfel der Geschmacklosigkeit

Am Vorabend des Pogroms an den deutschen Juden wird eine Ausstellung veranstaltet, bei der man mit Lügen und Halbwahrheiten den einzigen demokratischen Staat im Nahen Osten, nämlich Israel, diffamiert und dämonisiert. Diese Ausstellung wird seit Jahren von Frau Ingrid Rumpf organisiert und von einer berufsmäßigen „Israel-Kritikerin“, Frau Felicia Langer, unterstützt. Während in Syrien fast 150.000 Menschen abgeschlachtet, Hunderte von Kindern vergast werden, im Irak, Libyen und Ägypten monatlich Hunderte von Männern, Frauen und Kindern ermordet werden, ohne dass die Deutschen resp. Europäer dagegen protestieren, Ausstellungen veranstalten oder sich wenigstens stärker dafür interessieren, wird das jüdische Volk seit Jahren auf solchen Ausstellungen diffamiert und dämonisiert. Man geht gerne hin und schaut zufrieden auf die bösen Juden. So etwas nennt man heute die Vergangenheitsbewältigung. Niemandem scheint aufzufallen, dass bereits die erste Tafel, die Palästina von 1917 zeigen soll, eine dreiste Lüge ist. Auf dieser Tafel wird Palästina auf dem Gebiet des jetzigen Staates Israel und daneben ein damals nichtexistenter Staat, nämlich Jordanien, gezeigt. In Wirklichkeit, und jederzeit nachprüfbar, war 1917 das Gebiet Palästina ein Teil des Osmanischen Reiches und seit 1920 englisches Mandat. Das gesamte Palästina-Gebiet war 5 Mal größer als das Gebiet des heutigen Staates Israel. Erst 1922 wurden 4/5 des palästinensischen Gebietes an die arabische Dynastie Haschemiten von der Siegermacht England abgetreten, und das abgetretene Gebiet wurde auf den Namen Transjordanien getauft. In dem gesamten Gebiet Palästina lebten damals insgesamt 600.000 Menschen, davon ca. 150.000 Juden, Christen, Drusen und Beduinen. Der Rest war arabisch. Die einzigen Bewohner Palästinas, die sich Palästinenser genannt haben, waren damals die Juden. Sie bildeten auch die erste palästinensische Einheit, die im zweiten Weltkrieg als Teil der englischen Armee gegen Nazi-Deutschland gekämpft hat. Während des Krieges stand die Mehrheit der palästinensischen Araber treu an der Seite von Nazi-Deutschland. Der damalige Führer der palästinensischen Araber und Freund von Himmler, Mufti von Jerusalem Mohamed Amin Al Husseini, hat nicht nur mit Hitler in einem offiziellen Dokument die Ausrottung der Juden in Palästina vereinbart, sondern auch die brutalsten SS-Einheiten aus den bosnischen Moslems, die dort grausamer gewütet haben als selbst die deutschen SS-Einheiten, aufgestellt.

Husseini, ein fanatischer Antisemit und Freund von Himmler, hat 1943 das Vernichtungslager Auschwitz besichtigt, und nachdem er zufrieden feststellte, dass die Juden dort nach seinem Gusto behandelt werden, hat er Himmler überzeugt, 5000 jüdische Kinder, deren Eltern bereits ermordet worden waren und die ursprünglich durch Vermittlung des Roten Kreuzes gegen 20.000 deutsche Gefangene ausgetauscht und nach Palästina geschickt werden sollten, stattdessen nach Auschwitz zu senden, wo sie alle samt deren Betreuern und Ärzten in den Gaskammern vernichtet worden sind. Die Kinder kamen ursprünglich aus dem polnischen Konzentrationslager Bialystok nach Theresienstadt. Dort hatten sie ein paar Tage hinter dem Stacheldraht auf ihr Schicksal gewartet. Noch vor der Deportation nach Auschwitz hat man die Kinder, die nicht mehr in reisefähig waren, noch auf Ort und Stelle erschlagen. Es leben heute außer mir noch weitere ältere Augenzeugen dieser grausamen Tat, die sich als Mitglieder des weltweit größten Vereins der Holocaust-Überlebenden jedes Jahr in Prag treffen. Der Kriegsverbrecher Husseini, der bis 1974 als Ehrenmann in Ägypten gelebt hat, ist heute immer noch einer der meist geehrten Führer, Symbolfigur der arabischen Palästinenser und wird immer wieder von hochgestellten arabischen religiösen und weltlichen Führungspersönlichkeiten als einer der größten aller Palästinenser genannt. Sein Verwandter Jasir Arafat hat seine Politik erfolgreich fortgesetzt. Diese Fakten werden selbstverständlich auf der Ausstellung nicht gezeigt. Auch nicht die Tatsache, dass 1948 nach dem ersten Befreiungskrieg, in dem die Juden in dem gerade ausgerufenen Staat Israel gegen mehrere arabischen Staaten ums Überleben gekämpft haben, Jordanien das heutige Westjordanland völkerrechtswidrig besetzt, das ganze Gebiet Judenfrei gemacht, die Synagogen gesprengt und die 3000 Jahre alten jüdischen Friedhöfe als Latrinen benutzt hat. Damals, d.h. in den Jahren 1949 bis 1967, hat auch kein Mensch von einem palästinensischen Staat gesprochen, und es gab bis 1965 noch kein palästinensisches Volk. Die Nakba-Ausstellung verschweigt absichtlich und gezielt, dass man nach dem ersten Befreiungskrieg 900.000 Juden oft unter pogromartigen Begleitumständen aus allen arabischen Ländern vertrieben hat. Ich kann mich nicht erinnern, dass man eine „Nakba“ Ausstellung für diese Juden gemacht oder geplant hätte. Man könnte jeder einzelnen Aussage auf den ausgestellten Tafeln widersprechen und sich mit den sehr umstrittenen Behauptungen auseinander setzen. Es reicht vielleicht, wenn man hier die Aussagen von zwei Männern, die über jede Beeinflussung von "Israel Lobby" (früher unter Nazis "Weltjudentum" genannt) sicherlich erhaben sind, zitiert.

Mahmud Abbas (Abu Mazen), der heutige Präsident der Palästinenser, schrieb im März 1976 in "Falastin al -Thawra", dem offiziellen Journal der PLO in Beirut Folgendes:

"Die Arabischen Armeen drangen nach Palästina ein, um die Palästinenser vor der zionistischen Tyrannei zu schützen, ließen sie aber statt dessen im Stich, zwangen sie auszuwandern und ihr Heimatland zu verlassen, führten bei ihnen eine politische und ideologische Blockade ein und warfen sie in Gefängnisse, die den Ghettos ähneln, in denen die Juden in Osteuropa lebten."

Ralph Galloway, ehemaliger Kopf der UNRWA, sagte öffentlich 1956:

"Die arabischen Staaten wollen das Flüchtlingsproblem (der palästinensischen Ara-ber) nicht lösen. Sie wollen es als offene Wunde behalten, als Affront vor der UNO und als Waffe gegen Israel. Den arabischen Führern ist es total egal, ob die arabischen Flüchtlinge leben oder sterben."

Allein diese zwei Aussagen beantworten klar die Frage, weshalb bis heute die palästinen-sischen Araber die einzige Volksgruppe auf der Welt ist, die nach 65 Jahren immer noch in Lagern lebt, und warum sie bis zu dritten Generation immer als Flüchtlinge gelten.

In Israel kann man sicherlich solche Hetzen und Ausstellungen ignorieren. Dort kennt man weder die Nakba-Ausstellung in Deutschland noch Frau Felicia Langer, die fast 40 Jahre in Israel unbehelligt gelebt hat. Die israelische Demokratie ist genug stark, Hunderte dort und nicht in Deutschland lebender "Israel-Kritiker" wie Frau Felicia Langer auszuhalten. Viel problematischer wird der Einfluss solcher Nakba-Ausstellungen und ähnlicher Hetzen gegen das jüdische Volk für die deutschen resp. europäischen Juden. Solche Ausstellungen tragen dazu bei, dass heute 6-jahrige Jungen mit einer Kipa auf den Straßen von Berlin oder Amsterdam angespuckt oder angegriffen werden, dass die Synagogen in Deutschland und Europa fast 70 Jahre nach dem Holocaust strenger als Flughäfen geschützt werden müssen, dass ein EU-Abgeordneter den Juden empfiehlt, aus den Niederlanden nach Israel oder den USA auszuwandern, weil man für die Sicherheit der Juden nicht mehr garantieren könne.. Angesichts solcher Vorkommnisse kann man Martin Luther King sicherlich Recht geben. wenn er sagt: "Antizionismus ist nichts Anderes als Antisemitismus.", wie auch dem Nobelpreisträger und Holocaustüberlebenden Imre Kertész, der folgende Botschaft an die Juden Europas ausgerichtet hat:

Die europäischen Juden begehen meines Erachtens einen selbstmörderischen Fehler, wenn sie in das Geheul von europäischen Intellektuellen und Chefbeamten ein-stimmen, die sie gestern noch ausrotten wollten und jetzt unter dem Vorwand der Kritik an Israel eine neue Sprache für den alten Antisemitismus finden. Wieso sollten sie ihre Absichten denn geändert haben?“

 

Pavel Hoffmann am 9. November 2013

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für “Nakba” Ausstellung am 8. November – Gipfel der Geschmacklosigkeit

Zwei Zeitzeugen Gespräche in Brandenburg und an der Uni Regensburg.

Zwei Zeitzeugen Gespräche in Brandenburg und an der Uni Regensburg.

 

Zweite Rundreise in Brandenburg.

 

Ich nehme an, dass meine Zeitzeugen Gespräche im letzten Jahr so viel Eindruck hinter-lassen haben, dass man mich wieder dieses Jahr eingeladen hat. Zwei Schulen habe ich bereits voriges Jahr besucht und eine Schule war neu. Es waren das Eduard Maurer Ober-stufenzentrum in Hennigsdorf, das Georg Mendheim Oberstufenzentrum in Zehdenick und das Strittmatter Gymnasium im Gransee. Die beiden letzten habe ich bereits besucht und in Hennigsdorf war ich zum ersten Mal. Die Reise fand zwischen dem 25-ten und 27-ten Sep-tember statt. Finanziert wurde diese Reise wieder sehr großzügig von der Regionalen Ar-beitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie-RAA Brandenburg. Begleitet hat mich wieder Frau Elke Helm eine Gedenkstädte Lehrerin in Sachsenhausen und Lehrkraft an dem Oberstudienzentrum in Zehdenick. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal für die perfekte Organisation und aufopfernde Begleitungsarbeit bei ihr sehr herzlich bedanken. Die Schüler waren wie meistens sehr aufmerksam aber man merkt heute, dass die Kenntnisse über Holocaust bei den heutigen Schülern langsam schwinden und das Bewusstsein, dass es heute immer noch  ein starker Antisemitismus weltweit verbreitet wird, war bei den Schü-lern vor meinem Auftritt kaum vorhanden. Deshalb bin ich überzeugt, dass man so lange es noch möglich wird, die Zeitzeugen in die Schulen einladen sollte. Erfreut hat mich die Aus-sage eines Lehrers, der mir mitgeteilt hat, dass ihn die Schüler, bei den ich letztes Jahr ge-wesen bin, kürzlich angesprochen haben, dass sie immer noch über das Gespräch mit mir nachdenken und an ihn Fragen gestellt haben. In der letzten Klasse im Strittmatter Gymna-sium haben die Schüler spontan einen Brief an mich geschrieben und in Zehdenick eine kurze Rede gehalten. Am Tag vor dem Gespräch haben mich im Zehdenick zwei Schüler im Hotel ausgesucht und freiwillig die Stadt gezeigt.

 

Zeitzeugen Gespräch an der Uni Regensburg am 10.Oktober 2013

 

Eine völlig andere „Baustelle“ war der Besuch an der Universität Regensburg. Eingeladen hat uns d.h. Frau Marina Rentschler und mich der Universitätsprofessor für angewandte Mathe-matik und für Zusatzstudium „Internationale Handlungskompetenz /Länderblock Israel“ Herr Prof. Dr. Roland Hornung. Herr Professor Hornung ist gleichzeitig der Leiter des Vereines „Freundeskreis Israel in Regensburg und Oberbayern“  Marina Rentschler eine junge Frau ist die Projektleiterin des Interviewprojektes „Zeugen der Zeitzeugen“ und gleichzeitig Mitglied des Vereines „Initiative 27. Januar e.V.“ Sie hat in Regensburg die Arbeit des Vereines und die Ziele dieses Projektes vorgestellt und ich habe danach das Zeitzeugen Gespräch geführt.

 

Die Zuhörer waren meistens Interessenten aus Regensburg und Mitglieder des Vereines von Herrn Prof. Hornung. Da die Vorlesungen erst nächste Woche anfangen sollten waren leider nur wenige Studenten anwesend. Anwesend war dort auch die Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Regensburg und eine Zeitzeugin aus Ukraine, die spontan während der Diskus-sion aufgestanden ist und kurz über Ihr furchtbares Schicksal berichtet hat. Anschließend hat mir Professor Hornung sein Buch über seine Erlebnisse während seinem 7 monatigen Aufent-halt in Jerusalem „Ambassador of good will“ als Geschenk überreicht. Gefahren hat uns nach Regensburg wie auch zurück unser netter Homepage Verwalter und Gründer des Vereines „Israelplattform“ Werner Steinmetz.

 

Pavel Hoffmann Reutlingen den 15.10.2013

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Zeitzeugengespräche | Kommentare deaktiviert für Zwei Zeitzeugen Gespräche in Brandenburg und an der Uni Regensburg.

Enthüllung einer Gedenktafel auf dem Haus der Familie Hoffmann

Angefangen hat es im Jahre 2004 in dem ich nach fast 60 Jahren das Schicksal der Familie meines Vaters Dr. Hans Hoffmann recherchierte. In einem der drei tschechischen Archive, wo ich recherchierte, habe ich durch einen glücklichen Zufall aus dem alten Wahlverzeichnis hinter dem Namen meines Großvaters Dr. Otto Hoffmann  die Adresse unseres Familienhauses in der ehemaligen Sudetendeutschen Stadt Mimoň (früher Niemes) entdeckt. Das Haus, das mein Großvater 1926 gekauft hat, gehört seit 1950 dem tschechischen Innenministerium. In dem Haus siedelt heute die Stadtpolizei. In dem Haus lebte mein Großvater mit meiner Großmutter Hermine Hoffmann. Das Haus ist der Geburtsort meines Vaters, meiner Tante Gertrude Stein geb. Hoffmann und meines Onkels Franz Hoffmann. Bis auf den Franz Hoffmann sind alle Bewohner dieses Hauses im zweiten Weltkrieg durch Nazionalsozialisten vernichtet worden.

Die Art der Vernichtung ist aus der Gedenktafel ersichtlich. Franz Hoffmann der jüngste der drei Geschwister hat insofern „Glück“  gehabt, dass er als Insasse einer jüdischen Behindertenanstalt in Prag 6 Monate vor der Deportation der gesamten Anstaltpatienten, Ärzten und des gesamte Krankenpersonals ins Vernichtungslager Auschwitz, gestorben ist. Er wurde als einziger aus der Familie Hoffmann auf dem jüdischen Friedhof in Prag beerdigt. Seit dieser Zeit besuche ich diese Stadt jedes Jahr und führe ein Zeitzeugengespräch mit den Schülern des Gymnasiums in Mimoň. Gleichzeitig habe ich ein freundschaftliches Verhältnis mit dem jetzigen Bürgermeister der Stadt Herrn Frantisek Kaiser. Herr Kaiser hat von sich aus dem Stadtrat das Anbringen der Gedenktafel für meine Familie vorgeschlagen. Anlass war neben Anderem die Tatsache, dass mein Großvater als Stadtarzt bis zum Jahre 1938 sich für diese Stadt verdient gemacht hat und zum Beispiel 1926 die erste kostenlose Beratungsstelle für Mütter mit Säuglingen mitbegründete. Er selbst war dort einmal in der Woche ohne Honorar tätig. Die Stadt hat die Gedenktafel, die feierliche Enthüllung wie auch alle damit verbundenen Kosten vollständig allein finanziert. Ich wurde zu dieser Feier, die am 20. Juni 2013 stattgefunden hat, eingeladen wobei mir gleichzeitig der Stadtpreis der Stadt Mimoň fúr den mich die Studenten des Gymnasiums vorgeschlagen haben, überreicht wurde. Ich möchte mich auch an dieser Stelle für diese schöne und verdienstvolle Geste bei dem Búrgermeister, dem Stadtrat wie auch bei den Studenten des Mimoner Gymnasiums sehr herzlich bedanken.


Pavel Hoffmann, Reutlingen den 2.Juli 2013

Rede vom Pavel Hoffmann Bürgermeister und Pavel Hoffmann Rede von dem Stadthistoriker Herrn SmejkalGedenktafel der Familie Hoffmann

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Enthüllung einer Gedenktafel auf dem Haus der Familie Hoffmann

Ausschnitt aus der Rede unseres Ehrenvorsitzenden Horst Selbiger (Video)

Zug der Erinnerung – Horst Selbiger – Berlin 3 juni 2013 from Carel Braak on Vimeo.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Ausschnitt aus der Rede unseres Ehrenvorsitzenden Horst Selbiger (Video)

Rede unseres Ehrenvorsitzenden Horst Selbiger am 04. Juni 2013 auf dem Gleis 1 des Bahnhofs Friedrichstraße in Berlin

Shalom, meine Damen und Herren, Shalom meine lieben Freundinnen und Freunde !

Unter den Millionen jüdischen Opfern des Holocaust waren über 1.5 Millionen Kinder. 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche vom jüngsten Baby bis zum heranwachsenden Teenager wurden von der Deutschen Reichsbahn in den Tod transportiert.

1,5 Millionen – damit Sie vielleicht eine Vorstellung von dieser Zahl bekommen:In der Gedenkstätte Yad Vashem werden den Besuchern durch ein Endlostonband die bis heute bekannten Namen der ermordeten Kinder und Jugendlichen, mit Ort und Alter, vorgetragen. Dieses Endlosband braucht drei Monate, um alle Namen wiederzugeben.

Unsere ermordeten Kinder wurden mit Talenten, Träumen und Wünschen geboren und wie alle Kinder lachten, spielten und weinten sie. Sie mußten  täglich mit Tragödien fertigwerden: fertigwerden mit der Trennung von Großeltern, Eltern, Brüdern und Schwestern; fertigwerden mit der Suche nach Nahrung und Verstecken.

Die letzten Zeugen dieser schockierendsten Vernichtungstaten sind die Kinder, die überlebt haben. Deshalb stehe ich heute hier als Mitglied des Vereins Child Survivors, den überlebenden Kinder der Shoah.  Wir trauern, weil uns die Ermordeten fehlen. Wir denken jeden Tag an jene, die uns fehlen und an das was ihnen geschehen ist: Sie wurden, weil sie Juden waren, ermordet, geschlachtet, vergast verbrannt; sie sind umgekommen durch die Hände der deutschen Mörder und ihrer Helfer aus anderen Völkern.

Allein aus Berlin wurden : 4 512 Kinder und Jugendliche vom jüngsten Baby bis zum 18jährigen Teenager mit der deutschen Reichsbahn deportiert. Nach drei Tagen erreichten die Züge Sobibór und andere Vernichtungslager. In den Nazi-Vernichtungslagern wurden die meisten Kinder sofort ermordet. Von ihnen wollen wir heute Abschied nehmen, 70 Jahre nach diesen unsäglichen Verbrechen. Und bitte sagen Sie nie wieder:

„Man muß doch mal vergessen können!“

Bitte helfen Sie uns, meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde, daß diese sadistischen, abscheulichen Verbrechen  n i e  vergessen werden. 

 

für die im Holocaust – der Schoah – ermordeten Juden, , nahe dem Mount Herzl in Jerusalem, existiert ein Denkmal, das speziell für die von den Nationalsozialisten ermordeten Kinder errichtet wurde. Das Denkmal ist eine Halle, die sich auf dem Gelände von Yad Vashem unterhalb eines Felsens befindet.

Der Hauptraum der Gedenkstätte ist komplett verspiegelt und reflektiert das Licht von drei Kerzen.Durch die tausendfache Spiegelung dieser drei Lichter wird eine enorme Größe im Raum erzeugt, die symbolisch für die Anzahl von alleine rund steht, die als jüngste Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns wurden und damit wohl eine der schockierendsten Vernichtungstaten der Schoah beschreiben.

Unter den Millionen jüdischen Opfern des Holocaust waren über 1.5 Millionen Kinder. Eines Tages wurden sie zu "Feinden" des Dritten Reichs und mußten von da an Die Kinder wurden als erste in die Todeslager gebracht, die meisten von Ihnen wurden sofort ermordet.

Wir machen keine Vorwürfe sondern wir machen uns Sorgen. Es ist nicht unsere Absicht nichtjüdischen Menschen ein schlechtes Gewissen zu bereiten. Wir trauern, weil Es geht uns nicht darum, Gedenktage oder Denkmäler einzuklagen Berlin

 Nisch04

Von Abel, Harry (* 08.05.1926) bis Zyzman, Leo (* 20.05.1926)

Selbiger, Denny (* 02.11.1938)

Selbiger, Gerson (* 07.06.1942)

Selbiger, Günther (* 07.11.1930)

Selbiger, Jutta (* 22.05.1936)

Selbiger, Nathan (* 02.02.1939)

 

Vor 70 Jahren deportierte die „Reichsbahn“ tausende Kinder – weil sie Juden oder Sinti und Roma waren.Die "Reichsbahn“-Züge kamen aus einem Nazi-Lager in den besetzten Niederlanden: Westerbork.In verschlossenen Waggons fuhren die Deportierten durch Deutschland……auch Kinder aus Dortmund, Hannover, Magdeburg oder Berlin.. 70 Jahre nach diesen Verbrechen wollen wir von den Kindern Abschied nehmen

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Rede unseres Ehrenvorsitzenden Horst Selbiger am 04. Juni 2013 auf dem Gleis 1 des Bahnhofs Friedrichstraße in Berlin

Horst Selbiger: „Das Leben ist nicht alternativlos!“

Dieser Artikel erschien in gekürzter Form in der Waldeckischen Landeszeitung (Verfasser Nicole Schäfer)

„Das Leben ist nicht alternativlos!“


Hort Selbiger berichtet von seinem Leben als Jude während der NS-Zeit

Ruhig sitzt er da, teilweise braucht es ein wenig, bis er die richtigen Worte für das findet, was oft nacherzählt wird, kaum vorstellbar ist und was er wirklich erlebt hat. Horst Selbiger erlebte die Zeit des Nationalsozialismus hautnah mit. 1928 als „Halbjude“ in Berlin geboren, musste er schon als Kind erwachsen werden.

Korbach. Im Musiksaal der Alten Landesschule herrscht höchste Aufmerksamkeit, als Horst Selbiger den zwei Geschichtsleistungskursen der Jahrgangsstufe Q2 von den Ereignissen ab 1933 berichtet. Er ist einer der letzten Zeitzeugen, die heute noch an Schulen kommen, um von der schrecklichen Zeit des „Krakeelers und Krawallpolitikers Hitler“ zu erzählen. Selbiger war gerade vier Jahre alt, als es am 30.01.1933 zur Machtübergabe an Hitler kam. Er stellt die ersten 100 Tage danach chronologisch dar. „Ich möchte Ihnen zeigen, wie schnell das alles ging. Verstehen Sie, nach den ersten 100 Tagen herrschte eine wahre Hitler-Euphorie in Deutschland, auch wenn sich das später noch ändern sollte“, erklärt er.

1934 wurde Selbiger an der Volksschule eingeschult. Schon da trafen ihn die Schmähungen und Hetze seiner Mitschüler. „Die Ausgrenzung fand plötzlich in hohem Maß statt. Es war eine Erniedrigung“, erinnert er sich. In der Zeit des Umbruchs ging alles ganz schnell. Und plötzlich wechselten alte Bekannte die Straßenseite. Mit acht Jahren lernte er boxen, um sich gegen die Angriffe seiner Mitschüler wehren zu können. „Das sah alles böse aus“, war sich Selbiger schon als kleiner Junge bewusst. Im Gegensatz zu seinem Vater, der als Zahnarzt und ehemaliger Kämpfer im ersten Weltkrieg zunächst noch seine Praxis weiterführen durfte. Seine Hoffnung, dass alles wieder gut werden würde, zerschellte jedoch schnell an der Realität. „Immer mal“ verschwanden Juden, in der Mittelschule der jüdischen Gemeinde, die er später besuchte, war an alltäglichen Unterricht nicht mehr zu denken. Dort lernte er auch Esther kennen, seine erste Liebe.
Im Laufe der Zeit erging es den Juden immer schlechter. Sie wurden von der Wirtschaft ausgeschlossen, mussten den Judenstern tragen, einige wurden auf offener Straße festgenommen und misshandelt. Öffentliche Veranstaltungen, Stadtteile und Gebäude wurden zur Juden-freien-Zone, sie durften kein Auto mehr fahren und wurden aus dem Sozialsystem ausgestoßen. Sein Vater musste schwere Arbeiten verrichten und sie wurden ins Judenhaus umgesiedelt. „Es wurde von Tag zu Tag schlimmer. Uns wurden alle Freiheiten genommen“, berichtet Selbiger.
Für ihn war schon früh offensichtlich, was in den Konzentrationslagern geschah. „Ich wollte nichts Unbedeutendes lernen, wo ich doch wusste, was da draußen los war“, erzählt Selbiger.
Aus seiner Familie wurden 61 Menschen getötet. Die älteste war 86, der jüngste gerade 6 Monate und zwei Tage alt. Er selbst entging der Deportation nur knapp. An seiner (Zwangs-)Arbeitsstelle wurde er festgenommen und an eine von vier Sammelstellen, einer ehemaligen Synagoge, gebracht. „Wer so was erlebt hat, bleibt ein gezeichneter Mann fürs Leben.“
In der Synagoge traf er Esther wieder. Gemeinsam verbrachten sie die grausamste, verzweifeltste und elendste Nacht seines Lebens, in Mitten von tausenden anderer Gefangenen. Einen Tag darauf wurde Esther nach Auschwitz deportiert, alle Umarmungen und stille Versprechen konnten den drohenden Tod nicht abwenden. „Ich verfluchte Gott und ich wusste, ich würde sie ein Leben lang suchen“, erzählt Selbiger von diesem sehr persönlichen Moment. Diese junge Frau durfte nicht mehr leben, weil sie Jüdin war.
Ihm selbst kamen die Proteste und Demonstrationen in Berlin zu Gute, die von hartnäckigen Bevölkerungsschichten immer wieder gewaltfrei geführt wurden und zuletzt Entlassungen nach sich zogen, auch seine. Heute, über ein halbes Jahrhundert später, appelliert Selbiger an die Jugendlichen vor ihm. „Das Leben ist nicht alternativlos, sucht nach den Alternativen“.
Auch wenn fast alle NS-Funktionäre schon verstorben sind – ihr Gedankengut hat in wenigen überlebt. „Gewalt fängt da an, wo man wegschaut“, schließt Horst Selbiger den Ausflug in seine Erinnerungen.  

HorstSelbiger

Veröffentlicht unter Zeitzeugengespräche | Kommentare deaktiviert für Horst Selbiger: „Das Leben ist nicht alternativlos!“

Liesel Binzer – ein Mitglied der Child Survivors

"Im Verein Child Survivors Deutschland e.V. haben sich Menschen zusammengeschlossen, die in der NS-Zeit als Kinder wegen Ihrer juedischen Wurzeln verfolgt wurden. Die Mitglieder verstehen sich als Zeitzeugen gegen das Vergessen, fuer weltanschauliche Toleranz und respektvolles Miteinander unterschiedlicher Herkunft, Religionen und Kulturen" (Horst Selbiger). Weiterlesen >>

Veröffentlicht unter Zeitzeugengespräche | Kommentare deaktiviert für Liesel Binzer – ein Mitglied der Child Survivors

Interview

Vor 70 Jahren, am 27. Februar 1943, begann in deutschen Städten die "Großaktion Juden": Mehrere zehntausend Menschen wurden von den Behörden in NS-Rüstungsbetrieben verhaftet. Dort leisteten sie Zwangsarbeit. Einige waren von den antisemitischen Massendeportationen bisher verschont geblieben, weil sie in Ehen mit nicht-jüdischen Partnern lebten oder als "Mischlinge" galten. Unter den Verhafteten befand sich ein 15jähriger Junge: Horst Selbiger. Er überlebte die Großrazzia, weil sie auf entschlossenen Widerstand stieß. 70 Jahre nach den Ereignissen sprachen wir mit Horst Selbiger, der heute Vorsitzender der "Child Survivors Deutschland" (Überlebende Kinder der Shoah) ist. Weiterlesen >>

 

Veröffentlicht unter Zeitzeugengespräche | Verschlagwortet mit | Kommentare deaktiviert für Interview