Von 15 000 Ghetto-Kindern überlebten lediglich 150

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Autor: Peter D. Wagner 22.5.2017

 

Bad Mergentheim.Zwei ergreifende und beeindruckende Unterrichtsstunden erlebten die Schüler der Klassenstufen 10 und 11 des Deutschorden-Gymnasiums (DOG).

"In dem bundesweiten Projekt 'Zeugen der Zeitzeugen' wollen wir der letzten Generation der Holocaust-Überlebenden, deren Kindern und Enkeln begegnen und mit ihnen in einen Dialog treten", erklärte Alexandra Behns, ehrenamtliches Teammitglied von "Zeugen der Zeitzeugen", einem Projekt des Vereins "Initiative 27. Januar" mit Sitz in Berlin. Weitere Ziele seien, das Gedenken an den Holocaust lebendig zu halten und an die junge Generation weiterzugeben, dem Antisemitismus in seinen Erscheinungsformen entgegenzuwirken sowie die deutsch-israelischen Beziehungen durch Austausch und Projekte zu stärken. "Ein einzigartiges Erlebnis", so kündigte Rektorin Sabine Rühtz die Veranstaltung mit Liesel Binzer in der mit über 130 Schülern und Lehrern sehr gut besuchten DOG-Aula an. Behns sagte, sie höre häufig, dass Holocaust-Überlebende schon lange verstorben seien. Dabei würden Zahlen von 2016 noch von weltweit rund 100 000 Überlebenden ausgehen.

Nach ihrer Rückkehr aus diesem KZ wohnte sie zunächst in Warendorf/Freckenhorst gemeinsam mit ihren Eltern, die ebenfalls das KZ überlebt hatten, sowie ab 1965 in Mühlheim und ab 1968 in Offenbach, wo sie Mitglied der Jüdischen Gemeinde ist. 1960 heiratete sie und bekam in den Folgejahren drei Kinder. Wie bei allen anderen Kindern und Jugendlichen sowie weiteren Überlebenden des Holocausts sei auch für sie der Neuanfang 1945 schwer gewesen. Sie habe versucht, trotz oder gerade wegen ihrer Erlebnisse im KZ Theresienstadt ihr eigenes Leben zu führen und eine harmonische Familie zu gründen, was ihr letztlich auch gelungen sei.

In Theresienstadt sei sie, auch wenn sie sich als Kind nicht aller Einzelheiten bewusst gewesen sei, zu früh erwachsen geworden, bilanzierte Binzer, nachdem sie eingehend ihre Geschichte, Erlebnisse und Erfahrungen geschildert hatte. Seit damals spüre sie eine innere Unruhe und reagiere besonders sensibel auf Antisemitismus, der in Deutschland noch immer bei manchen Menschen verbreitet sei. Trotzdem versuche sie, den Menschen zu vertrauen. "Als Zeitzeugin versuche ich ein Gespür für Unrecht zu vermitteln und speziell auch junge Menschen dafür zu sensibilisieren", hob Binzer hervor. Nach dem Vortrag nutzten zahlreiche Schüler die Gelegenheit, mit der 80-Jährigen ins Gespräch zu kommen.

Ihre Erlebnisse hat Binzer in einem Buch veröffentlicht, das mit Förderung durch die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" sowie durch den Zentralrat der Juden in Deutschland in der Reihe "Bittere Vergangenheit – bessere Zukunft" des Vereins Child Survivors Deutschland herausgegeben wurde.

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