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Unser Vorstandsmitglied Liesel Binzer im Gespräch

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Ankündigung Vorträge unseres Vereinsmitglieds Pavel Hoffmann

 

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Pogromnacht-Gedenken in der Sophienkirche in Berlin

mit Beiträgen von Mitgliedern unseres Vereins

 

Am 9. November 2016 fand in der evangelischen Sophienkirche / Große Hamburgerstr. 29 in Berlin eine Gedenkfeier statt. Im Anschluss an die – von besonders vielen jungen Menschen – besuchte Feier führte eine Demonstration zur Neue Synagoge / Centrum Judaicum Berlin der jüdischen Gemeinde, in der nahe gelegenen Oranienburger Straße, und im Bogen zurück zum Alten Jüdischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße. Das offizielle Motto der Veranstaltung in der Sophienkirche war: „Bittere Vergangenheit – bessere Zukunft?“ (© Child Survivors Deutschland).

Vorausgegangen war eine Vorbereitungszeit mit Kontakten der evangelischen Gemeinde zu unserem Verein, organisiert durch Frau Pfarrerin Annemarie Werner. . Beeindruckend war auf der Feier eine Theater-Aufführung der „Jugendarbeit Sophienkeller“, welche Szenen mit von Nazis bis 1945 verfolgten Kindern symbolisch faszinierend darstellte – Szenen sowohl mit ermordeten wie auch mit überlebenden Kindern.

Die Beiträge von drei Mitgliedern unseres Vereins wurden freundlich und mit hohem Interesse aufgenommen. Philipp Sonntag stellte das Vereinsleben vor, mit Betonung von Langzeitwirkungen aus der Verfolgung und mit Verdeutlichung der Frustrationen aus bitteren Begegnungen der Mitglieder mit Alt-Nazis und deren Sympathisanten, nach 1945 bis in die Gegenwart.

Unser Mitglied Salomea Genin sang das Lied der Hannah Szenecz „Donaij, Donaj, Donaj …“, zunächst auf Hebräisch, dann mit lebhafter Beteiligung der Anwesenden auf Deutsch. „Donaj“ wird von einigen interpretiert als Kurzform von Adonai, einer im Hebräischen üblichen Anrede von Gott. Das Lied thematisiert Unfreiheit und Freiheit, es beginnt so:

„Auf einem Wagen liegt ein Kälbchen

Ist gefesselt mit ‚nem Strick.

Hoch am Himmel fliegt ein Vogel,

fliegt nach rechts und fliegt nach links. …“

 

Unser Mitglied Alfred Lieball erzählte aus seinem Leben in Berlin vor und nach 1945. Als junger Mitarbeiter in einer jüdischen Schneiderei-Werkstatt musste er miterleben, wie die Nazis laufend jüdische Mitarbeiter abtransportierten und wie – durchsetzt von grotesken bürokratischen Pannen – die Vernichtung durch die Nazis systematisch vorangetrieben wurde.

Es war aus unserer Sicht eine authentische, gesellschaftlich wertvolle Veranstaltung. Wir wurden empfangen von einer wohlwollenden evangelischen Gemeinde. Im Gedenken an so viele Verfolgte, die die Verfolgung nicht überlebt hatten, konnten – und wollten – wir drei Child Survivors unsere Trauer, unsere Bitterkeit nicht verbergen.

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Stadt, Kreis und Jüdische Gemeinde erinnern an die Novemberpogrome 1938

pz-news.de/pforzheim_artikel,-Stadt-Kreis-und-Juedische-Gemeinde-erinnern-an-die-Novemberpogrome-1938-_arid,1132827.html

Autor: Stefan Dworschak

 

 

Kranzniederlegung am Platz der Synagoge vor dem VolksbankHaus: Landrat Karl Röckinger, Oberbürgermeister Gert Hager, Rami Suliman, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Pforzheim, und Zeitzeuge Horst Selbiger (von links). Foto: Ketterl

Kranzniederlegung am Platz der Synagoge vor dem VolksbankHaus: Landrat Karl Röckinger, Oberbürgermeister Gert Hager, Rami Suliman, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Pforzheim, und Zeitzeuge Horst Selbiger (von links). Foto: Ketterl

 

 

10.11.2016

Pforzheim. Sehr persönliche Einblicke in die Geschehnisse während der Novemberpogrome hat Horst Selbiger gestern geschildert. Bei der offiziellen Gedenkveranstaltung zur Zerstörung der alten Pforzheimer Synagoge am Morgen des 10. November 1938 berichtete der Zeitzeuge und Shoa-Überlebende darüber, „wie es uns jeden Tag erging, was über uns hereinbrach, was wir erleben mussten“

 

Nachdem Oberbürgermeister Gert Hager – erstmals nahm auch Landrat Karl Röckinger für den Enzkreis teil – dazu aufgefordert hatte, gegen Hass jeglicher Art einzuschreiten, beschrieb der 88-Jährige die systematischen reichsweiten Übergriffe. Ziel der Gewaltaktion an jenem 15. Jahrestag des „Marschs auf die Feldherrnhalle“ im Rahmen des gescheiterten Hitlerputschs waren unter anderem jüdische Gotteshäuser, Geschäfte, Unternehmen und Privatwohnungen.Selbiger erinnerte am Beispiel Salomon Rosenblüths daran, wie SA-Leute in die Wohnungen jüdischer Familien eindrangen und diese verwüsteten. Der Pforzheimer Zigarrenhändler wurde ebenso blutig geprügelt wie seine Frau, die versuchte, ihn zu schützen, so Selbiger.

 

1938 – OB Gert Hager mahnt eindringlich Zivilcourage an

pforzheim.de/buerger/aktuelles-presse/pressemeldungen/s1/article/detail/News/1938-ob-gert-hager-mahnt-eindringlich-zivilcourage-an.html

 

 

Die Stadt Pforzheim hat heute gemeinsam mit der Jüdischen Gemeinde Pforzheim den 78. Jahrestag der Reichspogromnacht gedacht – jenem traurigen Tag, an dem in ganz Deutschland jüdische Synagogen brannten, geschändet und zerstört wurden.

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    Oberbürgermeister Gert Hager zusammen mit Landrat Karl Röckinger bei der Kranzniederlegung am Mahnmal am Platz der Synagoge

Beim Mahnmal auf dem „Platz der Synagoge“ an der Zerrennerstraße / Goethestraße legten der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde   Rami Suliman sowie der KZ-Überlebende und Redner, Horst Selbiger, gemeinsam mit Oberbürgermeister Gert Hager und Landrat Karl Röckinger einen Kranz nieder.

Im Anschluss an die Kranzniederlegung wurde die Veranstaltung im ATRIUM der Volksbank Pforzheim fortgesetzt. Oberbürgermeister Gert Hager wandte sich in einem eindrücklichen Appell an die Anwesenden „sich stets der Geschichte zu erinnern und das eigene Tun zu überprüfen“. Er mahnte die Zuhörer und die anwesenden Schulklassen „zur Aufmerksamkeit gegenüber dem Nächsten und forderte zum respektvollen Miteinander auf“. Anschließend wurde es sehr still im ATRIUM: Zeitzeuge Horst Selbiger erinnerte mit tiefgehenden Worten an die Tage zwischen dem 8. und 12. November 1938. Er erinnerte an die rund 400 Toten der Reichspogromnacht, erinnerte an die rund 30.000 Deportationen von Juden alleine in diesem Zeitraum und sprach über das Leid und das Grauen in dieser Zeit. Rabbiner Michael Bar Lev sprach das Gebet. Umrahmt wurde die Veranstaltung durch den Gesang des Gemischten Synagoge-Chors.

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Der „Platz der Synagoge“ wurde 1987 vom damaligen Oberbürgermeister Joachim Becker feierlich eingeweiht. Benannt ist er nach der ehemaligen jüdischen Synagoge, die am 10. November 1938 von der SA geschändet und verwüstet wurde.

Vom: Donnerstag, 10. November 2016

 

 

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 Holocaust: Überlebende und Politiker erinnern an den Beginn der Deportationen

berliner-zeitung.de/berlin/holocaust-ueberlebende-und-politiker-erinnern-an-den-beginn-der-deportationen–24943324

 

20.10.2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Holocaust Überlebende und Politiker erinnern an den Beginn der Deportationen

Horst Selbiger hat am Gleis 17 weiße Rosen niedergelegt, zusammen mit Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Horst Selbiger hat am Gleis 17 weiße Rosen niedergelegt, zusammen mit Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau.

Foto:

Christian schulz

Berlin –

Zwischen den Eisenbahnschienen wachsen Birken und Ahorne. Die Bäume sind groß und bilden ein dichtes Blätterdach wie einen Schirm, der vor dem Regen schützt. Ihre Wurzeln haben die Schienen verschoben, so als wollten sie zeigen: Von hier fährt nie wieder ein Zug ab. Die Bäume blockieren das Gleis 17 am Bahnhof Grunewald.

Es ist der Ort, an dem vor 75 Jahren am 18. Oktober 1941 der erste sogenannte Osttransport Berlin in Richtung Litzmannstadt, dem heutigen Lodz, verließ. 1 091 jüdische Männer, Frauen und Kinder wurden mit diesem Deportationszug ins Ghetto gebracht und später ermordet. Am Mittwoch erinnerten am Gleis 17 Bundestagspräsident Norbert Lammert und 200 Menschen an den Beginn der nationalsozialistischen Deportationen.

„Lautes Schreien. Leises Stöhnen. Dann nur noch Röcheln. Stille“

Horst Selbiger ist 88 Jahre alt und ein Holocaust-Überlebender. Unter den Nazis war er Zwangsarbeiter, und er ist einer der letzten, die als Zeitzeugen über die Deportationen berichten können. Er schildert, was mit den Juden des ersten Transports später in Lodz geschah: „Vom 6. bis 12. Mai 1942 wurden 12.000 deutsche Juden aus dem Ghetto ,ausgesiedelt’. Ausgesiedelt. Welch ein harmloses Wort.“

Der Weg führte sie in das nur 60 Kilometer entfernte Chelmno/Kulmhof. Sie mussten sich entkleiden, wurden in kastenförmige Lkw getrieben, 60 bis 90 Menschen pro Wagen, in denen sie mit Auspuffgasen ermordet wurden. „Zehn Minuten Kampf gegen den Tod. Lautes Schreien. Leises Stöhnen. Dann nur noch Röcheln. Stille“, sagt Horst Selbiger in seiner Gedenkrede. „Chelmno/Kulmhof war das Versuchslabor für Auschwitz.“

Dokumentation am Gleis 17

Bundestagspräsident Lammert mahnt daher, keine Nation sei immun gegen Faschismus, Fremdenfeindlichkeit, Fundamentalismus und Antisemitismus, auch Deutschland nicht. „Gedenktage sind wichtig, weil sie nicht nur den Respekt gegenüber den Opfern zum Ausdruck bringen, sondern auch die Verantwortung, die sich daraus für uns für die Zukunft ergibt.“

Die Gedenkstätte Gleis 17 am Bahnhof Grunewald erinnert seit 1998 daran, dass mehr als 56 000 Juden von Berlin aus mit 184 Zügen deportiert wurden. Beiderseits des Gleises sind gusseiserne Platten verlegt. Auf den Tafeln ist jeder Transport dokumentiert, mit Datum und der Zahl der deportierten Juden sowie dem Zielort. Waren es anfangs Ghettos in Lodz, Riga und Minsk, fuhren die Züge ab 1942 meist direkt in die Vernichtungslager nach Theresienstadt und Auschwitz.

Dutzende Kinder, manche nicht älter als zwei

„Das geschah vor aller Augen. Jeder, der es sah, muss sich fragen lassen, warum er es geschehen ließ“, sagt Innensenator Frank Henkel. Sowohl im wohlhabenden Grunewald, aber später auch in Moabit. „Es gab eine Akzeptanz in der Bevölkerung. Eine stillschweigende, achselzuckende Akzeptanz“, sagt Andreas Nachama, der Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.

Erst in den vergangenen Jahren wurde durch neuere Forschungen belegt, dass nicht Grunewald, sondern der damalige Güterbahnhof Moabit der größte Deportationsbahnhof der Stadt war. Wie Nachama sagt, wurden ab dem Frühjahr 1942 von Moabit aus mehr als 30.000 Juden deportiert. Der Grund: Der Weg von der Synagoge in der Levetzowstraße, die die Nazis zur „Sammelstelle“ für Berliner Juden umfunktioniert hatten, war zum Güterbahnhof Moabit nur zwei Kilometer lang, nach Grunewald waren es acht Kilometer. Auch in Moabit entsteht jetzt ein Gedenkort.

Horst Selbiger berichtet, dass sich im ersten Transport 62 Kinder befanden. Darunter sechs, die keine zwei Jahre alt waren. Er nennt sie Babys und zählt ihre Namen auf: Reha Aronsohn, Uri Buonaventura, Tana Tina Finkels, Marion Flanzreich, Gittel Jacobsohn und Tana Wolff. „Sie stehen stellvertretend für die sechs Millionen Juden, die ermordet, vergast, geschlachtet wurden durch die Hände der deutschen Mörder und ihrer Helfer“, sagt er.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gedenken am Gleis 17

juedische-allgemeine.de/article/view/id/26758

Zeitzeuge Horst Selbiger (r.)

© Rolf Walter

Rund 200 Menschen haben am Mittwoch in Berlin an den Beginn der nationalsozialistischen Deportationen von Juden aus Berlin vor 75 Jahren erinnert. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) mahnte bei der Gedenkfeier am Denkmal »Gleis 17« im Bahnhof Berlin-Grunewald, keine Nation sei immun gegen Faschismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Fundamentalismus, auch Deutschland nicht.

Deshalb seien Gedenktage so wichtig, »weil sie nicht nur unseren Respekt vor den Opfern zum Ausdruck bringen, sondern auch die Verantwortung, die sich daraus für uns für die Zukunft ergibt«.

Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte Osttransport den Berliner Bahnhof Grunewald in Richtung Litzmannstadt, heute Lodz. In dem Zug waren 1089 jüdische Kinder, Frauen und Männer. Insgesamt wurden in der NS-Zeit mehr als 50.000 Berliner Juden ermordet. Ab 1942 fuhren Deportationszüge auch vom Anhalter Bahnhof und vom Güterbahnhof Moabit. Ziele waren Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager unter anderem in Minsk, Riga, Warschau, Theresienstadt, Sobibor und Auschwitz.

Holocaust Seit 2011 wird am Bahnhof Grunewald an die Deportationen erinnert. Die Initiative dazu ging von der Schriftstellerin und Holocaust-Überlebenden Inge Deutschkron aus. Das Denkmal »Gleis 17« wurde von der Deutschen Bahn 1998 als Mahnmal zur Erinnerung an die Rolle der Reichsbahn im Dritten Reich errichtet. Lammert erinnerte in seiner Rede auch an die Beteiligung der Reichsbahn, die von den Deportationen wirtschaftlich profitierte, da sie pro Passagier bezahlt wurde. Im Anschluss wurden weiße Rosen am Bahngleis des Gedenkortes abgelegt.

In seiner Gedenkrede trug der ehemalige Zwangsarbeiter und Holocaust-Überlebende Horst Selbiger Zeitzeugenberichte von Deportierten und von Wärtern des Vernichtungslagers Kulmhof/Chelmno nordwestlich von Lodz vor. Dort wurden viele der Berliner Juden nach ihrer Deportation nach Lodz in sogenannten Gaswagen ermordet. Die Zeitzeugenberichte stammten aus Tagebuchaufzeichnungen und Gerichtsprotokollen. Der 1928 in Berlin geborene Selbiger beendete seine Rede mit den Worten: »Faschismus ist keine Meinung. Faschismus ist ein Verbrechen.«

An der Gedenkveranstaltung nahmen neben Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) mehrere Abgeordnete, unter anderem Bundestagspräsidentin Petra Pau (Linke), teil. epd

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» … abgeholt!« Gedenken an den Beginn der nationalsozialistischen Deportationen von Juden aus Berlin vor 75 Jahren

stiftung-denkmal.de/startseite/neues/detail/abgeholt-gedenken-an-den-beginn-der-nationalsozialistischen-deportationen-von-juden-aus-be.html

19. Oktober 2016, 12 Uhr, Mahnmal »Gleis 17«, S-Bahnhof Grunewald, 14193 Berlin

Am 18. Oktober 1941, vor 75 Jahren, verließ der erste Berliner »Osttransport« mit 1.089 jüdischen Kindern, Frauen und Männern den Bahnhof Grunewald in Richtung »Litzmannstadt« (Łódz´). Ab 1942 fuhren Deportationszüge auch vom Anhalter Bahnhof und vom Güterbahnhof Moabit ab. Ziele der Transporte waren Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager in Minsk, Kowno, Riga, Piaski, Warschau, Theresienstadt, Sobibor, Rasik, Auschwitz und Sachsenhausen. Auch die jüdische Berliner Fotografin Yva, eigentlich Else Neuländer-Simon, wurde mit ihrem Mann Alfred Simon am 13. Juni 1942 mit dem 15. Osttransport in die Vernichtungslager Sobibor oder Majdanek deportiert und dort ermordet. Es gab für diesen Deportationszug keine Transportlisten. Deshalb sind sowohl Todesort sowie Todesdatum des Ehepaares nicht nachgewiesen. Insgesamt wurden bis zu sechs Millionen Kinder, Frauen und Männer Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an den Juden Europas, darunter mehr als 50.000 aus Berlin.

 

PROGRAMM

Begrüßung
Uwe Neumärker, Mitglied der Ständigen Konferenz der Leiter der NS-Gedenkorte im Berliner Raum, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Grußworte
Prof. Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages
Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin (angefragt)

Gedenkrede
Horst Selbiger (*1928 in Berlin), ehemaliger Zwangsarbeiter und Überlebender
des Holocausts, Gründungsmitglied von Child Survivors Deutschland e.V.

Arbeiten von Studierenden der Universität der Künste Berlin, entstanden
im Rahmen eines interdisziplinären Seminars, in dem sie sich u. a. mit Biografien
deportierter KünstlerInnen auseinandersetzten – Konzept und Kuration:Roman Kroke; Projektkoordinator: Henning Wehmeyer

Musikalische Umrahmung durch den Geiger Dragan Cordes

Am Ende der Veranstaltung werden weiße Rosen am Bahnsteig niedergelegt.
Bitte bringen auch Sie eine mit! Herzlichen Dank.

 

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Artikel unseres Mitglieds Pavel Hoffmann (Dieser Artikel erschien auch in der überregionalen Presse)
 
Anschlag in Tel-Aviv:
 
Es ist immer wieder interessant, die völlig unterschiedliche Bewertung des Terrors in Paris und Brüssel auf der einen und die des Terrors in Israel auf der anderen Seite einander gegenüberzustellen. Hier wirft man den Sicherheitskräften zu wenig Durchsetzungsvermögen und zu lasches Vorgehen vor und ganz Europa steht auf der Seite der Opfer. Dort sucht fast die gesamte westliche Presse die Schuld für die Ermordung von Juden in Israel bei deren „ultrarechter“ Regierung und meint, diese habe die Mörder in die Verzweiflung, in den Terror getrieben.
 
Allein der Begriff „ultrarechte“ Partei stößt auf. Nicht einmal die DVU oder REP werden als „ultrarechts“ bezeichnet, aber ausgerechnet eine Partei, die von Arbeitern, Bauern und Moslems gewählt wird, wird als „ultrarechte Partei“ bezeichnet. Demgegenüber betrachten die EU Politiker wie auch die europäischen Medien Hamas und Hisbollah als „Verhandlungspartner für den Frieden“. Keiner der Journalisten ist bereit, mit dem Finger auf die mörderisch-antisemitische Erziehung der arabischen Schüler in Gaza und Westbank zu zeigen, nicht einmal auf die von Deutschland unterstützten Kindergärten und Schulen, für die die Hamas dieses Jahr ein Camp zur Übung der Ermordung israelischer Repräsentanten und Juden mit Messern und Maschinengewehren organisiert hat. Das sind nämlich die wahren Ursachen des Terrors und Hasses. Stattdessen faselt man über die unverhältnismäßigen Maßnahmen der israelischen Sicherheitskräfte. Ich nehme an, wenn die Süddeutsche Zeitung damals über den Aufstand des Warschauer Ghettos berichtet hätte, würde sie die Juden zu Mäßigung aufrufen und mit Sicherheit eine Verhandlung mit der Hamas – pardon SS-Organisation – empfehlen. Hat sich jemals einer der 70%
deutschen Israelkritiker die Frage gestellt, warum gerade wir Deutsche berechtigt sein sollten, den Juden Ratschläge zu geben, wie sie ihre Existenz verteidigen sollen? Naja, vielleicht sind die Juden trotz der mühsamen Erziehung in Treblinka, Majdanek und Auschwitz immer noch nicht fähig, sich anständig zu benehmen? Die Autoren der oben aufgeführten israelkritischen Artikel sollten einmal in ihrem Leben auf die Stimmen der
mutigen Moslems wie Hamed Abdel Samad oder Ahmad Mansour hören, die den Islam erlebt haben, den Koran besser als die meisten Moslems kennen und die einhellig den islamischen Antisemitismus als das größte Übel der gesamten arabischen resp. islamischen Welt benennen. Es gibt nur wenige Vertreter der islamischen Gesellschaft, die so aufgeklärt sind und die praktisch die gute Zukunft dieser momentan rückständigen und antisemitischen
Gesellschaft repräsentieren, aber es ist auch eine Schande unserer Gesellschaft, dass diese Menschen selbst hier in ständiger Lebensgefahr leben müssen. Der kürzlich verstorbene Nobelpreisträger und Holocaust-Überlebende Imre Kertész hat in seinem letzten Werk „Letzte Einkehr“ verbittert zwei Botschaften hinterlassen. Die eine richtet sich an die Diaspora-Juden: „Ich glaube, die europäischen Juden begehen einen selbstmörderischen Fehler, wenn sie in das Geheul der europäischen Intellektuellen und Chefbeamten einstimmen, die sie gestern noch ausrotten wollten und jetzt unter dem Vorwand der Kritik an Israel eine neue Sprache für den alten Antisemitismus finden; wieso sollten sie ihre Absichten denn inzwischen geändert haben?“ Die zweite Botschaft richtet sich an uns alle: „Jetzt, da Europa sich offen zur Zerstörung Israels bekennt, zur Ausrottung der Juden, also zu Auschwitz, hat sich die Luft gewissermaßen gereinigt.“ Man kann nur eines ergänzen: Immer wenn die Juden angefangen haben ihre Koffer zu packen, ging es mit der Zivilisation des Landes, das sie verlassen mussten, bergab. 
 
Pavel Hoffmann den 09.9.2016
 
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Von unserem Mitglied Peter-Paul Klinger

Ich bin ein eifriger taz Leser. So ist es passiert, dass ich vor ein paar Wochen von diesem Buch erfahren habe: „Herzl Relo@det“ von Doron Rabinovici/Natan Sznayder. Erschienen „im Jüdischen Verlag im Suhrkamp Verlag“, 2016. 19,95€.

 

Doron Rabinovici, 1961,in Tel Aviv geboren, in Wien aufgewachsen, ist Schriftsteller und Historiker. Sein Werk umfasst Kurzgeschichten, Romane und wissenschaftliche Beiträge. In Österreich hat er immer wieder prominent Positionen gegen Rassismus und Antisemitismus bezogen. Natan Sznaider, 1954 in Deutschland als Kind von aus Polen stammenden staatenlosen Überlebenden der Shoah geboren, ging mit 20 Jahren nach Israel und studierte an der Universität Tel Aviv Soziologie, Psychologie und Geschichte. Er lebt heute in Israel.

 

Es ist kein Märchen, es ist Israels Wirklichkeit. Ein gebürtiger Israeli (Rabinovici, heute lebt er aber in Wien und Sznaider, dessen Eltern nach der Shoah nach Israel gekommen sind, wo Sznayder noch heute lebt, diskutieren über Zionismus, Antisemitismus und Israels politischer Alltag.

 

Ich muss zugeben, ich habe durch die Lektüre des Buches meine Meinung über Israels Politik völlig verändert. Ich habe sehr lange Zeit sehr einseitig über das Verhalten der Regierung gegenüber den Palästinensern nachgedacht und konnte nicht verstehen, wie diese Regierung so handeln kann. Seit ich das Buch gelesen habe beginne ich zu begreifen, wie sehr sich der Zionismus und dadurch auch Israels Innenpolitik gewandelt hat. Ursprünglich war Zionismus eine links politische Bewegung und heute ist es eher religiös gefärbt. Die heutigen Zionisten streben ein Groß-Israel an, was Herzl nie wollte.

 

Ich möchte besonders die Seiten 161-174 hervorheben. Hier wird die augenblickliche Lage Israels deutlich. Die Zeiten haben sich seit der Staatsgründung im 1948 völlige verändert, der Zionismus Herzls gewandelt – doch der Boykott Israels seitens der Weltgemeinschaft wird die Probleme nicht nachhaltig lösen können. Auch Rabinovici kann keine gangbare Lösung anbieten. Er beschreibt aber deutlich, wohin das Dilemma der politischen Änderung des Zionismus führt: Israel wird zunehmend das Hassobjekt der Weltgemeinschaft und die sog. „Israelkritik“ verkommt zu einem neuen Antisemitismus. Nun sind wir bei den heutigen Ursachen des Antisemitismus angekommen. Das ist für mich der Quintessenz des Buches, deswegen halte ich dieses Buch für so lesenswert. Es bietet keine Lösung des Konfliktes an, es ist nur eine Diskussionsgrundlage zwischen zwei sehr unterschiedlichen Juden. Und das macht das Buch so leicht lesbar.


25.08.2016 Peter-Paul Klinger

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„Seelische Wunden sind nie wieder zu schließen“

 fnweb.de/region/main-tauber/bad-mergentheim/seelische-wunden-sind-nie-wieder-zu-schliessen-1.2880279

Gewerbliche Schule: Holocaust-Überlebende Liesel Binzer erzählte von ihren Erlebnissen

 

Die heute fast 80-jährige Liesel Binzer (hier im Bild mit der sie begleitenden Marina Müller) berichtete vor Schülern der zweijährigen Berufsfachschule und des Technischen Gymnasiums von ihren Kindheitserinnerungen im KZ Theresienstadt.

© katja Stephan

Bad Mergentheim. Die fast 80-jährige Holocaust-Überlebende Liesel Binzer, geborene Michel, berichtete vor Schülern der Zweijährigen Berufsfachschule und des Technischen Gymnasiums von ihren Kindheitserlebnissen im KZ Theresienstadt.

 

 

Im Rahmen des Projekts "Schule ohne Rassismus", das es seit einigen Jahren an der Gewerblichen Schule gibt, nahm der verantwortliche Lehrer Jürgen Tapparelli mit Marina Müller von "Zeugen der Zeitzeugen" Kontakt auf. Anliegen dieses Projekts ist es, Informationen und Erinnerungen der Holocaust-Überlebenden in die Zukunft zu tragen: Die Schicksale der sechs Millionen getöteten Juden dürften nicht in Vergessenheit geraten.

Marina Müller, die Liesel Binzer begleitete, betonte in ihrer Einführung, man würde so lange weiterarbeiten bis "Jude" an deutschen Schulen kein Schimpfwort mehr sei.

 

Danach berichtete Liesel Binzer sehr anschaulich und noch immer sichtlich bewegt von ihren Erlebnissen während der Nazizeit.

Nach dem Novemberpogrom 1938 musste die damals zweijährige Liesel Binzer mit ihren Eltern ihre Wohnung verlassen und in ein sogenanntes "Judenhaus" umziehen. 1942 musste die Familie auch dieses Haus verlassen und wurde nach Theresienstadt im heutigen Tschechien gebracht.

Als wäre es erst wenige Jahre her, erzählte Liesel Binzer davon, wie ihre Mutter sie mitten im Juli dick angezogen hatte, da die Familie nur einen einzigen Koffer packen durfte. Den Koffer sahen sie danach nie wieder. Im Lager wurde die Familie getrennt. Ihr Vater, der im Ersten Weltkrieg beide Beine verlor, konnte, anders als ihre Mutter, nicht schwer arbeiten. Sie selbst verbrachte die Jahre in Theresienstadt im Kinderheim, wurde in dieser Zeit schwer krank und litt die ganze Zeit unter der Trennung von ihrer Familie.

Sie erinnerte sich an die unwirkliche Welt, die die SS für einen NS-Propagandafilm im Sommer 1944 erschuf. Er sollte die vermeintlich guten Lebensverhältnisse im Lager darstellen und die Vernichtungspolitik des NS-Regimes verschleiern. Zu diesem Zweck wurden Kulissen errichtet, die eine normale Stadt zeigen sollten und den Kindern sogar ein Eisbecher versprochen, auf den sich Liesel Binzer unglaublich freute. Leider gab es aber kein Eis sondern nur einen leeren Becher.

Es gab aber auch einige Momente der Menschlichkeit in dieser irrealen und grausamen Welt. Die jüdischen Betreuer hätten versucht, den Kindern den Alltag so angenehm wie möglich zu machen. Heimlich lernte die kleine Liesel Lesen und Schreiben. Zu ihrem sechsten Geburtstag bekam sie – schwer krank auf der Krankenstation liegend – eine Torte geschenkt. Und immer wieder sprach sie von ihrer Mutter, die mit unglaublicher Kraft, Fleiß und großer Liebe das Überleben ihrer Tochter und ihres behinderten Mannes gewährleistet hatte.

Nach Ende der Filmarbeiten wurde das Kinderheim aufgelöst. Ihre Mutter setzte sich energisch dafür ein, dass Liesel Binzer nicht, wie die anderen Kinder, nach Auschwitz deportiert wurde. 1945 wurde Theresienstadt von den Sowjets befreit und Familie Michel konnte endlich nach Hause.

Zu Hause hieß für die Familie auch nach 1945 Deutschland. Eine Auswanderung kam sowohl wegen der Behinderung des Vaters als auch aus Überzeugung nicht in Frage. Man war Deutscher und sprach nur Deutsch. Die Zeitzeugin berichtete in der sich anschließenden Fragerunde, wie es ihr in der Zeit nach dem Krieg ergangen ist. Sie hat geheiratet, bekam drei Kinder und freut sich, mittlerweile ihre Enkel hier und in Israel aufwachsen zu sehen. Ihre Familie wuchs, aber die Erlebnisse, die damit verbundenen seelischen Wunden und die Lücken, die die ermordeten Familienmitglieder hinterlassen haben, werden dennoch nie wieder zu schließen sein. Sie selbst kann erst seit einigen Jahren über ihre Erlebnisse sprechen. Am Ende betonte Liesel Binzer: "Es gibt keinen Grund, Menschen wegen ihrer Religion oder ihrem Aussehen zu hassen."

Die Schüler zeigten sich sichtlich bewegt und sollen nun selbst als "Zeugen der Zeitzeugen" aus dem Gehörten lernen und davon berichten. steph

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Calw Holocaust ins Gedächtnis gerufen

schwarzwaelder-bote.de/inhalt.calw-holocaust-ins-gedaechtnis-gerufen.661f8be6-0327-49aa-a2d6-f40dac874d91.html

Schwarzwälder-Bote13.07.2016 – 17:32 Uhr


​Liesel Binzer berichtete von ihrem Leben im Konzentrationslager und dem Schicksal ihrer Familie. Foto: SchuleFoto: Schwarzwälder-Bote

Calw. Die Holocaust-Überlebende Liesel Binzer besuchte das Hermann Hesse-Gymnasium, um den Neuntklässlern im Rahmen des Geschichtsunterrichts von ihrem Leben im Konzentrationslager und dem Schicksal ihrer Familie zu erzählen. Sie hat einen Teil ihrer Kindheit im KZ Theresienstadt verbracht.

Zahlreiche Fotos

Gespannt verfolgten die Schüler den Vortrag der rüstigen 80-Jährigen, die anhand zahlreicher Fotos durch ihre Lebensgeschichte führte. Unterstützt wurde sie dabei von Marina Müller, Leiterin des Projekts "Zeugen der Zeitzeugen" und Andrew Hilkowitz, Vorsitzender des Vereins "Child Survivors". In diesem haben sich Menschen zusammengeschlossen, die während des Nationalsozialismus verfolgt worden sind. Müller und Hilkowitz riefen den Schülern ins Gedächtnis, dass diese die letzten Zeugen der Holocaust-Überlebenden seien und aus ihren Berichten eine große Verantwortung für kommende Generationen erwachse.

Anschließend durften die Neuntklässler ihre Fragen, die sie im Geschichtsunterricht vorbereitet hatten, stellen. Liesel Binzer zeigte sich sehr offen für alles, was die Jugendlichen beschäftigt, und beantwortete die Fragen so ausführlich wie möglich.

 

90 spannende Minuten

Gerade hierbei wurde die Bereicherung eines solchen Zeitzeugenvortrages für den Schulalltag deutlich: So ist es doch etwas anderes, jemandem persönlich zu begegnen, der die Schrecken des Nationalsozialismus am eigenen Leib erfahren musste, als im normalen Unterrichtsalltag davon zu hören.

Nach 90 für beide Seiten intensiven Minuten verabschiedete sich Liesel Binzer mit ihrem Team und wünschte sich von ihren Zuhörern, dass diese sich gegen Antisemitismus und Rassismus stark machen. So etwas wie der Nationalsozialismus dürfe nämlich nicht mehr geschehen. Kein Kind mehr sollte durchleben müsse, was ihr widerfahren sei. Schließlich sei es egal, welche Religion, Hautfarbe, Herkunft oder welches Geschlecht jemand habe – es sei immer der Mensch, der zähle.

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Unser Vereinsmitglied Renate Aris erhält Verdienstorden

 juedische-allgemeine.de/article/view/id/25734

© Andre Koch

 

Renate Aris: in Chemnitz heimisch geworden

Die Chemnitzerin Renate Aris ist mit dem Sächsischen Verdienstorden geehrt worden. Die heute 80-Jährige ist eines der aktivsten Mitglieder in der Jüdischen Gemeinde Chemnitz und zählte zu jenen Frauen und Männern, die die Kehille im damaligen Karl-Marx-Stadt nicht aufgaben.

»Wir sind häufiger gefragt worden, ob denn ein Fortbestehen der Gemeinden noch Sinn macht – ohne junge Familien, ohne Rabbiner, ohne Kantor. Aber eine Schließung, da waren wir uns einig, bildete überhaupt keine Option«, sagt sie der Jüdischen Allgemeinen.

Dresden Die Familie von Renate Aris stammt aus Dresden. Ihrer drohenden Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt im Februar 1945 entkam sie nur durch den Luftangriff der Alliierten, der die Infrastruktur der Innenstadt auf einen Schlag komplett zerstörte.

Nach dem Krieg übernahm Familie Aris Verantwortung in der neu gegründeten Jüdischen Gemeinde in Dresden. Mehr als 30 Jahre wirkte Renates Vater Helmut Aris dort als Vorsitzender, lange Zeit fungierte ihr Bruder Heinz-Joachim als Geschäftsführer. Renate, die aus beruflichen Gründen während der 60er-Jahre nach Karl-Marx-Stadt zog, wurde auch in der dortigen Gemeinde, die kaum mehr als 20 Mitglieder zählte, rasch aktiv.

Zuwanderung »Wir haben uns immer als Schicksalsgemeinschaft verstanden, aber auch die Tradition hat ihre Bedeutung behalten«, blickt sie zurück. Als zu Beginn der 90er-Jahre die russischsprachig-jüdische Zuwanderung begann, war sie mit den »Alten« zur Stelle, um gemeinsam neue Strukturen zu schaffen. Sie gründete den Jüdischen Frauenverein und wurde mehrfach in den Vorstand der Gemeinde gewählt.

Seit vielen Jahren berichtet Renate Aris in Schulen von ihrem wechselvollen Leben. In der neuen Chemnitzer Synagoge organisiert sie regelmäßig Führungen. »Vor allem, wenn ich mit jungen Menschen ins Gespräch komme, äußere ich auch meine Sorgen über neuen Rechtspopulismus«, sagt Aris. »Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie schnell sich das gesellschaftliche Klima ändern kann, und sollten mit offenen Augen durch die Welt gehen.«

Für dieses vielfältige Engagement würdigte sie nun der Freistaat mit dem Verdienstorden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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Lernen in Ostfriesland

© Andreas Burmann

 

Gerhard Baader erzählt, wie er aus einem Wiener Arbeitslager entkam.

Es ist ein wunderschöner Frühlingsmorgen im ostfriesischen Neuharlingersiel. Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel, eine leichte Brise weht über das Gelände der nur wenige Hundert Meter entfernt von der Nordsee gelegenen Jugendherberge. Auf dem kleinen Sportplatz in der Nähe des Haupteingangs spielen zwei Jungen Fußball. Direkt gegenüber neben dem »Bootshus« liegen mehrere grüne und rote Kanus, die es einem kleinen Mädchen offensichtlich angetan haben. »Wenn ich ein Schulmädchen bin, darf ich dann Kanu fahren?«, fragt es seinen Vater. »Ja«, antwortet der lächelnd, »dann darfst du Kanu fahren.«

Eine entspannte Atmosphäre liegt über dem neunten jüdischen Lernfestival Limmud. Es ist der Abschlusstag, und der fällt in diesem Jahr mit dem 8. Mai, dem Tag der Befreiung, zusammen. Begonnen hat die viertägige Veranstaltung am Jom Haschoa: eine Konstellation, die es in dieser Form bisher noch nicht gegeben hat. »Das ist ein historischer Zufall«, sagt Festivalleiter Jonathan Marcus, »und diese Einbettung in zwei wichtige Daten findet sich auch im Programm wieder.«

Holocaust Poetry So gibt es einen Workshop zur »Holocaust Poetry« ebenso wie Diskussionen zu der Frage »Waren die Toten der Schoa Märtyrer oder Opfer?« und zum Thema »Die Schoa ist noch nicht vorbei für die Nachkommen«. Aber auch Aspekte wie »Judentum und Vegetarismus«, »Rent a Jew« oder »Barmherzigkeit und Recht« werden im Verlauf des Festivals diskutiert. Insgesamt sind diesmal mehr als 120 Workshops, Vorträge und Diskussionen im Angebot.

Nach dem Umzug vom brandenburgischen Werbellinsee an die Nordseeküste im vergangenen Jahr sind die Limmudniks zum zweiten Mal in Neuharlingersiel zu Gast, und auch diesmal sind wieder knapp 400 Teilnehmer mit an Bord. Viele von ihnen kommen aus dem norddeutschen Raum, aus Berlin und dem Ruhrgebiet, eine Gruppe ist sogar die mehr als 700 Kilometer aus Stuttgart angereist. Für die fast 90 Kinder und Jugendlichen haben die Organisatoren ein eigenes Programm vorbereitet, das vom Schabbat-Liederkreis über Bastelangebote und ein Fußballturnier bis hin zur Peula mit Madrichim reicht.

Der jüngste Teilnehmer ist drei Monate alt, der älteste 87 Jahre: Gerhard Baader, Mitglied des Limmud-Teams und Überlebender des Nazi-Terrors. Der Gabbai der Synagoge Oranienburger Straße sucht den Kontakt zur jüngeren Generation und berichtet, wie er kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs aus einem Wiener Arbeitslager entkam. Wie er sich, lediglich mit einem schweren Schraubenschlüssel bewaffnet, nach Hause durchschlug. Wie die SS-Leibstandarte in Wien von Keller zu Keller zog, um politisch und rassisch Verfolgte aufzuspüren und zu erschießen. Und wie am 13. April 1945 schließlich die Rote Armee die Stadt eroberte – zu einem Zeitpunkt, als der Mördertrupp nur noch zwei Straßenzüge entfernt war. »Das ist meine Geschichte der Befreiung«, sagt Baader. »Der Gedenktag ist darum für mich immer etwas ganz Besonderes: Mir wurde damals ein neues Leben geschenkt.« Auch am Jom Haschoa hat er seine Geschichte schon erzählt, im Rahmen eines Zikaron BaSalon.

Zikaron BaSalon Yael Dinur von der World Zionist Organization hat dieses vor einigen Jahren in Israel entstandene Format mit nach Neuharlingersiel gebracht: Dabei geht es um ein Erinnern an den Holocaust in privatem Rahmen mit dem Ziel, jenseits öffentlicher Gedenkfeiern die dritte Generation für das Thema zu sensibilisieren und das Interesse wachzuhalten. 
Üblicherweise berichtet bei einem solchen »Gedenken im Wohnzimmer« ein Zeitzeuge von seinen Erlebnissen. Anschließend sprechen die Teilnehmer über die Auswirkungen der Schoa auf die nachfolgenden Generationen.

»Wir haben darüber diskutiert, was es für unsere Identität bedeutet, wenn wir sie über die Schoa definieren«, sagt Dinur. »Wir bauen uns da eine Opferidentität, und das ist aus meiner Sicht sehr gefährlich.« Natürlich sei die Schoa ein wesentlicher Bestandteil jüdischer Geschichte: »Aber meine Identität ist positiv, ich bin kein Opfer.« Es sei darum wichtig, die Erinnerung an die Vergangenheit mit einem positiven Blick auf die Gegenwart und die Zukunft zu verknüpfen.

Mit Gegenwart und Zukunft befasst sich auch Netanel Teitelbaum in seinem Vortrag über jüdische Identität in der Globalisierung. Der Bremer Landesrabbiner will seinen Zuhörern Anregungen geben, wie sie in der schnelllebigen Welt die Traditionen wahren und dabei ein modernes Judentum leben können. »Wir sollten die neuen Technologien nicht als Feind sehen, sondern sie für unsere Religion nutzen«, betont er und zeigt, wie das in der Praxis aussehen kann: Seinen Unterricht hat er heute auf seinem iPhone mitgebracht.

Schabbat-Knopf Teitelbaum hat in seiner Gemeinde eine WhatsApp-Gruppe und einen E-Mail-Verteiler eingerichtet, um möglichst viele Menschen schnell erreichen zu können. Schwierig wird die moderne Welt dann, wenn beispielsweise gläubige Juden am Schabbat arbeiten müssen, doch auch hierfür hat er Tipps parat: den »Schabbat-Knopf« etwa, mit dem halachakonform der Stromfluss ermöglicht werden kann. Oder den Stift, dessen Tinte nach einiger Zeit wieder verschwindet, sodass die geschriebenen Worte nicht von Dauer sind. »Das sind keine Lösungen, die ich zu Hause benutze«, stellt der Rabbiner klar. »Aber es sind Lösungen für Notfälle, und Rabbiner sollten den Mut haben, solche Lösungen auch anzusprechen.«

Während in den verschiedenen Seminarräumen noch gelernt und diskutiert wird, bereiten sich schon die ersten Teilnehmer auf die Abreise vor oder genießen einfach das Frühlingswetter. Für Matthias Dannel ist es die letzte Gelegenheit, seine Drohne mit eingebauter Kamera in die Luft zu schicken, um ein paar Erinnerungsbilder zu schießen. Limmud lebt davon, dass jeder etwas einbringt, sagt der Berliner: Er bringt eben seine Drohne ein und will die Bilder später ins Netz stellen.

Der überzeugte Limmudnik fährt wieder mit vielen positiven Eindrücke nach Hause. »Es ist einfach toll, für ein paar Tage komplett im jüdischen Leben zu sein. Hier können wir über den Tellerrand hinausschauen und zum Beispiel andere religiöse Richtungen kennenlernen, ohne gleich in eine andere Gemeinde gehen zu müssen.«

Vorbereitungen Die Mitarbeiter der Jugendherberge bereiten sich unterdessen schon einmal auf die bevorstehende Aufräumaktion vor. Für sie war es auch diesmal wieder eine Herausforderung, eine derart große Veranstaltung nach den Regeln der Halacha umzusetzen. Am Wochenende zuvor wurde die Küche gründlich gekaschert, Dutzende Türschlösser mussten von elektrischer Türöffnung auf klassische Schlüsselöffnung umgestellt werden, für den Schabbat wurden alle benötigten Energiequellen auf Dauerstrom gestellt.

»Wir werden immer besser«, meint Jugendherbergsleiterin Nicole Kubisz. »Wir wissen jetzt, was Limmud braucht – und das Limmud-Team weiß, was wir brauchen.« Die Zusammenarbeit mit Avi Toubiana und seinem Team von Elfenbein Kosher Catering habe hervorragend funktioniert, sodass aus ihrer Sicht einer Neuauflage im kommenden Jahr nichts im Wege stehe.

Für Cheforganisator Jonathan Marcus steht es außer Frage, dass die Limmudniks 2017 wieder an die Nordsee kommen werden. Nachdem das Festival in diesem Jahr mit einer Zeremonie zum Tag der Befreiung und Tag des Sieges offiziell zu Ende ging, zieht er ein durchweg positives Fazit: »Wir hatten hier ein tolles Gemeinschaftsgefühl, sehr entspannt und harmonisch. Das Wetter war optimal, der Veranstaltungsort hat sich sehr bewährt, die Organisation hat gut geklappt – besser kann so ein Festival gar nicht laufen.« 

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Vortrag unseres Ehrenpräsidenten Horst Selbiger am 14. März 2016 in der Jüdischen Gemeinde Karlsruhe (Audio)>>

 

Ahlener Zeitung vom 12.03.2016

Nazis verhöhnten sogar einen Träger des Eisernen Kreuzes

-hat- Ahlen. Leicht fällt es Liesel Michel-Binzer auch nach vielen öffentlichen Auftritten als Zeitzeugin nicht, über ihre Erlebnisse im Ghetto  Theresienstadt zu sprechen wie in dieser Woche gleich dreimal: Nach dem Gespräch in der Fritz-Winter-Gesamtschule (die „AZ“ berichtete) abends im Barthelhof vor einer kleinen Zuhörerschaft und am Freitag vor Schülern des Bischöflichen Gymnasiums und des Berufskollegs St. Michael. Bei allen Gesprächen hatte sie mit dem Historiker Matthias Ester aus Münster einen Moderator an ihrer Seite, der sie einfühlsam und kenntnisreich bei ihrer Reise in die Vergangenheit begleitete.

Am Donnerstagabend fügte sie eine Geschichte hinzu, die sie nicht oft öffentlich erzählt. Ihr Vater, Teilnehmer des Ersten Weltkriegs und Träger des Eisernen Kreuzes, verlor durch eine Explosion bei einer Truppenverlegung ins Elsaß beide Beine. Das Hetzblatt der Nazis „Der Stürmer“ dichtete in einem 1934 erschienenen Artikel den tragischen Unfall zu einer angeblichen Fahnenflucht Bernhard Michels um, bei dem er zum Invaliden wurde. Das damit zugleich gefällte Urteil, dass ihm das „ganz recht geschehen“ sei, beweise die moralische Verkommenheit und den menschenverachtenden Zynismus des Nazi-Regimes.

Die Fragen der Schüler am gestrigen Morgen zielten darauf, was die Zeitgenossen der Holocaust-Überlebenden mitbekommen haben müssten. Die Hetze gegen Juden und ihre Deportation, die tagsüber stattfand, könne niemandem verborgen geblieben sein. „Viele Menschen schauten zu“, so die Zeitzeugin.

 

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Woche der Brüderlichkeit: KZ-Überlebende Liesel Michel-Binzer zu Gast. Rechts Matthias Ester

Woche der Brüderlichkeit: KZ-Überlebende Liesel Michel-Binzer zu Gast. Rechts Matthias Ester

 

 

 

 

 

 

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Liesel Schulze-Binzler 2016

Liesel Michel-Binzler 2016

 

 

 

 

 

 

 

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Ahlener Zeitung vom 10.03.2016

wn.dehttp://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Warendorf/Ahlen/2297066-Woche-der-Bruederlichkeit-Alle-wollten-nur-reingewaschen-werden

„Woche der Brüderlichkeit“

Alle wollten nur reingewaschen werden

 

Im Gespräch mit dem Historiker Matthias Ester berichtete Liesel Michel-Binzer über ihr Leben im KZ Theresienstadt.

Im Gespräch mit dem Historiker Matthias Ester berichtete Liesel Michel-Binzer über ihr Leben im KZ Theresienstadt.

Ahlen – 

Liesel Michel-Binzer hat als jüdisches Kind das KZ Theresienstadt überlebt. Und kehrte mit ihren Eltern zurück nach Freckenhorst. Vor Schülern der Fritz-Winter-Gesamtschule berichtet sie, wie ihr Leben danach aussah.

Nein, entschuldigt sich hat sich nach dem Krieg niemand bei Familie Michel. „Sie wollten alle nur reingewaschen werden“, erinnerte sich Tochter Liesel Michel-Binzer am Donnerstag beim Zeitzeugengespräch im Forum der Fritz-Winter-Gesamtschule. Die 79-Jährige war im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ zum zweiten Mal Gast in der Schule, um über ihre Erinnerungen an ihr Leben in Münster zu sprechen, von wo sie 1942 mit ihren Eltern nach Theresienstadt deportiert wurde. Und wie sie später nach der Befreiung durch die Rote Armee in Freckenhorst ankam, wo das Elternhaus der Mutter Liesel Binzers den Krieg unbeschadet überstanden hatte und sich inzwischen Nazis breit gemacht hatten.

Wie lebt man als Jüdin, die den Holocaust mit den Eltern überlebt hat, unter und mit den Tätern? Möglichst „unauffällig“, antwortete sie auf eine Frage, was ihr aber sicherlich nicht immer gelungen sei. Das klang fast entschuldigend, wobei sich doch eher ihre Mitmenschen zumindest zu ihrer Verantwortung, nur zugeschaut zu haben, hätten bekennen müssen. Die Chuzpe zu haben, die jüdische Familie Michel sogar um einen „Persilschein“ zu bitten, kein Nazi gewesen zu sein, wie jener Schützenkönig aus der Vorkriegszeit, der eine nahe Angehörige der Familie, die im KZ elendig umkam, verpfiffen hatte, beschreibt die kollektive Verantwortungslosigkeit der Kriegsgeneration, die sich nach der Befreiung von der NS-Diktatur an nichts mehr erinnern wollte. Dabei fand die Deportation der in Münster verbliebenen Juden an einem heißen Tag im Juli 1942 vor den Augen der Nachbarn statt, wie die Zeitzeugin auf Nachfragen des Moderators berichtete.

Mit fünf Jahren wurden Liesel Michel-Binzer und ihre Eltern nach Theresienstadt deportiert, wo das kleine Mädchen in einem Heim getrennt von ihrer Mutter untergebracht wurde, die Mutter selbst hart arbeiten musste, und der im Ersten Weltkrieg schwer verwundete Vater wie durch ein Wunder überlebte. Dass das Mädchen Verschleppung und KZ überlebte, verdankt es nicht zuletzt den Betreuerinnen im Heim. „Sie haben sich liebevoll um uns gekümmert“, sagte die 79-Jährige, die zuvor von Claudia Buchartowski, didaktische Leiterin, begrüßt worden war.

Mit warmherzigen Beifall verabschiedeten die Schüler der Jahrgänge zwölf und 13 die Zeitzeugin.

 

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Pforzheimer Kurier vom 16.03.2016

„Die Stimmenkönige haben gar kein Personal“

Horst Selbiger ist Zeitzeuge der Nazi-Gräueltaten und hofft auf Überforderung bei den neuen Rechten im Land

Von unserem Redaktionsmitglied Edith Kopf

„Von der Regierung kamen nur Lippenbekenntnisse.“ Dies kann Horst Selbiger an der eigenen Geschichte belegen, wie Neunt- und Zehntklässlern gestern im Hilda-Gymnasium erfahren. Noch 1978 habe ein „Obergutachter“ von „rassebedingten Krankheiten“ gesprochen und damit verhindert, dass der Sohn eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter eine Rente für „Verfolgungsschäden“ zugesprochen bekommt. Heute ist der Mann 88 Jahre alt und wenig erstaunt über die jüngsten politischen Entwicklungen: „Das spiegelt ein ganzes Stück Geschichte der frühen Bundesrepublik wider“, sagt er zum Thema AfD. Mit dem Nationalsozialismus habe man sich damals nicht grundsätzlich auseinandergesetzt.

Es ist rund 20 Jahre her, dass Selbiger begann, darüber mit der jungen Generation zu sprechen und ihr Bewusstsein gegen braunes Gedankengut zu sensibilisieren. Etwa alle zwei Monate steht er vor 15- bis 18-Jährigen. Es sind fast durchweg Gymnasiasten, so wie gestern bei seinem ersten Besuch in Pforzheim, dem am 10. November ein zweiter folgen soll. Andrew Hilkowitz von der Jüdischen Gemeinde hat den Auftritt des Zeitzeugen und Gründers des Verein Child Survivors vermittelt. Er spricht in einer nahezu absoluten Stille, obwohl viele Schüler vor ihm sitzen. Das hat sich verändert, sagt er mit Blick auf früher. Es gebe „nicht mehr die verschlossenen Gesichter, die signalisierten, unsere Eltern und Großeltern waren keine Nazis.“ Die jungen Leute würden heute Spuren suchen und nachfragen. Zu hören ist das gestern nicht. Lediglich die beiden Lehrkräfte suchen das Gespräch. Horst Selbiger hofft dennoch, dass auch diese Schüler wie alle, die je die Geschichte von seiner Esther gehört haben, nie zur rechten Szene gehören werden. Das Mädchen wurde vergast, fand vermutlich 1943 den Tod. Sie wie 61 Familienmitglieder „schreien geradezu, berichte über uns, sag’ was“.

„Sie können nicht oben den Groschen hineinstecken und unten kommt was raus“, sagt Selbiger, wenn er gefragt wird, ob er nicht am Erfolg seiner Mission zweifelt angesichts der Zunahme von Brandanschlägen und Rassismus in Deutschland. Die Schüler würden zumindest einmal aus dem Mund eines Betroffenen hören, wie Faschismus, Rassismus und Überheblichkeit wirken. „Wenn ich damit die Schraube in ihrem Kopf einen Millimeter weiter bewege, bin ich zufrieden.“

„Entsetzt“ ist der Mann dennoch über die Entwicklung. Auf das Wahlergebnis in der Stadt angesprochen meint er nur: „Das braune Pforzheim“ und hebt die Hände zum Zeichen der Ratlosigkeit. Aber dem Berliner, der Verfolgung, Zwangsarbeit und „fünf Staaten erlebt hat – die Weimarer Republik, das Dritte Reich, das junge Westdeutschland, die DDR und die heutige Bundesrepublik“ – mangelt es nicht an Zuversicht: „Die Stimmenkönige haben überhaupt kein Personal.“ Wie früher bei der NPD gebe es totale Versager unter den Mandatsträgern, setzt Selbiger auf Überforderung als Problemlöser.

Er selbst hätte gerne gesehen, wenn Die Linke über die Fünf-Prozent-Hürde gekommen wäre und dann für Krach im Landtag gesorgt hätte. Selbiger ist Sozialist. Als „die junge Bundesrepublik Nazis Entwicklungsmöglichkeiten bietet statt Überlebenden“, kehrt er den Rücken, voller Hoffnung in der DDR an einem antifaschistischen Staat mitarbeiten zu können. Als auch dort Willkür über Gerechtigkeit siegt, setzt er sich ab. Gelegenheit dazu bietet dem Journalisten der Auschwitzprozess in Frankfurt.

 

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HORST SELBIGER stellt sich seit 20 Jahren vor Schulklassen, um über den Faschismus zu sprechen. Foto: Ehmann

 

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Pforzheimer Zeitung vom 16.03.2016

Geschichte hautnah erlebt

Zeitzeuge Horst Selbiger berichtet den Schülern des Hilda­ Gymnasiums über sein Leben im Dritten Reich

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Im Gespräch: Zeitzeuge Horst Selbiger (links), Ehrenvorsitzender des Vereins „Child Survivers Deutschland“, und Vereinsvorsitzender Andrew Hilkowitz (vorne rechts) berichten Schülern des Hilda­Gymnasiums über das Leben im „Dritten Reich“. Foto: Seibel


Geboren zu Zeiten der Weimarer Republik, aufgewachsen in einer nationalsozialistischen Diktatur, verfolgt von Nazis, gelebt in der DDR und nun in der Bundesrepublik Deutschland: Über sein Leben in mehreren deutschen Staaten und Staatsformen berichtet Horst Selbiger im Hilda­Gymnasium. Der Zeitzeuge, Journalist und Ehrenvorsitzender des Vereins „Child Survivors Deutschland
– Überlebende Kinder der Shoah“(CSD), erzählt den Neunt– und Zehntklässlern ergänzend zum

Geschichtsunterricht persönliche Berichte aus der Zeit des „Dritten Reichs“, über sich und seine Familiengeschichte. Das Zeitzeugengespräch findet im Rahmen der
„Wochen gegen Rassismus“ (bis 23. März) statt und wurde in Kooperation mit Andrew Hilkowitz, Vereinsvorsitzender der CSD und Dialogbeauftragter der Jüdischen Gemeinde, organisiert.

Der inzwischen 88­Jährige Selbiger stammt aus einer großen jüdischen Familie in Berlin. So genoss er eine jüdische Erziehung, womit sich seine Erfahrungen mit der antisemitisch geprägten Umwelt verschärften. „Hitler wurde als Retter der Nation gesehen, das muss man sich mal vorstellen“, erzählt Selbiger. Detailliert schildert er die Ausgrenzung, die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, die Schließung aller jüdischen Schulen und Demütigung von Freunden, Familienmitgliedern und ihm selbst. „Täglich gab es Eingriffe in unsere persönliche Freiheit. Heute würde man das ,Mobbing‘ nennen“, so der Zeitzeuge. „Daraus ergab sich die Vernichtung der Juden.“ Sie seien geschlagen, bestohlen und beraubt worden. Er habe einen Judenstern tragen und den Namen „Israel“ annehmen müssen. Mit Original­ Dokumenten wie seiner Judenkarte liefert er den Schülern Belege aus der damaligen Zeit. Zur Zwangsarbeit genötigt und in ein Judenhaus gedrängt, lebten Selbiger und seine Familie am Rande der Existenz. Er und sein Vater seien nur knapp einer Deportation nach Auschwitz entgangen.

Auch nach dem Krieg ging der Kampf um die Rechte weiter. „Ich war ein junger Kommunist und Sozialist, der die Welt verändern wollte. Es war noch nicht das Deutschland, das ich mir wünschte“, erklärt Selbiger. Ehemalige Nazis seien davongekommen, und ihnen, den Juden, habe man nicht geholfen. Jahrelang habe er gerichtlich um Rehabilitation und um einen Antrag auf Entschädigung als politisch und rassistisch Verfolgter kämpfen müssen. Und das nicht immer mit Erfolg. Auf die anschließenden Fragen der Schüler und Lehrer antwortet der Zeitzeuge geduldig. „Ich habe Deutschland nie verlassen, da keiner in Europa Juden wollte“, erklärt er. „Ich möchte zu denen gehören, die über Hitler gesiegt

haben. Daher lebe ich hier.“ Der tosende Applaus spiegelt das Interesse der Jugendlichen am Vortrag wider. „Ich bin froh, dass sie das, was ich die Schüler lehre, mit Leben erfüllen können. Sie sind einer der wenigen, die man noch fragen kann“, so Sabine Bücheler, Geschichtslehrerin am Hilda­Gymnasium. Selbiger endet mit einem bewegenden Gedicht einer KZ­Überlebenden zum Thema Schuld.
„Das ist das, was ich erlebt habe“, schließt der Zeitzeuge seinen Vortrag. „Es wird ein tolles Buch über mein Leben geben.“

 

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Holocaust survivor joins Israeli aid group's Berlin refugee program

Holocaust survivor joins Israeli aid group's Berlin refugee program

Diaspora

By JPOST.COM STAFF \

03/01/2016 14:24

 

Once a week, Gerhard Baader arrives to temporary shelters housing migrants in Berlin and teaches German to refugees from Syria, Iraq and Afghanistan.

Gerhard Baader

 

Gerhard Baader seen on the right. (photo credit:ISRAAID)

 

 

A Holocaust survivor in Berlin has joined an Israeli humanitarian aid organization's program training German Jewish volunteers to help Middle Eastern refugees integrate into the European society.

Gerhard Baader attends joined IsraAID's Psycho-Social Support (PSS) training program, which provides tools on how to better deal with the influx of refugees.

Once a week, Baader arrives to temporary shelters housing migrants in the German capital and teaches the German language to refugees from Syria, Iraq and Afghanistan.

 

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(Gerhard Baader pictured on the right. Credit: IsraAID)

The organization's programs also train local government officials and local and national NGOs on trauma and psyco-social care.

"Our main goal is to help both the Jewish community and the general German public better understand on how to handle this current crisis without letting it escalate all the while building bridges and offer trauma care to the refugees," IsraAID said in a statement Tuesday.

 

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amgs.dehttps://www.amgs.de/schwarzes-brett/berichte/aktuelles/datum/2016/02/28/beeindruckendes-zeitzeugengespraech-am-amg/

Beeindruckendes Zeitzeugengespräch am AMG

28.02.2016
Zeitzeuge Selbiger im Gespräch mit den Schülern

Zeitzeuge des Holocaust Horst Selbiger war im Albertus-Magnus-Gymnasium zu Gast.

 

Horst Selbiger besuchte am  27. Januar, dem Gedenktag an die Befreiung von Auschwitz, für ein Gespräch mit Schülern der Oberstufe das AMG. Er war zum Gedenktag außerdem im baden-württembergischen Landtag, in der jüdischen Gemeinde und an einer weiteren Stuttgarter Schule.

Als Zeitzeuge des Nationalsozialismus erinnerte der 88jährige Selbiger die Schüler zunächst an die „Todesfabrik“ Auschwitz und den industriemäßigen Massenmord an den europäischen Juden. Auch sein Leben sollte dort enden, aber historische Zufälle, „Wunder“, wie Selbiger sie nennt, ließen ihn weiterleben. Horst Selbiger berichtete, dass sein Vater bereits 1933 seine Berliner Zahnarztpraxis aufgeben sollte, dann aber als Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs zunächst geschont wurde. Selbiger wurde 1934 eingeschult, aber bald – als einziger Jude in der Klasse – „gemobbt“, wie man heute sagen würde. Schließlich erfolgte ein Schulwechsel in eine rein jüdische Schule, dann die Verpflichtung zur Zwangsarbeit. Familie Selbiger musste nach der Reichspogromnacht ihre geräumige Wohnung unter Wert versteigern und in eines der sogenannten „Judenhäuser“ ziehen. 1943 begannen Vorbereitungen für den Abtransport nach Auschwitz, aber der Berliner Aufstand vor dem Polizeigebäude in der Brunnenstraße veranlasste die NS-Machthaber, die Familienangehörigen aus jüdisch-christlichen Familien in Berlin zu belassen. Als „Wunder“ bezeichnet Horst Selbiger diesen Wendepunkt in seiner Biographie.

Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern skizzierte Selbiger noch seinen weiteren Lebensweg: Ohne Schulausbildung und mit dem Traum, einmal Journalist zu werden, lebte er nach 1945 im Berliner Osten und konnte dann in der neu gegründeten DDR Karriere machen. Politische Zerwürfnisse in der Ära Walter Ulbrichts beendeten aber diesen Weg, Selbiger erinnerte zum Schluss mit einem Gedicht einer Theresienstadt-Überlebenden an die Verantwortung eines jeden und die „Schuld der Schuldlosen“, die immer dann beginne, wenn man sage, man könne nichts mehr tun.

Horst Selbiger ist Ehrenpräsident der CSD, einer Vereinigung für Menschen, die als Kind den Nationalsozialismus überlebt haben. Nähere Informationen bietet die Website www.child-survivors-deutschland.de. Das Albertus-Magnus-Gymnasium sieht sich durch die Ausbildung von Schülerguides, der Pflege des ehemaligen Synagogenplatzes in Cannstatt und Wettbewerbsarbeiten für den Jenny-Heymann-Preis weiterhin mit der Thematik verbunden.

 

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Rede unseres Ehrenpräsidenten Horst Selbiger am 9. November 2015 
im Rathaus von Baden-Baden

 

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Margret Mergen,
sehr geehrte Herren Bürgermeister Hirth und Geggus,
sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderats, 
sehr geehrte Damen und Herren Stadtverordnete,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
meine lieben Freundinnen und Freunde,
es ist mir eine große Ehre, heute am 77. Jahrestag der Pogrome von 1938 zu Ihnen sprechen zu dürfen. 
Die Augenzeugenberichte aus den meisten deutschen Städten ähneln sich. Zumeist beginnen sie:
„Zuerst kamen die großen Ladengeschäfte dran; –  mit mitgebrachten Stangen wurden die Schaufenster eingeschlagen, und der verständigte Pöbel plünderte unter Anführung der SA die Läden aus.
Fürchterlich wütenden die SA- Horden, unterstützt von SS-Leuten und Hitlerjungen, in den Geschäften und Läden der Juden. Gitter, Rollläden und andere Sicherungen der Geschäftsfronten wurden herausgerissen, Tür- und Schaufensterscheiben eingeschlagen, Auslagen auf Bürgersteige und Straßen geworfen und niedergetrampelt. Auch das Innere der Verkaufsstätten wurden systematisch zerstört. Waren, Vitrinen, Regale, Verkaufstische Kassen,Lampen, Schreib- und Rechenmaschinen wurden zertrümmert. Das Chaos bot massenhaft Gelegenheit auf bequeme Weise zu plündern und zu rauben. Allein in einem Juweliergeschäft in der Prachtstraße Berlins, Unter den Linden, wurden Juwelen und Uhren im Gesamtwert von 1,7 Millionen Mark geraubt. Schmuck und auch wertvolle Pelze gehörten zu dem bevorzugten Diebesgut.
Dann ging es in die von Juden bewohnten Häuser. Wurde auf das Läuten die Wohnung nicht sofort geöffnet, schlugen sie die Wohnungstür ein. Angeblich wurden die Wohnungen nach Waffen durchsucht – und dabei wurden die Privatwohnungen von Juden  hemmungslos verwüstet.
Möbel, Einrichtungsgegenstände und Hausrat wurden zertrümmert und flogen durch die Fenster  auf die Straßen. Gleiches geschah mit Bildern, Kunst- und Kultgegenständen, Büchern, Dokumenten und anderen wertvollen Papieren. Viele dieser sogenannten ‚spontanen‘ Rächer waren mit Revolver und Dolchen ausgestattet; jede Gruppe hatte die nötigen Einbrecherwerkzeuge wie Äxte, große Hammer und Brechstangen dabei. Einige SA-Leute trugen einen Brotbeutel zur Sicherstellung von Geld, Schmuck und sonstigen Wertgegenständen, die auf einen Mitnehmer warteten. 
Glastüren, Spiegel, Bilder wurden eingeschlagen, Ölbilder mit den Dolchen zerschnitten, Betten, Schuhe, Kleider aufgeschlitzt, es wurde alles kurz und klein geschlagen. Die betroffenen Familien hatten am Morgen des 10. November meistens keine Kaffeetasse, keinen Löffel, kein Messer, nichts mehr. Vorgefundene Geldbeträge wurden konfisziert, Wertpapiere und Sparkassenbücher mitgenommen. Das schlimmste dabei waren die schweren Ausschreitungen gegen die Wohnungsinhaber, wobei anwesende Frauen oft ebenso misshandelt wurden wie die Männer. Hinzu kam eine unbekannte Zahl von Vergewaltigungen jüdischer Frauen und Mädchen.
Man geht heute von mindestens 400 Todesopfern allein in der Pogromnacht aus. 
Der Tod war ein Meister aus Deutschland!
Das Ergebnis dieser Nacht der blutigen Messer und der langen Finger: 1.406 vollständig zerstörten Synagogen und Betstuben in ganz Deutschland. Von Berlins 14 Synagogen wurden 11 vollständig niedergebrannt, die übrigen drei schwer demoliert. Zerstört wurden ferner etwa 7.500 jüdische Geschäfte, Wohnungen, Gemeindehäuser und Friedhofskapellen.
Am 10. November befahl Hitler, die Juden nun vollends aus der deutschen Wirtschaft auszuschließen. Die staatlichen Maßnahmen dazu wurden als „Wiederherstellung der Ordnung“ nach den angeblich „spontanen“ Pogromen zuvor ausgegeben. 
Um diesen Befehl umzusetzen und das weitere staatliche Vorgehen zu beraten, rief Göring eine Besprechung ein, die am 12. November im Reichsluftfahrtministerium mit über 100 Teilnehmern stattfand. Die dort beschlossene Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben sollte alle reichsdeutschen Juden weitgehend enteignen, aus dem Kulturleben entfernen, aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verbannen und zur Auswanderung zwingen. Das erklärte Ziel war, das Deutsche Reich „judenfrei“ zu machen.
Von Teilen des Sitzungsprotokolls ist eine wortgetreue Kopie erhalten. Die Bestandsaufnahme zeigte, dass ein Großteil der zerstörten „jüdischen“ Geschäftsräume und Wohnungen „Ariern“ gehörte und von Juden nur gemietet war; die Versicherungsgesellschaften mussten diese Schäden ersetzen. Allein der Glasbruch kostete annähernd drei Millionen, die gesamten Versicherungsschäden wurden auf 225 Millionen Reichsmark beziffert. Daher warf Göring dem SS-Führer Heydrich vor:
„Mir wäre lieber gewesen, ihr hättet noch 200 Juden erschlagen und hättet nicht solche Werte vernichtet.“
Der Tod war ein Meister aus Deutschland!
Dann schlug Göring vor, den Juden des Reiches eine „Judenvermögensabgabe“ von einer Milliarde Reichsmark als „Sühneleistung“ für „die feindliche Haltung des Judentums gegenüber dem deutschen Volk“ abzufordern. Die Entschädigungen der zahlungswilligen Versicherungen zahlten direkt an den Staat; betroffene Juden gingen leer aus.
Im Einzelnen ordnete Göring noch am selben Tag als „harte Sühne“ für die Juden an:
· das Verbot für Juden Einzelläden, Gewerbe- und Handwerksbetrieben, Versandgeschäften, Bestellkontoren zu betreiben;
· das Verbot für Juden Märkten, Messen, Ausstellungen zu besuchen oder auf ihnen zu werben;
· das Verbot für Juden, Mitglied einer Berufsgenossenschaft zu sein.
Die Staatspolizei ordnete zudem am selben Tag an, dass
· Juden die vom 8. bis 10. November entstandenen Schäden im Straßenbild auf eigene Kosten sofort zu beseitigen hätten;
· ihre Versicherungsansprüche werden vom Staat beschlagnahmt.
Von den annähernd 30.000 verhafteten und deportierten Juden aus jenen Nächten vom 8. -10. November 1938 wurden nachweislich 10.911 –ins KZ Dachau, 9.845 ins KZ Buchenwald eingeliefert. Für das KZ Sachsenhausen schätzen Historiker mindestens 6.000, eher aber 10.000 Inhaftierte.
Die Lagerhaft kostete nochmals Hunderte Menschenleben: In Buchenwald fanden nach Angaben der Lagerverwaltung 207 Juden, in Dachau 185 den Tod; die Opferzahl von Sachsenhausen ist unbekannt. Auch hier wird zusätzlich eine hohe Dunkelziffer angenommen. Denn bereits bei der Ankunft in den KZs wurden Dutzende Juden erschossen, Hunderte starben bei Fluchtversuchen oder an den Strapazen der Zwangsarbeit in den Lagern. Tausende der Überlebenden wurden körperlich schwer verletzt und seelisch traumatisiert. Allein im Jüdischen Krankenhaus in Berlin mussten nach dem Winter 1938/39 von den KZ-Häftlingen aus Sachsenhausen 600 erfrorene Gliedmaßen amputiert werden.
Und alles, was ich Ihnen erzählte, habe ich als zehnjähriges Kind 1938 in Berlin erlebt. Und heute, 77 Jahre nach diesen Ereignissen,  wurden ab 9 Uhr und werden noch in der kommenden Nacht und in den morgigen Tag hinein –  vor dem Gemeindehaus in Berlin – die Namen der 55. 969 ermordeten Berliner Juden gelesen.
Ja, der Tod war ein Meister aus Deutschland. 
Viele glaubten, schlimmer könne es nicht kommen; doch sie wurden eines noch Schlimmeren belehrt. Die Pogrome von 1938 markierten den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 –  zur systematischen Verfolgung und Ermordung der Juden in ganz Europa mit 6 Millionen Opfern.
Es kam zu den Kennzeichnungen der Juden mit dem Judenstern, es kam zur Zwangsarbeit der Juden für die deutsche Kriegswirtschaft und schließlich zur systematischen Deportationen in die Vernichtungslager.
Unter den sechs Millionen jüdischen Opfern des Holocaust waren auch über 1.5 Millionen Kinder. 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche vom jüngsten Baby bis zum,  heranwachsenden Teenager wurden mit der Deutschen Reichsbahn in den Tod gefahren.
1,5 Millionen Kinder – damit Sie vielleicht eine Vorstellung von dieser Zahl bekommen:
In der Gedenkstätte Yad Vashem werden den Besuchern durch ein Endlostonband die bis heute bekannten Namen der ermordeten Kinder und Jugendlichen vorgetragen. Dieses Endlosband braucht drei Monate, um alle Namen einmal zu wiederholen.
Wir, die jüdischen Kinder in Berlin, wurden mit Talenten, Träumen und Wünschen geboren und wie alle Kinder lachten, spielten und weinten wir.
Und dennoch waren wir anders . Wir waren damals „erwachsener“ als die Erwachsenen. Wir mussten täglich mit Tragödien fertig werden: fertig werden mit der Trennung von Großeltern, Eltern, Brüdern und Schwestern; fertig werden mit schwerster Kinderarbeit in Berliner Munitionsbetrieben, fertig werden mit und auf der Suche nach Nahrung und Verstecken.
Von einer solchen täglichen Tragödie möchte ich Ihnen erzählen, vom 27. Februar 1943, dem Tag, der später in die Geschichte eingehen sollte als „Tag der Fabrikaktion“.
Der 27. Februar 1943 war ein Samstag, ein kalter Wintertag, ein jüdischer Feiertag dazu. Shabbat. Natürlich mussten wir auch am Sonnabend arbeiten. Mein Zwangsarbeitsplatz befand sich in einer Berliner Munitionsfabrik. Ich stand an einem stinkenden Behälter mit Nitrochlorethylen, einer heißen und giftigen Flüssigkeit, in der ich Metallteile waschen musste.
Ich stand in der Hitze des Kessels da in Hemd und Hose, wir hatten die Arbeit gerade begonnen, da hörten wir Stiefelschritte. Es waren die Stiefel der "Leibstandarte Adolf Hitler", die in ganz Berlin Betriebe abriegelte, in denen Juden beschäftigt waren. Ältere Frauen mit dem aufgenähten Davidsstern, Männer und halbe Kinder wie ich, wurden mit Kolbenstößen auf die bereitstehenden  Lkw´s getrieben. An diesem Tag wurden in Berlin Juden verhaftet, die in etwa der Einwohnerzahl einer Kleinstadt entsprachen: nahezu 30.000.
Die SS-Einheiten verhafteten mit aufgepflanztem Bajonett in den Fabriken, in den Wohnungen der Judenhäuser, auf der Lebensmittelkartenstelle, auf den Straßen alle Juden, so wie sie waren, wo immer sie waren, und trieben sie mit Kolbenschlägen auf die LKW´s, verbrachten sie in Sammelstellen, eingepfercht, und zu tiefst entwürdigt.
Stellen sie sich vor, es gab für die Verhafteten vier Sammelstellen – die ehemalige Synagoge in der Levetzowstraße,  eine Kraftfahrzeughalle in der Hermann-Göring-Kaserne, eine Reithalle in der Kaserne Rathenower Strasse und den Ballsaal im ehemaligen Berliner Ballhaus Clou – vier Sammelstellen für 30 000 Gefangene, Männer, Frauen, Greise, Kinder, Babys – also wurde die ehemalige Synagoge in der Levetzowstraße mit rund 7 bis 8000 Menschen vollgestopft. 
Hier wurde auch ich während der Fabrikaktion im Februar 1943 inhaftiert. Ich weiß noch, wie damals Zuschauer und Glotzer Spalier standen und Beifall klatschten als wir in unseren Arbeitsklamotten von der SS-Wachmannschaft recht unsanft ins Gebäude befördert wurden.
Nach einander wurden wir erfasst; uns wurde eröffnet, dass wir wegen staatsfeindlicher und kommunistischer Umtriebe verhaftet und unser Vermögen beschlagnahmt sei, das mitgeführte Geld wurde uns abgenommen. Ausweispapiere und die Jüdischen Kennkarten wurden eingezogen und zum Schluss bekamen wir alle die Transportnummern für die Deportation in die Vernichtungslager um den Hals – und das war unser Todesurteil.
Wer so etwas durchlebt hat, wer den Zug zur Gaskammer aus nächster Nähe gesehen und erlebt hat, den Tod vor Augen – der bleibt ein Gezeichneter sein Leben lang.
Marcel Reich-Ranitzki bezeichnete es treffend: „Uns wurden Brandzeichen in die Seele gestempelt.“
Der Tod war ein Meister aus Deutschland! 
Und dann nach Tagen der Bedrängnis und der Angst, geschah das große Wunder: Etwa zweitausend Ehepartner, Kinder und Verlobte, protestieren öffentlich in der Rosenstraße gegen die Verhaftungen ihrer jüdischen Ehepartner;  sogar Uniformierte waren dabei, Soldaten, auch höherer Offiziersränge.
„Wir wollen unsere Männer wieder haben,“ skandierten sie im lauten Takt.
Juden, die in Mischehen lebten, sogenannte „Mischlinge“ und „Geltungsjuden“ wurden in den vier Sammellagern wieder separiert in die Rosenstraße verbracht.
Und als wir ankamen, dort in der Rosenstraße,da wurde demonstriert, in der Rosenstraße Oranienburger und Große Hamburger Straße – dort demonstrierten noch immer die Partner, die Mütter und Väter der hier Inhaftierten. Da nutzten keine Straßensperren, da nutzten keine Panzerspähwagen, die mit MG´s bespickt waren, da nutze kein Auseinandertreiben. Auch, wenn einzelne verhaftet wurden, nach ihrer Freilassung demonstrierten sie weiter. Augenzeugen berichteten, „die Rosenstraße war schwarz von Menschen bis hin zur Spandauer Brücke“.
Die Proteste in der Rosenstraße wurden lange Zeit nicht so recht beachtet. Dabei sind sie in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen zeigen sie, welche Wirkung Mut und Hartnäckigkeit selbst in den dunkelsten Jahren des 3. Reiches entfalten konnten, zugleich aber werfen sie ein beschämendes Bild auf jene vielen Millionen Menschen, die weggeschaut, der Vernichtung Beifall gezollt oder sich selbst an der Vernichtung der Juden mittelbar oder unmittelbar beteiligt haben. 
Jeder ist verantwortlich für das, was er macht; er ist aber auch verantwortlich für das, was er nicht macht,
Das war die erste Demonstration von christlichen Menschen für Juden im Nazistaat..
Und sie widersprachen dem üblen Propagandisten Joseph Goebbels, der schon behauptet hatte: „Berlin ist Judenfrei!“
Die Juden aus der Rosenstraße kamen noch einmal mit dem Leben davon. Dagegen wurden tausende aus den Sammelstellen von der Deutschen Reichsbahn in den Tod gekarrt. Über 60 meiner Verwandten mussten diesen Weg gehen, darunter auch fünf Kinder. Die Älteste war 87 Jahre alt, der Jüngste sechs Monate.
Der Tod war ein Meister aus Deutschland!
Die ersten Transporte der Deutschen Reichsbahn zusammengestellt aus den vier Berliner Sammelstellen der Fabrikaktion gingen über Berlin- Putlitzstraße, in die Vernichtungslager – und kaum einer der Deportierten kam zurück.
Die letzten Zeugen dieser brutalen Vernichtungstaten sind die Kinder, die überlebt haben. Deshalb stehe ich heute hier als Mitglied und Ehrenvorsitzender des Vereins Child Survivors Deutschland, den überlebenden Kinder der Shoah. Wir trauern, weil uns die Ermordeten fehlen. Wir denken jeden Tag an jene, die uns fehlen und an das, was ihnen geschehen ist:
Sie wurden, weil sie Juden waren, ermordet, geschlachtet, vergast, verbrannt, erschlagen; sie sind umgekommen durch die Hände der deutschen Mörder und ihrer Helfer aus anderen Völkern.
Allein aus Berlin wurden 4.512 Kinder und Jugendliche vom jüngsten Baby bis zum 18jährigen Teenager mit der deutschen Reichsbahn deportiert. Nach zwei bis drei Tagen erreichten die Züge Sobibór, Auschwitz oder andere Vernichtungslager. In den Nazi-Vernichtungslagern wurden die meisten Kinder sofort ermordet. Von ihnen wollen wir heute Abschied nehmen, 70 Jahre nach diesen unsäglichen Verbrechen – und 77 Jahre nach den Novemberpogromen von1938. Und bitte sagen Sie nie wieder:
„Man muss doch darunter mal einen Schlussstrich ziehen können!“
Ich sage Ihnen: 
Wir können nicht – und wir werden nicht! 
Es gibt kein Vergessen – es gibt kein Vergeben!
Und es muss endlich  Schluss damit sein, dass die Täter von einst zu Opfern stilisiert werden! 
Bitte helfen Sie uns, meine Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde, dass diese schrecklichen, abscheulichen Untaten  n i e vergessen werden.
    Denn: 
Faschismus ist keine Meinung – 
Faschismus ist ein Verbrechen!

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„Es gibt immer eine Alternative!“ – Ein Zeitzeugengespräch mit Horst Selbiger und den Klassen 10 des Gymnasiums Hohenbaden

 

Am vergangenen Montag, 09.11., fand mit den Klassen 10 zum Anlass des Gedenkens an die Reichspogromnacht 1938 ein Gespräch mit dem Zeitzeugen Horst Selbiger im SLZ des Gymnasiums Hohenbaden statt.

Herr Selbiger, im Jahr 1928 geboren, sprach sehr offen und persönlich über die „schwärzeste Zeit der deutschen Geschichte“.  Er berichtete von seinem Leben, erläuterte dabei aber auch immer den entsprechenden historischen Kontext und die Zusammenhänge der Ereignisse im öffentlichen und im eigenen Leben. So entstand ein eindringliches und bewegendes Bild seiner Geschichte vor dem Hintergrund der damaligen Umstände.

So kamen die negativen Erfahrungen zu Grundschulzeiten als einziges jüdisches Kind der Klasse genauso zur Sprache wie spätere Freundschaften an der dann besuchten jüdischen Schule und das Training im Boxverein. Selbiger schilderte die alltägliche Schikane, die fast täglichen neuen Erlasse „einfach um den Juden das Leben schwer zu machen“, Verhaftungen, die an der Tagesordnung waren, wie auch, dass „in der Schule immer wieder einfach Kinder fehlten“, ganze Familien „einfach abtransportiert“ wurden. Auch von den eigenen Erfahrungen in der Zwangsarbeit berichtete Horst Selbiger den still und betroffen lauschenden Schülerinnen und Schülern, Lehrern und Gästen.

Beim anschließenden Gespräch stellten die Schüler viele Fragen, die Selbiger bereitwillig beantwortete. Bei allem Unfasslichen und der schrecklichen Brutalität dieser Zeit, die er miterlebt hat, war es ihm dennoch wichtig, den Schülern eine hoffnungsvolle und ermutigende Botschaft mitzugeben: „Es gibt immer eine Alternative, lasst euch nichts anderes einreden!“

 

Ein herzliches Dankeschön an Horst Selbiger, Barbara Hoffs von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e. V., Andrew W. Hilkowitz (Child Survivors Deutschland e. V.), sowie Petra Heuber-Sänger! i. A. Anna Rösch

 

(Bild: A. W. Hilkowitz)

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Vor 70 JahrenDie Kinder von Indersdorf

Im Sommer 1945 wurde aus dem Kloster Indersdorf ein internationales Kinderzentrum. 70 Jahre später treffen sich hier Menschen aus Israel, Polen, England, den USA und anderen Ländern. Sie wollen den Ort wiedersehen, der in ihrer Jugend eine Wende in ihrem Leben bedeutet hat.

Im jahrhundertealten Gebäude wurde im Juli 1945 von der UNO mit US-Unterstützung ein Heim eingerichtet, das Kindern, die ohne Eltern aufgefunden wurden – jungen Überlebenden der Konzentrations- und Zwangsarbeitslager genauso wie Kindern von Zwangsarbeiterinnen – eine erste beschützende Umgebung bieten sollte. Unter der Leitung der Sozialpädagogin Greta Fischer wurden hier, in einer Zeit, in der die deutsche Gesellschaft über das Geschehene schwieg, Therapien für die meist tief traumatisierten Kinder entwickelt.


Die Kinder von Indersdorf (Kurzfilm)

Sendung vom 31.07.2015, 17:00 Uhr, Bayerisches Fernsehen (29 Minuten)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Unten ein Foto mit unserem Ehrenpräsidenten, Horst Selbiger, bei einem Wochenseminar am 18. Juli 2015 in Hannover mit den Zeugen der Zeitzeugen Tabea Adler und Dorothea Enke und den über vierzig jungen Menschen, die jetzt als Brückenbauer für ein Jahr nach Israel gehen und in sozialen Einrichtungen arbeiten werden. Herr Selbiger erzählte den Jugendlichen aus seinem Leben.
 
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Horst Selbiger: 1. Reihe, 4. von rechts
 
 

 

„All das geschah am hellichten Tage“

Der Holocaust-Überlebende Horst Selbiger berichtet über sein Schicksal.

Gedenkveranstaltung des Landtages am 27. Januar 2015

Weiterlesen >>

 

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"Meine Großväter waren beide überzeugte und einflussreiche Nationalsozialisten."

Grußwort zur Jahresversammlung von child survivors April 2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Susanne Pfeifer, es ist mir eine große Ehre, Ihnen ein Grußwort übermitteln zu dürfen! Während der letzten Jahre habe ich mich mehr und mehr mit unserer Familiengeschichte auseinandergesetzt und dabei, zum großen Teil aus dem Internet, erschreckendes erfahren. Ich bin sehr beschämt und traurig darüber, was meine Großväter während der Zeit des Nationalsozialismus getan haben. Es ist mir wichtig diese Dinge ans Licht zu bringen, deshalb bin ich sehr dankbar, dass ich vor Ihnen mein Bekenntnis ablegen darf.

Meine Großväter waren beide überzeugte und einflussreiche Nationalsozialisten. Mein Großvater väterlicherseits, Prof. Hermann Alois Boehm, war Arzt und Professor für Rassenhygiene. Er gehörte zur obersten SA-Führung. Er lehrte das Fach Rassenpflege an den Universitäten Dresden, Rostock und Giessen. Ab 1932 übernahm er das Referat für Rassenhygiene in der Reichsleitung des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebundes. Von 1933 bis 1934 war er Leiter der Abteilung Rassenhygiene im Reichsausschuss Volksgesundheit und ab 1935 Reichsamtsleiter im Hauptamt Volksgesundheit. 1937 wurde er Schulungsleiter an der Führerschule der Deutschen Ärzteschaft in Alt-Rehse. Er war einer der Hauptverantwortlichen für die rassenhygienische Ausbildung der Ärzte während des Nationalsozialismus. Durch seine „wissenschaftlichen“ Veröffentlichungen war er beteiligt an der Verfassung der Nürnberger Gesetze und somit mitverantwortlich für den Massenmord an Juden und anderen Völkern und Gruppen. Außerdem schrieb er wesentliche Kommentare zum ›Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses‹. Er erklärte in Fachzeitschriften für Ärzte, wie das Gesetz umzusetzen und zu interpretieren sei. Darüber hinaus war er Erbgesundheitsrichter in Dresden und entschied damit über Zwangssterilisationen.

Der Vater meiner Mutter, Dr. Kurt Sennewald, war  Chemiker. Er entwickelte das Verfahren zur Treibstoffgewinnung aus Ölschiefer, das im Unternehmen Wüste umgesetzt wurde. Er war einer der technischen Leiter des Unternehmen Wüste in Schömberg, wo tausende von KZ-Häftlingen unter grausamsten Bedingungen arbeiten und sterben mussten.

Ich bin sehr, sehr traurig und beschämt über das große Leid, das meine Großväter Ihnen und Ihren Familien und Freunden und vielen, vielen anderen Menschen angetan haben. 

Ich bin überzeugt, dass Sie als Juden Gottes auserwähltes Volk sind, über das Gott sagt: Wer Euch antastet, der tastet meinen Augapfel an. Umso schwerer wiegt die Schuld, die meine Großväter verübt haben. Ich bin mir sicher, dass diese Taten und diese verheerende Einstellung gegenüber den Juden ganz und gar gegensätzlich sind zu dem, was Jesus gelebt hat und was er möchte. 

Ich bitte Sie als Überlebende des Holocausts und Ihre Nachkommen von Herzen um Vergebung für das unermesslich große Leid, das Ihnen durch meine Großväter angetan wurde.

Ich wünsche Ihnen herzlich, dass Sie erleben, was in Psalm 147, Vers 3 steht: 

„Jahwe heilt die, die zerbrochenen Herzens sind und verbindet ihre Wunden.“

In enger Verbundenheit,          

Susanne Pfeifer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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PORTRÄT DER WOCHE

Mit fünf Jahren verschleppt

Liesel Binzer überlebte Theresienstadt und berichtet an Schulen von ihrem Schicksal

16.04.2015 – von Rivka KibelRivka Kibel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

»Ich bin Gott dankbar für unser Überleben – ob es ihn nun gibt oder nicht«: Zeitzeugin Liesel Binzer (78)

© Rafael Herlich

Als sie uns nach Theresienstadt verschleppt haben, war ich fünf Jahre alt. Das war genau am 31. Juli 1942. Meine Eltern waren beide deutsche Juden. Mein Vater konnte seine Herkunft bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Er hatte zehn Geschwister. Acht von ihnen wurden im Holocaust ermordet. Samt Ehepartnern und Kindern.

Mein Vater hatte im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft und beide Beine verloren. Wegen seiner Prothesen war er ganz auf meine Mutter angewiesen. Ich bin in Münster geboren und aufgewachsen. 1938 wurden bei uns zu Hause die Scheiben eingeschlagen. Wir mussten in ein »Judenhaus« ziehen. Obwohl es Hochsommer war, hatte mir meine Mutter drei Mäntel und zwei Kleider angezogen. Sie ahnte wohl schon, dass man uns bei der Deportation die Koffer wegnehmen würde. Im Judenhaus wohnten wir in zwei winzigen Räumen im Keller.

TORTE Als wir dann nach Theresienstadt kamen, wurden wir sofort getrennt. Ich kam ins Kinderheim, wo ich mir gleich die Masern und Scharlach eingefangen habe. Seitdem bin ich schwerhörig. Auf der Krankenstation habe ich meinen sechsten Geburtstag verbracht. Ich erinnere mich, dass mir tschechische Kinder eine Torte gebacken haben, auf der eine Kerze brannte. Das war ein Licht in der Dunkelheit.

Abgesehen davon fehlen mir fast alle Erinnerungen an Theresienstadt. Wie ich es überlebt habe, weiß ich nicht. Aber ich weiß noch, dass ich aus dem Fenster der Krankenstation meinen Vater gesehen habe. Er hat mir gewunken – das war mir ein Trost. Ich erinnere mich auch daran, dass wir in Dreifach-Stockbetten geschlafen haben. Und dass ich in Theresienstadt rechnen und schreiben gelernt habe. Immer alles unter Gefahr. »Schnell die Bücher weg, die Nazis kommen«, hieß es oft.

ENTTÄUSCHUNG Die jüdischen Betreuer haben versucht, dem Tag eine Struktur zu geben und uns zu beschäftigen – auch, damit wir möglichst ruhig sind. Und für Goebbels’ Propagandafilm über Theresienstadt sollte ich – ich war ja so schön blond – ein Eis löffeln. Ich erinnere mich an die Enttäuschung, als ich sah, dass der Becher leer war. Was wir überhaupt zu essen bekommen haben, weiß ich nicht mehr.

Ich lernte viele Kinder kennen. Plötzlich waren fast alle von ihnen weg – und wir wussten nicht, warum. Es hieß immer: »Die fahren irgendwohin, wo es ihnen besser geht.« Heute weiß ich natürlich, was mit ihnen geschehen ist. Nur Elfi Zahler – vielleicht wird sie auch Elfie geschrieben – aus Wien suche ich noch immer. Ich weiß, dass sie überlebt hat, denn ich habe sie nach der Befreiung noch gesehen.

Meine Mutter hatte zwei Schwestern. Eine hat in Holland überlebt, die andere ist von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht worden. Meine Mutter wusste, dass sie im Lager etwas tun muss für die Nazis. Dass sie arbeiten muss, um zu überleben. Und sie hat gearbeitet, beispielsweise Glimmer gespalten. Davon hatte sie immer zerrissene Fingerkuppen. Aber als irgendwann mein Name auf der Liste für die Deportation stand, hat sie es dank ihrer Stellung geschafft, dass ich runtergenommen wurde. 

ÜBERLEBEN Sie hat überlebt, wie auch mein Vater. Bei ihm ist es wirklich ein Wunder. Denn jemand wie er, ohne Beine, ist normalerweise gleich ins Gas geschickt worden. Dafür bin ich Gott dankbar – ob es ihn nun gibt oder nicht.

Als das Kinderheim von Theresienstadt aufgelöst wurde, bin ich zu meiner Mutter gekommen. Da gab es diese fürchterliche Graupensuppe. Meine Mutter hat in der Küche gearbeitet und ab und zu Kartoffelschalen gebracht. Bei der Befreiung war ich allein in einem Raum – plötzlich hörte ich laute Schreie und Panzer. Russische Soldaten haben uns Schokolade gebracht. So etwas kannte ich nicht. Als ich zum ersten Mal die abgemagerten Menschen sah, die auf der Krankenstation gelegen hatten, bekam ich einen riesigen Schreck. Sie hatten Flecktyphus.

 

Wir sind noch etwa zwei Monate in Theresienstadt geblieben, betreut vom Roten Kreuz. Es hat uns nichts ausgemacht, dort zu bleiben. Wir fühlten uns befreit und wussten auch gar nicht, wohin wir gehen sollten. Im Juli 1945 sind wir dann nach Freckenhorst – das heißt heute Warendorf – in das Elternhaus meiner Mutter gezogen. Da wohnten Nazis drin, aber meine Mutter ist zum Bürgermeister gegangen, und er hat die Leute rausgeschmissen. 

Später haben sie dann meine Mutter auf die Herausgabe ihrer Möbel verklagt. Jahre später wollte der ehemalige Schützenkönig, dass meine Mutter – seine ehemalige Königin – zum Schützenjubiläum mit ihm posierte. Dabei war er es, der meine Stiefgroßmutter denunziert und damit in den Tod getrieben hatte. Meine Mutter hat ihn hochkant rausgeschmissen!

BERUF Ich bin eingeschult worden und gleich in die zweite Klasse gekommen. Danach bin ich aufs Gymnasium, 1957 habe ich Abitur gemacht. Ich wollte Jura studieren, aber ich dachte, es wird mit meiner Schwerhörigkeit kompliziert im Gerichtssaal. Und ich wollte auch Geld verdienen, meine Eltern hatten ja fast nichts. Deshalb bin ich dann Betriebsprüferin geworden. Das war schwierig in den Betrieben, wenn ich ihnen als Jüdin Geld abnehmen musste. Aber ich habe mich durchgesetzt.

Mein Mann ist bereits vor zehn Jahren gestorben. Er war lange vor unserer Begegnung zum Judentum übergetreten und hätte gern religiöser gelebt als ich. Kennengelernt haben wir uns, weil meine Mutter auf seine Kontaktanzeige in der Jüdischen Allgemeinen geantwortet hat. Ich habe das nur per Zufall herausgefunden und mich zu einem Treffen überreden lassen. Es hat schnell gefunkt zwischen uns, in der Synagoge von Münster haben wir geheiratet.

Ich habe zwei Töchter und einen Sohn zur Welt gebracht. In den 60ern sind wir nach Offenbach gezogen, weil mein Mann im Import und Export tätig und die Nähe zum Flughafen Frankfurt wichtig war. Wir sind viel gereist – nach Japan, Kalifornien und Südafrika. Am besten hat es mir in der Karibik gefallen. Grenada ist meine Lieblingsinsel, dort sind wir öfter gewesen.

Heute ist es mir zu ruhig in meinem Haus, mir fehlt der Trubel. Ich war 45 Jahre verheiratet, und die Kinder haben immer Kinder mitgebracht. Zumindest bin ich im Vorstand des Vereins Child Survivors – wir suchen dringend Mitglieder –, das ist auch eine Art Ersatzfamilie. Wir treffen uns regelmäßig in Bad Sobernheim, und zum Schluss kommen immer drei Psychologen. Das hilft. Man muss nur erzählen, was man will. Beim letzten Treffen hatten wir einen Neuen dabei, einen Berliner. Der hat gesagt: »Das war sehr gut. Noch nie hat mich jemand so verstanden.«

ERINNERUNG Der Jom Haschoa ist mir nicht wichtig. Ich denke jeden Tag an die Zeit im KZ – und berichte von meinem Schicksal an Schulen. In Frankenthal etwa habe ich vor 200 Schülern gesprochen, alle waren sehr aufmerksam. Die Schüler sind immer sehr herzlich, viele fragen, ob sie mich umarmen dürfen. Sie sind alle offen und zugewandt, ob farbig, weiß, mit oder ohne Kopftuch. Ich habe das Gefühl, damit etwas Gutes zu tun. Danach muss ich jedoch immer erst einmal runterkommen und ein Glas Wein trinken. Aber Albträume habe ich nicht.

Ich bin einfach glücklich darüber, dass die Nazis und Hitler nicht gewonnen haben und ich dazu beigetragen habe, dass das jüdische Leben in Deutschland weitergeht. Mein Überleben ist ein Sieg über die Nazis.

 

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«Du musst ganz still sein«
Holocaust-Zeitzeugin Aviva Goldschmidt zu Gast am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium

»Gießen (alb). Aviva Goldschmidt besitzt
keine Fotos oder Habseligkeiten ihrer Familie
aus der Zeit vor 1945. Alles ging verloren
oder musste zurückgelassen werden. »Das
war damals nicht wichtig. Nur das Überleben
stand im Vordergrund.« Aviva Goldschmidt
ist Holocaust-Überlebende. Als sogenannte
Child Survivor gehört sie zu den
vergleichsweise jungen Zeitzeugen dieses
dunklen Abschnitts deutscher Geschichte.
Aus Anlass des 70. Jahrestages der Befreiung
des Vernichtungslagers Auschwitz – der 27.
Januar ist nationaler wie internationaler Gedenktag
– war sie am Dienstag im Landgraf-
Ludwigs-Gymnasium zu Gast und berichtete
Schülern und Lehrern von den prägenden
Erlebnissen ihrer Kindheit. Dass nicht alle
Sitzplätze hatten, zeigt, wie wach das Interesse
an diesem Thema auch bei Jugendlichen
ist. Organisiert wurde dieVeranstaltung
vom Politischen Bildungsforum Hessen der
Konrad-Adenauer-Stiftung.


Im Wäschekorb versteckt
Aviva Goldschmidt wurde 1938 im heute
ukrainischen Boryslaw in eine große traditionelle,
jüdisch-orthodoxe Familie geboren.
Sie war kaum ein Jahr alt, als deutsche Soldaten
in die Stadt einmarschierten. Im November
1941 entstand in Boryslaw ein jüdisches
Ghetto. Spätestens von diesem Zeitpunkt
an waren Drangsalierungen, Massenerschießungen
und Deportationen in das 120
Kilometer entfernte Vernichtungslager Belzec
grausamer Alltag.

 

Die erste Welle dieser
Gewalt der Nationalsozialisten überlebte sie
nur, weil ihre Mutter sie geistesgegenwärtig
in einem Wäschekorb versteckte.
In den darauffolgenden Jahren wechselten
sich Ghettoaufenthalte und zeitweilige Verstecke
ab – sei es bei einer Freundin in einer
Nische hinter dem Schrank, im Keller eines
Ukrainers oder in unterirdischen Höhlen, die
Partisanen imWald angelegt hatten.
Ihre Mutter bläute ihr dabei vor allem eines
immer wieder ein: »Du darfst nicht weinen,
du darfst nicht lachen, du darfst nicht
sprechen. Du musst ganz still sein.« Aviva
Goldschmidt wurde ein »ruhiges Kind«, wie
sie es selbst nennt.
Letztlich versteckten sich Mutter und
Tochter in der Tracht ukrainischer Bäuerinnen
auf einem Feld, bis ihnen ein Soldat der
Roten Armee die entscheidenden Worte sagte:
»Ihr seid jetzt frei!«
Von ehemals 13000 Juden in Boryslaw
überlebten nur 400. Aviva Goldschmidt verlor
ihren Vater, vier Geschwister sowie zwölf
Onkel und Tanten samt deren Familien. Einzig
sie, ihre zuvor geflohene älteste Schwester
und die Mutter lebten noch.
Nach dem Krieg zogen die Goldschmidts
nach Polen und wanderten 1950 nach Israel
aus. Dort legte Aviva ihr Abitur ab und heiratete
1957 ihren deutschstämmigen Ehemann.
Mit ihm zusammen zog sie im gleichen
Jahr nach Berlin.
Ihrer Mutter fiel es schwer, die Tochter in
das »Land der Täter« ziehen zu lassen.

Aviva
Goldschmidt war in der Folge als Sozialarbeiterin
tätig. Sie hat zwei Töchter und mittlerweile
sechs Enkel.
Über die Geschehnisse in ihrer Kindheit
hat sie lange Zeit nicht gesprochen. Einerseits
wollte sie ihre Töchter unbefangen aufwachsen
lassen; andererseits glaubte sie,
kein Recht zum Klagen zu haben, da ihre Erlebnisse
vermutlich weniger gravierend seien
als jene der Inhaftierten in Konzentrationslagern.
Im Rahmen der Videodokumentationen
von Steven Spielbergs Shoah Foundation
brach sie erstmals ihr Schweigen und
fasste danach den Mut, sich als Zeitzeugin
an junge Zuhörer zu wenden.
Jeder trägt Verantwortung
»Ich bin ein versöhnlicher Mensch«, sagt
Aviva Goldschmidt über sich. Hass empfinde
sie im Rückblick nicht – wohl aber Trauer,
die es ihr unmöglich mache, zu verzeihen.
Wütend ist sie vor allem hinsichtlich der
Rechtfertigungen der Täter und der mangelhaften,
schleppenden Aufarbeitung der NSVerbrechen
in der Nachkriegszeit.
In den vergangenen Jahrzehnten jedoch
betreibe Deutschland eben diese Aufarbeitung
geradezu vorbildlich und gehe mit seiner
Vergangenheit sehr verantwortungsvoll
um. Sie hofft, so sagt sie auch in Gießen, dass
die Gesellschaft den jüngst aufkeimenden
neuen Antisemitismus genau verfolge, der
»allen Sorge« bereite. Denn letztlich gelte:
»Verantwortung kann man nicht abgeben.
Die hat man immer selbst.«

 

27. Januar 2015 | Internationaler Holocaust-Gedenktag – 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz. Sprecher: Herr Horst Selbiger (CSD Ehrenpräsident)

 


Gedenkveranstaltungen 2015


Gedenkveranstaltung
des Landtags Mecklenburg-Vorpommern

27.01.2015, 18 Uhr, Schlosskirche Schwerin

Auf Einladung der Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider findet am 27. Januar 2015 ab 18 Uhr die Gedenkveranstaltung des Landtages Mecklenburg-Vorpommern in der Schweriner Schlosskirche statt. Als Gastredner wird Horst Selbiger, Zeitzeuge und Ehrenvorsitzender von „Child Survivors Deutschland e.V. – Überlebende Kinder der Shoah“, erwartet. Die künstlerische Umrahmung gestalten Preisträgerinnen und Preisträger des Internationalen Festivals „Verfemte Musik“. Das Festival wird als Kooperationsprojekt des Landesverbandes Jeunesse Musicales MV und des Zentrums für Verfemte Musik an der Hochschule für Musik und Theater Rostock unter der Leitung von Volker Ahmels alle zwei Jahre veranstaltet.

 

Der Verein "Child Survivors Deutschland".

Am 13. April 2001 gründeten wir den Verein Child Survivors Deutschland e.V. – Überlebende Kinder der Shoah -, ein Verein von Betroffenen für Betroffene. Hier haben sich Menschen zusammengeschlossen, die als Kinder in der NS-Zeit wegen ihres Judentums beziehungsweise ihrer jüdischen Wurzeln verfolgt wurden.

Unsere Vereinsziele sind:

  • Den Kontakt der Mitglieder untereinander sowie ihren regen geistigen Austausch
  • Die Hilfe zur Selbsthilfe und gegenseitige Unterstützung
  • Regelmäßige Treffen mit therapeutischer Begleitung
  • Pflege jüdischer Kultur und jüdischen Lebens
  • Reisen zu Orten, an denen wir litten oder Angehörige und Freunde verloren haben
  • Solidarität mit anderen Opfern, die den Nazi-Terror als Kinder überlebt haben
  • Den Kontakt zu den Child Survivors und ihren weltweiten Vereinigungen
  • Die Zeitzeugenschaft unserer Mitglieder für die politische Bildung
  • Erstellung eines Archivs, das Dokumente unserer Vergangenheit erfasst und Zeugnis von unserem Leben und Wirken ablegt
  • Verbesserung des Verständnisses zwischen Christen und Juden, zwischen Deutschland und Israel