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Zisch Zeitzeuge berichtet von Nazi-Regime


Von Varel nach Berlin und zurück. Drei Tage Studienfahrt mit vielfältigem Programm standen vor uns. Unter anderem haben wir die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen besucht sowie an einer Führung mit Gespräch am Denkmal für die ermordeten europäischen Juden teilgenommen. Höhepunkt dieser Fahrt war aber das Gespräch mit einem Zeitzeugen der Judenverfolgung.

Worte, die schocken


„Für die anderen Schüler war ich die Judensau, die beleidigt, angespuckt und getreten werden konnte.“ Wir, die Klassen 10H der 
Pestalozzischule und die Klassenstufe 8/9 der Heinz-Neukäter-Schule, sitzen im Jüdischen Gemeindehaus an der Fasanenstraße in Berlin und sind geschockt und gleichzeitig tief beeindruckt, denn vor uns erzählt Horst Selbiger, ein 91-jähriger Zeitzeuge der Judenverfolgung, seine Lebensgeschichte, die 1928 begann und auch heute noch lange nicht zu Ende ist. „Ich trainiere auf die 120“, sagt er in einem lockeren Gesprächston, nachdem wir nach seinem Alter gefragt haben und ganz überrascht sind, dass er schon so alt ist.


„Keiner hielt damals zu mir“, berichtet er und führt weiter aus, dass er die Schule wechseln musste. Er kam auf eine jüdische Schule und fühlt sich dort wesentlich besser. Die Judenschule wurde aber 1942 geschlossen, dies bedeutete für ihn Zwangsarbeit. Er musste in einer Fabrik mit giftigen Substanzen Flugzeugteile entfetten.


Horst Selbiger stammt aus einer sehr großen, weit verzweigten jüdischen Familie, die schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Westpreußen nach Berlin übergesiedelt war. Als Kind wurde Horst Selbiger jüdisch erzogen, obwohl seine Mutter keine Jüdin war.


1933 kamen die Nationalsozialisten an die Macht und veränderten innerhalb von kurzer Zeit die Demokratie in eine Schreckensherrschaft, in der Horst Selbiger sehr leiden musste. Nach seiner Einschulung 1934, nur ein Jahr nach der Machtergreifung durch die Nazis, verschärften sich für den damals Sechsjährigen die Erfahrungen mit einer zunehmend antisemitisch geprägten Umwelt.


Sinnlose Verbote


Er berichtet uns von den ganzen Gesetzen, die nicht nur sein Leben eingeschränkt und verändert haben. Sein jüdischer Vater durfte nicht mehr als Zahnarzt arbeiten, er konnte nicht mehr ins Schwimmbad und in die 
Bibliothek gehen und auch das Fahrradfahren wurde ihm verboten. Hunderte Gesetze und Verordnungen schränkten sein junges Leben ein. Mit 10 Jahren erlebte er im November 1938 die schrecklichen Übergriffe der Nazis gegenüber jüdischen Geschäften, Menschen und Synagogen. Das Jüdische Gemeindehaus steht heute genau dort, wo die große jüdische Synagoge stand.


1943 bekam Horst Selbiger den Befehl zum Abtransport ins Vernichtungslager Auschwitz, aber seine nichtjüdische, katholische Mutter demonstrierte mit anderen Frauen lautstark gegen diese Anordnungen. Nach dem berühmt gewordenen Aufstand in der Rosenstraße, bei dem hunderte Ehefrauen gegen die Verhaftung ihrer jüdischen Männer protestiert hatten, wurde er in eine Sammelstelle transportiert und traf seinen ebenfalls verhafteten Vater wieder. So blieb er mit ihm und anderen Juden bis zum Kriegsende in Berlin und wurde weiter zur Zwangsarbeit gezwungen.


Die ganze Zeit war es für ihn ein Kampf auf Leben und Tod. Vielleicht war der Entschluss, das Boxen im Alter von acht Jahren zu erlernen, eine gute Entscheidung, denn auch nach dem 2. Weltkrieg war für ihn seine Leidenszeit und sein Kampf gegen die Ungerechtigkeit nicht zu Ende.


Familienmitglieder tot


Bis heute hat sich niemand persönlich bei ihm für die unmenschliche und grausame Zeit entschuldigt. 61 Mitglieder seiner großen Familie seien ermordet worden. Trotzdem zeigt er uns in diesem Gespräch seinen Mut und seine Kraft und betont zum Schluss, dass die Freiheit sehr wichtig für unser Leben ist. Dafür sollen wir kämpfen, jede Stunde und jeden Tag. Wir konnten in seinen Worten die Angst vor der Zukunft hören. Seine ganze Lebensgeschichte hat er in seinem Buch „Verfemt-Verfolgt-Verraten“ aufgeschrieben.


Nach fast zwei Stunden bedanken wir uns bei ihm und wünschen ihm alles Gute. Wir verlassen das jüdische Gotteshaus mit vielen Erfahrungen und Gefühlen, die noch lange nachwirken. Horst Selbiger steigt in sein Auto und fährt nach Hause. Wir schauen ihm hinterher und finden, dass ein Zeitzeugengespräch mit so einem starken und interessanten Menschen etwas ganz Besonderes ist.

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https://www.wn.de/Muenster/Stadtteile/Kinderhaus/3665528-Geschwister-Scholl-Tag-Eindringliches-Zeitzeugnis

Geschwister-Scholl-Tag

Eindringliches Zeitzeugnis

Münster-Kinderhaus – Die Geschwister-Scholl-Realschule und das Geschwister-Scholl-Gymnasium veranstalten jedes Jahr am 22. Februar einen Scholl-Tag mit einem unfangreichen Programm. Er ist den Namensgebern der Schulen gewidmet und erinnert an die große Zivilcourage, mit der Sophie und Hans Scholl für ihre Überzeugung eintraten und dafür am 22. Februar 1943 hingerichtet wurden.

Von Katrin Jünemann

Freitag, 22.02.2019, 20:00 Uhr

Liesel Binzer überlebte mit ihren Eltern das Getto Theresienstadt. Sie war als Zeitzeugin am Geschwister-Scholl-Tag Gast im Kinderhauser Schulzentrum.
Liesel Binzer überlebte mit ihren Eltern das Getto Theresienstadt. Sie war als Zeitzeugin am Geschwister-Scholl-Tag Gast im Kinderhauser Schulzentrum. Foto: kaj

Als Zeitzeugin war am Freitagvormittag Liesel Binzer (82), eine Überlebende des Gettos Theresienstadt, zu Gast. Was bedeutet es für sie, vor jungen Menschen zu sprechen? „Es ist mir ein Bedürfnis. Ich möchte etwas von der Zeit erzählen. Sonst wird es vergessen“, sagte Liesel Binzer. Im Musikraum warteten Schüler der Jahrgangsstufen neun und zehn auf sie.

Matthias M. Ester vom Geschichtskontor Münster führte das Zeitzeugengespräch mit Liesel Binzer, geborene Michel. Die Schüler sahen Familienbilder – und erfuhren im selben Atemzug von Deportation und Ermordung im KZ. Von den elf Kindern des Großvaters Michel Michel überlebten nur drei das Nazi-Regime. „Alle anderen wurden ermordet, zum Teil mit ihren Partnern und Kindern“, berichtete Liesel Binzer.

Ihre Familie lebte vor der Deportation mit 90 anderen Menschen im sogenannten „Judenhaus“ am Kanonengraben. Am 31. Juli 1942 wurde sie mit ihren Eltern vom Güterbahnhof Münster nach Theresienstadt deportiert. „Meine Mutter hatte mir, obwohl es heiß war, mehrere Kleidungsstücke übereinander angezogen“, erinnert sie sich. „Das war klug von ihr. Denn der einzige Koffer, den wir mitnehmen durften, wurde uns abgenommen. So hatte ich wenigstens Kleidung.“ Zwei Tage waren sie unterwegs. „Nach der Ankunft wurden wir alle getrennt.“ Sie kam allein in das Kinderheim. „Mit fünfdreiviertel Jahren war das ein enormer Shock für mich“, sagt sie.

Liesel Michel gehörte damals zu rund 15 000 Kindern, die in Theresienstadt interniert waren und von denen laut Matthias M. Ester nur 150 überlebten. Familie Michel wurde am 8. Mai 1945 von der Roten Armee befreit. Sie zog nach Freckenhorst, dem Heimatort der Mutter. In Warendorf machte Liesel Michel Abitur, wurde Finanzbeamtin und heiratete 1960 Hans David Binzer. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Liesel Binzer hat ihre Erinnerungen in dem 2017 erschienenen Buch „Ich prägte mein Leben – wegen – trotz Theresienstadt“ festgehalten.

Am Scholl-Tag gibt es traditionell, seit 2007, Veranstaltungen für die Schüler. Das Gymnasium bot zum Beispiel eine Auseinandersetzung mit dem Leitbild der Schule an sowie mit Jugendbüchern zum Nationalsozialismus und einen Workshop, in dem es darum ging, wie man Alltagsrassismus in Kleidung und Musik erkennen kann und diesem argumentativ begegnet. Zudem gab es historische, künstlerische und medienpädagogische Annäherungen an Lebens- und Erfahrungswelten im Nationalsozialismus. Theaterstücke boten eine Auseinandersetzung mit Alltagsrassismus und Diskriminierung in der Gesellschaft heute und in der Geschichte, so das Programm.

Auch für die Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule wurde ein auf die jeweilige Klassenstufe abgestimmtes Programm zusammengestellt, „das die Geschichte und den Mut der Geschwister Scholl erleben lässt und Ansporn ist, eigenes Verhalten kritisch zu reflektieren“, so Konrektor Tobias Regenbrecht. Der siebte Jahrgang fuhr zum Beispiel nach Winterswijk, dem Geburtsort der Autorin Johanna Reiss (geb. de Leuuw), die in ihren autobiografischen Büchern „Und im Fenster der Himmel“ und „Wie wird es morgen sein?“ als Jüdin ihre Erlebnisse zur Zeit des nationalsozialistischen Besetzung und der Nachkriegszeit in Winterswijk und einem Dorf nahe Enschede (Usselo) beschreibt. Das Buch „Und im Fenster der Himmel“ sei vorher in den Klassen gelesen worden, um den Tag vorzubereiten, so Regenbrecht.

Wie die Schülervertretung des Gymnasiums bereits angekündigt hatte, verteilten Schüler im Anschluss an den Scholl-Tag – vor Beginn der Demonstrationen gegen den Neujahrsempfang der AfD – vor Münsters Rathaus 600 Flugblätter. Sie waren versehen mit Zitaten der Geschwister Scholl. Die Schüler trugen damit die Vorbilder ihrer Schule in die Öffentlichkeit. Am Freitagabend wurde im Gymnasium der Willi-Graf-Preis verliehen. (Bericht folgt).

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Kindheitsjahre im KZ

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https://www.op-online.de/region/roedermark/liesel-binzer-gibt-erinnerungen-ober-roden-weiter-sechs-jahren-verschleppt-11487330.html

Liesel Binzer gibt Erinnerungen weiter

Mit sechs Jahren ins KZ verschleppt

Überlebt im KZ Theresienstadt: Liesel Binzer schilderte gestern im Zeitzeugengespräch von Nell-Breuning-Schule und Stadt drei Jahre Leidensgeschichte. Foto: Löw

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Überlebt im KZ Theresienstadt: Liesel Binzer schilderte gestern im Zeitzeugengespräch von Nell-Breuning-Schule und Stadt drei Jahre Leidensgeschichte

© Löw

Ober-Roden – Liesel Binzer wurde im Alter von sechs Jahren ins KZ Theresienstadt verschleppt. Sie überlebte den Nazi-Terror und gibt ihre Erinnerungen an nachfolgende Generationen weiter. Gestern tat sie es in der Nell-Breuning-Schule. Von Michael Löw

Stadt und Nell-Breuning-Schule gedachten mit einem Zeitzeugengespräch den sechs Millionen Opfern des Holocaust. Liesel Binzer hat ihn im Konzentrationslager Theresienstadt überlebt. „War es ein Wunder oder Gottes Fügung?“, fragt sich die 82-jährige Jüdin immer noch. Mehr als 150 Zuhörer – meist Schüler – folgten ihren Erzählungen mucksmäuschenstill. Bilder bürgerlicher Wohnzimmer-Idylle ergänzten ihren Vortrag und machten beklommen: Kaum einer der Fotografierten hatte so viel Glück wie Liesel Binzer.

1936 als Liesel Michel in Münster/Westfalen geboren, kann sie ihren Stammbaum als deutsche Jüdin bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Ihr Vater kämpfte im Ersten Weltkrieg für das Kaiserreich und verlor seine Beine. Lange waren die Michels ganz normale Nachbarn, doch bei der Reichpogromnacht 1938 flogen Steine aus dem braunen Mob in ihre Fenster.

„Wir waren schon vor Theresienstadt verfolgt und ausgegrenzt“, erzählte sie im Nell-Breuning-Saal. Gemeinsam mit 90 Glaubensbrüdern und -schwestern wurden die Michels im Münsterer „Judenhaus“ zusammengepfercht. Am 31. Juli 1942 wurde die sechsjährige Liesel zusammen mit ihren Eltern in einen Viehwaggon gesteckt. Ziel des Transports: das KZ Theresienstadt.

Das Kind trug im Hochsommer zwei Pullover und drei Mäntel übereinander und protestierte. „Das ist, damit du was zum Anziehen hast“, beschied die Mutter das kleine Mädchen. Sie ahnte, wohin die Reise geht und dass der einzige Koffer, den die Familie mitnehmen durfte, ihr wohl bald abgenommen werden würde. Sie sollte Recht behalten. Die Kleider am Leib und der Rollstuhl des versehrten Vaters waren die einzigen Besitztümer, die den Michels blieben.

Im KZ trennten die Wachmannschaften Liesel von ihren Eltern, sie kam ins Kinderheim. Ihre Mutter machte sich durch „kriegswichtige Arbeiten“ unentbehrlich und sicherte damit wahrscheinlich das Überleben ihrer Familie. Denn Behinderte waren meist die Ersten, die Hitlers Schergen umbringen ließen. Jeder Ermordete war aus ihrer Sicht ein unnützer Esser weniger.

Die jüdischen Betreuer im Heim versuchten einen Anschein von normalem Leben aufrecht zu erhalten und brachten ihren Schützlingen Lesen, Rechnen und Schreiben bei. Das war bei Strafe verboten. Immer wenn in der behelfsmäßigen Schule das Trampeln der Nazi-Stiefel zu hören war, mussten Liesel und die anderen Kinder die Hefte verstecken und so tun, als würden sie nichts tun.

Propagandaminister Joseph Goebbels ließ in Theresienstadt einen Film drehen, der der Welt zeigen sollte: Den internierten Juden geht es gut in Deutschland. Liesel Michel musste als Statistin herhalten: Sie saß vor einem Café, auf dem Tisch stand ein Eisbecher. Der war wie der ganze Film Lug und Trug: „Drinnen war nur heiße Luft!“

Je länger der Krieg dauerte, desto leerer wurde das Kinderheim. Liesel Michel hatte Glück und kam zu ihrer hart arbeitenden Mutter. Die meisten Leidensgenossen wurden nach Auschwitz verschleppt und getötet. „1,5 Millionen Kinder wurden einzig aus dem Grund, dass sie Juden waren, ermordet“, fasste die alte Frau das Grauen gestern in Zahlen. Erst als russische Soldaten am 8. Mai 1945 von ihren Panzern herunter Schokolade verteilten, wussten Liesel Michel und ihre Eltern, dass alle Not nun ein Ende hat.

Der Jüdische Friedhof in Berlin

Gräber zwischen viel Grün - der Jüdische Friedhof in Weißensee ist selbst ein Waldstück mitten in der Stadt. Foto: Andreas HeimannLange Wege - der Jüdische Friedhof in Weißensee ist mit mehr als 42 Hektar der größte Europas, der noch genutzt wird. Foto: Andreas HeimannViele kleine Steine oben auf der Grabstele von Stefan Heym - der 2001 verstorbene Schriftsteller und Alterspräsident des Deutschen Bundestags ist ebenfalls in Weißensee beigesetzt. Foto: Andreas HeimannDie Trauerhalle am Eingang des Jüdischen Friedhofs in Weißensee - in dem Rondell davor sind die Namen etlicher Konzentrations- und Vernichtungslager zu lesen, in denen Juden aus ganz Europa ermordet wurden. Foto: Soeren Stache

Gleich nach der Befreiung bekam die Neunjährige einen Behelfsausweis. Damit war sie „offiziell am Leben“ und hatte Anspruch auf die kargen Lebensmittelrationen der Nachkriegsjahre. Die Familie kehrte ins Münsterland zurück und wurde in ein Haus einquartiert, aus dem der Bürgermeister „alte Nazis herauskomplimentierte“. Die lebten weitgehend unbehelligt ihr früheres Leben. Scham oder Reue hat Liesel Michel nicht gespürt – im Gegenteil: Die früheren Bewohner verklagten die jüdische Familie auf Herausgabe ihrer Möbel.

Das Verhältnis zu diesen Deutschen und den Überlebenden des Holocaust beschäftigte die Schüler in der anschließenden Fragerunde ebenso wie ganz banale Dinge. Sie wollten zum Beispiel wissen, wie groß die Essensportionen im Kinderheim des KZ Theresienstadt waren.

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https://www.brk-kurier.de/25435-holocaust-%C3%BCberlebende-horst-selbiger-zu-gast

Holocaust Überlebende Horst Selbiger zu Gast

 Kategorie: Bruchköbeler Kurier
 

Foto © privat

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„Noch sind wir in der Mehrheit und müssen den Mund aufmachen!“ (Horst Selbiger)

(Bruchköbel/pm) – Der Holocaust Überlebende Horst Selbiger (91) las Schülerinnen und Schülern der Heinrich-Böll-Schule Bruchköbel aus seinem Buch: „Verfemt – verfolgt – verraten. Abriss meines Lebens“ vor und gewährte damit einen vertiefenden und authentischen Einblick in seine Kindheit und Jugend während des NS- Regimes.31.01.2019, Bruchköbel. Am 74ten Jahrestag der Befreiung Auschwitz besuchte der Berliner Horst Selbiger die Heinrich-Böll-Schule in Bruchköbel, las aus seinem Buch und beantwortete Fragen von Schülerinnen und Schülern des zehnten Jahrgangs.

Gegen Ende der Weimarer Republik erlebte Horst Selbiger, der aus einer großen jüdischen Familie stammt, eine „harmonische Vorschulzeit“ in Berlin, ehe die Machtübernahme Adolf Hitlers sein Leben in kürzester Zeit veränderte. Der Journalist und Ehrenvorsitzende des Vereins „Child Survivors Deutschland – Überlebende Kinder der Shoah“ berichtete den Zehntklässlern von der beginnenden Ausgrenzung durch Mitschüler und Lehrer, den einschneidenden Erlebnissen der Pogromnacht am 9.11.1938 sowie dem erzwungenen Umzug der Familie in ein „Judenhaus“. Bewegend schilderte er seine tief empfundene Liebe zu dem Mädchen Esther, welches im März 1943 ein Opfer des Holocaust wurde. 1943 wurde Horst Selbiger im Rahmen der „Fabrikation“ in ein Sammellager verschleppt und im Zuge der später als „Protest in der Rosenstraße“ bekannt gewordenen Demonstrationen kurz darauf entlassen. Bis zum Einmarsch der Roten Armee im April 1945 musste er Zwangsarbeit bei der Trümmerbeseitigung leisten.

Im Anschluss an seine Lesung beantwortete der Zeitzeuge geduldig die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler und spendete der Schulbücherei zwei Exemplare seines Buches. Mit seinem Besuch zeigte Herr Selbiger einmal mehr, wie wichtig es ist sich mit dem nationalsozialistischen Deutschland auseinanderzusetzen. 

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Diese folgende Rezension soll besonders Lehrer ansprechen:

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Rezension
Karin Weimann: Sisyphos’ Erbe. Von der Möglichkeit schulischen Gedenkens.
Lichtig-Verlag, 2013

Das Buch “Sisyphos’ Erbe. Von der Möglichkeit schulischen Gedenkens“ von Karin
Weimann ist der mit heißem Herzen und klarem Verstand verfaßte Bericht über die
langjährige schulische Gestaltung des Gedenktages 27. Januar, Tag der Befreiung des
Vernichtungslagers Auschwitz, an der Ruth-Cohn-Schule in Berlin-Charlottenburg.
Die eindrucksvollen Programme belegen die Vielfalt der Angebote für die
Arbeitsgemeinschaften am Tag des Gedenkens. Die Lesungen am Vortag des Gedenktages,
die unter einem bestimmten Motto stehende Gestaltung des Foyers der Schule und die
organisatorischen Vor- und Nachbereitungen dieses für die Schule bedeutsamen Tages
werden umfassend dokumentiert. Dieser Teil des Buches unter der Überschrift „Das
Bewahren“ dient der ehrenden Erinnerung an die inzwischen Verstorbenen, dem Dank der
Jahr und Jahr der Einladung folgenden Gäste und dem Engagement dieses Kollegiums.
Die Gestaltung dieses Tages folgt, so stellt die Autorin fest, bislang einer verbreiteten
„Opferidentifikation“ (vgl. Vorwort. S. 15). Das ist an einem solchen Tag einerseits
angemessen, andererseits erkennt die Autorin, daß die Auseinandersetzung mit den schuldig
Gewordenen (in der Schuld-Definition von Jean Améry, S. 20) in der schulischen
Gedenkarbeit bislang nur unzureichend stattfindet. Das ist der schwerere Teil der
Erinnerungs- und Gedenkarbeit. Eine solche Auseinandersetzung konfrontiert die
Nachkommen mit ihren Familien, denen sie sich in aller Regel durch anhaltende „Loyalität“
verbunden und verpflichtet fühlen.
Die Verfasserin versäumt nicht, die wissenschaftliche und journalistische Kritik an den
eingeübten Formen des deutschen Gedenkens zu erwähnen: Vom Nutzen und Sinn des
Bewahrens, seinen „Entlastungsfunktionen“ bei gleichzeitigem Fehlen einer persönlichen
Auseinandersetzung mit den „Unsrigen“.
Im zweiten Teil des Buches folgen in essayistischer Form kritische Ausführungen zur Sprache
als „Instrument der Verschleierung“; Betrachtungen über die pädagogische Desavouierung
der Moral als „Keule“ schließen sich an. Von besonderem Interesse ist für Rezensentin das
Kapitel „Komplementarität“, in dem die Autorin die unüberbrückbaren, existentiellen
Gegensätze zwischen den Verfolgten, Deportierten, Überlebenden und die Bezogenheit von
„TäterInnen und Opfer“ aufeinander thematisiert.
Im Wissen um die Interdependenz zwischen der Gesellschaft und ihren Subsystemen (hier
Schule) werden unter dem Motto „Drinnen ist wie Draußen“ in den Kapiteln „Mit-Gift“ und
„Blinde Flecke“ die Auswirkungen kultureller und politischer Ideologien auf Schule
dargestellt und problematisiert, die sich als (Ver)Weigerungen mantra-gleich hören lassen.
Die an die Nachkommen weitergegebene Mit-Gift, die diese auf scheinbar entschärfte Weise
reproduzieren, führt die Verfasserin an unsystematisch ausgewählten Beispielen deutscher
Mentalitätsbestände vor: Vom „Vater“ der deutschen Soziologie Leopold von Wiese, über
Martin Heidegger, Hans-Georg Gadamer, C.G. Jung zu Martin Walser und Karl Heinz
Bohrer. Scharfzüngig und mit spürbarem Vergnügen an polemischer Zuspitzung.
Widerstände und Konflikte, die die Verfasserin in ihrer eigenen und einigen anderen Schule
erlebt hat, werden dargestellt, problematisiert, Antworten gesucht.
In einem „Plädoyer“ wirbt sie mit drängender Intensität und auf der Grundlage ihres
Menschenbildes für die Fortsetzung des schulischen Gedenkens. Es ist nicht vorbei. Nicht für
die Überlebenden und ihre Nachkommen. Nicht für uns, die Nachkommen einer schuldig
gewordenen Gesellschaft, auf die das barbarische Erbe gekommen ist.

2

Der Anspruch und das Versprechen „Ihr sollt die Wahrheit erben“ (Anita Lasker-Wallfisch)
beschließen mit den Worten von Jean Améry diesen zweiten Teil des Buches: „Recht und
Vorrecht des Menschen ist es, daß er sich nicht einverstanden erklärt mit jedem natürlichen
Geschehen, also auch nicht mit dem biologischen Zuwachsen der Zeit… Sittliche
Widerstandskraft enthält den Protest, die Revolte gegen das Wirkliche, das nur vernünftig ist,
solange es moralisch ist. Der sittliche Mensch fordert Aufhebung der Zeit“ (S. 321).
Neben einem umfangreichen Literaturverzeichnis sind dem Buch dankenswerterweise
biographische Kurzinformationen über die in den Fußnoten Zitierten beigegeben, die für alle
jene hilfreich sind, die mit der Vielzahl der Namen nicht vertraut sind. Auf den ersten Blick
verwundert die unterschiedliche Ausführlichkeit dieser biographischen Angaben; auf den
zweiten Blick wird im Zusammenhang mit der Vorbemerkung das Motiv der Verfasserin
deutlich: Es geht um kurze Hintergrundsinformationen all jener, die sich vor und nach dem
zweiten Weltkrieg in Deutschland politisch artikuliert, geforscht und veröffentlicht haben.
In keinem Kapitel, auf keiner Seite des Buches ist die Verfasserin um „Ausgewogenheit“,
geschweige um den Versuch des Verstehens des Tuns und Unterlassens der einstigen
Volksgenossinnen/Volksgenossen bemüht. Die Frage: „Wie hätte ich mich verhalten?“ führt
zu keinem nachdenklichen Innehalten, keinem Selbstzweifel. Für sie ist diese Frage
spekulativ-irrelevant; sie dient dem Versuch der Ent-Schuldung der VorfahrInnen. Wichtig ist
für sie die Einsicht: Auch das eigene Versagen, das vermutete, hilft im moralischen Diskurs
nicht weiter. Etliche Menschen werden diese Art der Auseinandersetzung mit Müttern und
Vätern, Großmüttern und Großväter, Tanten und Onkeln, Nachbarinnen/Nachbarn, der
eigenen wissenschaftlichen Disziplin/Berufszugehörigkeit als bornierte Attacke einer
Angehörigen der Nachkriegsgeneration erleben, der die „Gnade der späten Geburt“
unverdient zuteil wurde und sich anmaßt, in unbedrohter Zeit Abrechung zu halten.
Das Buch zeigt aber auch: Hier denkt, fühlt, schreibt eine, die nicht allein Erfahrungen zum
Thema „Erinnern und Gedenken“ in Schulen gewonnen hat, sondern die durch ihre privaten
Bindungen an Überlebende und deren Nachkommen verstanden hat. Eine von Zorn,
Verzweiflung und Trauer Erfaßte, deren existentieller Held Sisyphos ist – ein zu absurdem
Tun Verurteilter, der Steinewälzer, der sein grausames Geschick in eine sinnvolle
Lebensaufgabe verwandelt.
Ich habe dieses Buch mit großem Interesse gelesen. Viele der aufgeworfenen Fragen und
offensiven Antworten beschäftigen auch mich seit vielen Jahren. Die Provokationen, die von
ihm ausgehen, sind von vielen Menschen nicht leicht nachzuvollziehen, hinzunehmen,
geschweige denn zu akzeptieren. Eine Debatte sollte sich anschließen!
Für die mit der dargestellten Gedenkarbeit in der o.g genannten Schule und deren
umfängliche Dokumentation Nichtvertrauten ist das Buch auch eine zeitliche Lese-
Herausforderung, wenngleich das Motiv der Autorin „Das Bewahren“ ehrenwert ist. Bei einer
möglichen Neuauflage sollte die Verfasserin dies bedenken.
Ich wünsche dem Buch Verbreitung, weil es in herausfordernder Art den Finger in eine noch
immer blutende Wunde legt.
Dr. Martina Emme, Berlin
Vorstand OnebyOne, International

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In Berlin Jour fixe mit Horst Selbiger

jungewelt.de/artikel/343547.in-berlin-jour-fixe-mit-horst-selbiger.html

Aus: Ausgabe vom 14.11.2018, Seite 15 / Antifa

Horst Selbiger: Verfemt. Verfolgt. Verraten. Abriss meines Lebens, Spurbuchverlag, 200 Seiten, 17,80 Euro

Berlin. Die Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN–BdA) lädt am kommenden Montag im Rahmen ihres monatlichen Jour fixe zum Zeitzeugengespräch und einer Buchlesung mit dem Holocaust-Überlebenden Horst Selbiger ein. Die Veranstaltung beginnt am 19.11. um 18.30 Uhr im wiedereröffneten Café Sibylle (Karl-Marx-Allee 72) im Ortsteil Friedrichshain. Über sein Leben erzählte Selbiger vergangene Woche auch im jW-Gespräch (siehe Ausgabe vom 7. November). (jW)

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Artikel aus Junge Welt

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Artikel aus Neues Deutschland

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https://www.wn.de/Muenster/3539984-Ausstellungseroeffnung-mit-Holocaust-Ueberlebender-Schmerzhafte-Erinnerungen

Ausstellungseröffnung mit Holocaust-Überlebender

Schmerzhafte Erinnerungen

Münster –

Die Doppelausstellung „Leben nach dem Überleben“ und „Über-Leben“ zeigt zurzeit in der Bürgerhalle des Landeshauses, wie sich Menschen, die den Holocaust überlebten, heute mit ihren schrecklichen Erinnerungen im Alltag zurechtfinden. Zur Eröffnung am Montag kam zu den eindrücklichen Fotografien aber noch etwas Unschätzbares hinzu – eine Zeitzeugin.

Von Andreas Hasenkamp

Mittwoch, 07.11.2018, 19:00 Uhr

Peter Schilling (v.l.), Liesel Binzer und Matthias Ester in der Bürgerhalle.

Erinnern kann schmerzhaft sein, auch befriedigend und befreiend: Diesen Eindruck könnten Besucher der Eröffnung der Doppelausstellung „Leben nach dem Überleben“ und „Über-Leben“ mitgenommen haben.

MEHR ZUM THEMA

Eine Zeitzeugin sprach in der Bürgerhalle des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, sogar ein Teil der Sitze auf der Empore war besetzt. „Ich trug auch den sogenannten ‚Judenstern‘“, sagte Liesel Binzer, geboren 1936 in Münster. In der Reichspogromnacht zerbarsten auch bei ihren Eltern die Fensterscheiben.

Von 15.000 Kindern überlebten 150

Seit dem Jahr 2011 spricht Binzer im Dialog mit dem Historiker Matthias M. Ester öffentlich über ihr Leben, begleitet von Bildern: Sie als kleines Mädchen, der Keller am Kanonengraben mit seiner Nässe, in dem die aus der Wohnung vertriebene Familie bis zur Deportation ins Konzentrationslager Theresienstadt leben musste. 15 000 Kinder gab es dort. Binzer war, so Ester, eines von den etwa 150 Kindern, die das „Vorzeige-Ghetto“ überlebten.

Mit ihren Eltern zog sie nach Freckenhorst, kam spät noch in die Volksschule, wurde Finanzbeamtin. Ihre Klassenkameraden wussten etwas, fragten aber nicht. Das habe sie vermisst. Selbst habe sie mit den Eltern und ihren Kindern nicht darüber gesprochen. Spät fand sie zu ihrer Aufgabe, als Zeitzeugin öffentlich zu berichten. Ein Büchlein hat sie verfasst, geht in Schulklassen. „Ich bin erstaunt, was für kluge Fragen die Schüler stellen.“

Die Erinnerung ist wichtiger denn je

In der Info-Tafel zu den Porträtfotos von Ralf Emmerich findet sich ein Zitat von Lissy Frank-Domp: „Endlich kommt mal jemand und fragt, wie es gewesen ist!“ Am Dienstag stand Binzer erneut vor einer Schulklasse. Gern tue sie das, auch wenn „Spaß“ das falsche Wort dafür sei. Das Erinnern sei „heute wichtiger denn je“, sagte Bürgermeisterin Beate-Wendela Vilhjalmsson.

Ein Kern der Ausstellung (wir berichteten) sind Fotos von Helena Schätzle, zwei Generationen jünger als die der Shoah. Sie erzählt von der warmherzigen Aufnahme bei den Überlebenden in Israel, wie sie an jüdischen Festen teilnahm, den Menschen verbunden ist.

Niza Ganor, die kürzlich im Alter von 93 Jahren starb: „Sie hat den Dialog gesucht“. Nicht beantworten könne sie die Frage, wie Menschen, „die so viel Hass erfahren haben, soviel Liebe geben können“. Zum Schluss der Reden kommt eine junge Frau zu Schätzle, dankt.

Traumata reichen bis in die Gegenwart

Viele Überlebende tragen Traumata mit sich. 1987 entstand die Selbsthilfe-Organisation Amcha, als deren Deutschland-Vertreter Lukas Welz sprach. Die seelischen Schäden reichten bis in die Gegenwart, die von Amcha Betreuten seien zwischen 73 und über 100 Jahre alt. Welz dankte Peter Schilling vom Verein „Spuren finden“, die Ausstellung nach Münster geholt zu haben.

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Gespräch mit unserem Ehrenpräsidenten zum Novemberpogrom vor 80 Jahren

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Artikel unseres Ehrenpräsidenten, Horst Selbiger in “Unser Blatt” Seite 3

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Die Geschichte der Holocaust-Überlebenden Liesel Binzer

COSMO Video | 25.09.2018 | 07:31 Min. | Verfügbar bis 25.09.2019 | COSMO

“Wenn ich sehe, was heute wieder in Deutschland passiert, dann weiß ich, dass es wichtig ist über diese Zeit zu reden.” Mit sechs Jahren kam Liesel Binzer ins Konzentrationslager Theresienstadt. Sie hat überlebt und teilt ihre Geschichte mit uns. Denn so etwas darf nie wieder passieren!

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Unser stellvertretende Vorsitzende, Herr Prof. Dr. Gerhard Baader erhielt das Bundesverdienstkreuz!

Bundesverdienstkreuz für Prof. Dr. Gerhard Baader

Pressemitteilung vom 14.09.2018

Die Berliner Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Dilek Kolat überreicht heute Prof. Dr. Gerhard Baader das Bundesverdienstkreuz.

Geehrt wird Herr Prof. Dr. Baader für sein Engagement für die Aufarbeitung der Rolle der Medizin im Nationalsozialismus.

Professor Baader war entscheidend daran beteiligt, die Ende der 70er Jahre in der bundesdeutschen Gesellschaft noch sehr kontroverse Auseinandersetzung mit der Rolle der Medizin im Nationalsozialismus zum Thema des 1. Gesundheitstages zu machen und das Thema so in die akademische Lehre und Forschung hineingetragen. Daraus ist ein intensives und vor allem nachhaltiges akademisches wie außerakademisches Engagement erwachsen.

So ist der von Professor Baader 1982 mitbegründete „Arbeitskreis für die Erforschung der Geschichte der NS-Euthanasie und Zwangssterilisation“ bis heute ein Motor für die historische Auseinandersetzung mit dieser Seite der deutschen Vergangenheit. Er führt die vor allem in medizinischen Einrichtungen, außeruniversitären Krankenhäusern, Landeskliniken oder in der medizinischen Praxis tätigen Interessierten zusammen und vernetzt auf diese Weise seit Jahrzenten sehr effektiv lokale Initiativen, Geschichtsvereine und Arbeitsgruppen.

Die Herausbildung einer offenen, konstruktiven, aber auch kritischen Zivilgesellschaft ist das zentrale Ziel, das Professor Baaders Engagement antreibt. Zahlreiche Projekte zur Aufarbeitung der Medizin im Nationalsozialismus wurden von ihm mit angeschoben – zuletzt die Umwandlung der ehemaligen „Führerschule der Deutschen Ärzteschaft in Alt-Rehse“ in eine Erinnerungs-, Bildungs- und Begegnungsstätte.

Auch im Ruhestand unterrichtet Hr. Prof. Dr. Baader ehrenamtlich als Zeitzeuge und Wissenschaftler Studierende und betreut zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Er engagiert sich trotz seines hohen Alters in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und ist Gabbai der Synagoge Oranienburger Straße und Repräsentant von Masorti Deutschland e.V. bei Masorti Europa. Weiterhin ist er stellvertretender Vorsitzender von „Child Survivors Deutschland e. V. – Überlebende Kinder der Shoah“.

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Aus Facebook:

Horst Selbiger

14. September um 15:18 ·

Bericht von meiner Lesung in Würzburg: “Sehr geehrter Herr Selbiger,
da ich heute den ganzen Tag unterwegs war, komme ich erst jetzt dazu, Ihnen einige Bilder von gestern zu schicken.
Außerdem möchte ich mich nochmals recht herzlich für Ihren ergreifenden und sehr authentischen Vortrag bedanken.
Ich habe Sie bereits vor – ich glaube zwei Jahren – in den Räumlichkeiten von Herrn Hinkel kennenlernen dürfen und war bereits damals von Ihnen „fasziniert“.
Fasziniert ist jetzt vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Ihre Person und ihre Lebensgeschichte haben mich tief beeindruckt.
Will sagen, dass es mich tief beeindruckt, dass jemand wie Sie, der so viel Schreckliches durchleben musste, Angehörige, liebgewonnene Menschen und Freunde verloren hat, das Ganze „Gott sei Dank“ dann überlebt hat und in der neu gegründeten
Bundesrepublik aber wieder keine Gerechtigkeit erfahren hat, trotzdem nicht die Flinte ins Korn geworfen und den Lebensmut verloren hat, sondern aufgestanden ist und uns „Spätgeborenen“, die wir die ganzen Gräueltaten des Naziterrorsystems – gottlob – nur aus den Geschichtsbüchern kennen, von seinem Leben berichtet.
Nochmals vielen Dank dafür und machen Sie bitte noch recht lange weiter!
Mit besten Grüßen aus Unterfranken
Rudi Merkl

Bild könnte enthalten: Horst Selbiger, sitzt und Tisch

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Bild könnte enthalten: 4 Personen, einschließlich Horst Selbiger, Personen, die lachen, Personen, die stehen und Anzug

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