Familiengeschichte eines KZ-Überlebenden

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Dr. Thomas Gabelin spricht in Arzberg und Marktredwitz über das Schicksal seiner jüdischen Familie. Er wurde im Konzentrationslager geboren Thomas Gabelin zeigt ein Foto von ihm, seinem älteren Bruder Richard und seiner Mutter Lore – der Frau, die es schaffte, … Weiterlesen

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Aus der düsteren Geschichte lernen

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Bad Mergentheim Zeitzeugen-Vortrag Holocaust-Überlebender Pavel Hoffmann berichtet von Gräueltaten im Konzentrationslager Theresienstadt 10. August 2019 Wer nicht aus der Geschichte lernt, ist verdammt, sie zu wiederholen. Bad Mergentheim. Im Rahmen des Projekts „Schule ohne Rassismus“ nahm der verantwortliche Lehrer Jürgen … Weiterlesen

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Verdienstorden des Landes für Barbara Bosch und Pavel Hoffmann

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Auszeichnung Reutlingen Verdienstorden des Landes für Barbara Bosch und Pavel Hoffmann

Pavel Hoffmann habe als Kleinkind die Herr-
schaft der Nationalsozialisten in all ihrer Grausamkeit erlebt, sagte Kretschmann. Mit seiner Lebensgeschichte wende er sich seit vielen Jahren vor allem an junge Menschen, um seine Erlebnisse aus erster Hand zu vermitteln und seine Mitmenschen zu „Zeugen der Zeitzeugen“ zu machen. Weiterlesen

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Verdienstorden des Landes an 18 verdiente Persönlichkeiten

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg an
18 verdiente Persönlichkeiten verliehen. Demokratie brauche Menschen, die mitreden, mitmachen
und sich füreinander verantwortlich fühlen, erklärte Kretschmann. Weiterlesen

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Das Prager Kind hat überlebt

Zuerst hat er gezögert, die Auszeichnung anzunehmen. Wegen der in den vergangenen
Jahren immer restriktiver werdenden Politik der Bundesregierung gegenüber Israel. Dann hat er beschlossen, die Auszeichnung jenen zu widmen, die darum kämpfen, dass nie mehr Juden abgeschlachtet werden: der Israelischen Verteidigungsarmee. Pavel Hoffmann ist vor wenigen Wochen 80 Jahre alt geworden, am kommenden Samstag wird er im Mannheimer Schloss aus den Händen von Ministerpräsident Kretschmann den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg entgegen nehmen. Vorgeschlagen hatten ihn die „Zeugen der Zeitzeugen.“ Weiterlesen

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Kindheitsjahre im KZ

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Zisch Zeitzeuge berichtet von Nazi-Regime


mobil.nwzonline.de/zisch/varel-berlin-zisch-zeitzeuge-berichtet-von-nazi-regime_a_50,4,976983370.html
18.03.2019

Den Klassen 8/9 Der Heinz-Neukäter-Schule und 10. Klasse Pestalozzischule

Erlebten einen interessanten Austausch mit dem Zeitzeugen Horst Selbiger (in der Mitte): die Schüler der Klassen 10H der Pestalozzischule und die Klassenstufe 8/9 der Heinz-Neukäter-Schule mit ihren Lehrern Bild: Schüler  

Ausgrenzung, Diskriminierung und Todesangst – all das hat Horst Selbiger erlebt. Den Schülern gab er eine besondere Botschaft auf den Weg.


Von Varel nach Berlin und zurück. Drei Tage Studienfahrt mit vielfältigem Programm standen vor uns. Unter anderem haben wir die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen besucht sowie an einer Führung mit Gespräch am Denkmal für die ermordeten europäischen Juden teilgenommen. Höhepunkt dieser Fahrt war aber das Gespräch mit einem Zeitzeugen der Judenverfolgung.

Worte, die schocken


„Für die anderen Schüler war ich die Judensau, die beleidigt, angespuckt und getreten werden konnte.“ Wir, die Klassen 10H der Pestalozzischule und die Klassenstufe 8/9 der Heinz-Neukäter-Schule, sitzen im Jüdischen Gemeindehaus an der Fasanenstraße in Berlin und sind geschockt und gleichzeitig tief beeindruckt, denn vor uns erzählt Horst Selbiger, ein 91-jähriger Zeitzeuge der Judenverfolgung, seine Lebensgeschichte, die 1928 begann und auch heute noch lange nicht zu Ende ist. „Ich trainiere auf die 120“, sagt er in einem lockeren Gesprächston, nachdem wir nach seinem Alter gefragt haben und ganz überrascht sind, dass er schon so alt ist.


„Keiner hielt damals zu mir“, berichtet er und führt weiter aus, dass er die Schule wechseln musste. Er kam auf eine jüdische Schule und fühlt sich dort wesentlich besser. Die Judenschule wurde aber 1942 geschlossen, dies bedeutete für ihn Zwangsarbeit. Er musste in einer Fabrik mit giftigen Substanzen Flugzeugteile entfetten.


Horst Selbiger stammt aus einer sehr großen, weit verzweigten jüdischen Familie, die schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts von Westpreußen nach Berlin übergesiedelt war. Als Kind wurde Horst Selbiger jüdisch erzogen, obwohl seine Mutter keine Jüdin war.


1933 kamen die Nationalsozialisten an die Macht und veränderten innerhalb von kurzer Zeit die Demokratie in eine Schreckensherrschaft, in der Horst Selbiger sehr leiden musste. Nach seiner Einschulung 1934, nur ein Jahr nach der Machtergreifung durch die Nazis, verschärften sich für den damals Sechsjährigen die Erfahrungen mit einer zunehmend antisemitisch geprägten Umwelt.


Sinnlose Verbote


Er berichtet uns von den ganzen Gesetzen, die nicht nur sein Leben eingeschränkt und verändert haben. Sein jüdischer Vater durfte nicht mehr als Zahnarzt arbeiten, er konnte nicht mehr ins Schwimmbad und in die Bibliothek gehen und auch das Fahrradfahren wurde ihm verboten. Hunderte Gesetze und Verordnungen schränkten sein junges Leben ein. Mit 10 Jahren erlebte er im November 1938 die schrecklichen Übergriffe der Nazis gegenüber jüdischen Geschäften, Menschen und Synagogen. Das Jüdische Gemeindehaus steht heute genau dort, wo die große jüdische Synagoge stand.


1943 bekam Horst Selbiger den Befehl zum Abtransport ins Vernichtungslager Auschwitz, aber seine nichtjüdische, katholische Mutter demonstrierte mit anderen Frauen lautstark gegen diese Anordnungen. Nach dem berühmt gewordenen Aufstand in der Rosenstraße, bei dem hunderte Ehefrauen gegen die Verhaftung ihrer jüdischen Männer protestiert hatten, wurde er in eine Sammelstelle transportiert und traf seinen ebenfalls verhafteten Vater wieder. So blieb er mit ihm und anderen Juden bis zum Kriegsende in Berlin und wurde weiter zur Zwangsarbeit gezwungen.


Die ganze Zeit war es für ihn ein Kampf auf Leben und Tod. Vielleicht war der Entschluss, das Boxen im Alter von acht Jahren zu erlernen, eine gute Entscheidung, denn auch nach dem 2. Weltkrieg war für ihn seine Leidenszeit und sein Kampf gegen die Ungerechtigkeit nicht zu Ende.


Familienmitglieder tot


Bis heute hat sich niemand persönlich bei ihm für die unmenschliche und grausame Zeit entschuldigt. 61 Mitglieder seiner großen Familie seien ermordet worden. Trotzdem zeigt er uns in diesem Gespräch seinen Mut und seine Kraft und betont zum Schluss, dass die Freiheit sehr wichtig für unser Leben ist. Dafür sollen wir kämpfen, jede Stunde und jeden Tag. Wir konnten in seinen Worten die Angst vor der Zukunft hören. Seine ganze Lebensgeschichte hat er in seinem Buch „Verfemt-Verfolgt-Verraten“ aufgeschrieben.


Nach fast zwei Stunden bedanken wir uns bei ihm und wünschen ihm alles Gute. Wir verlassen das jüdische Gotteshaus mit vielen Erfahrungen und Gefühlen, die noch lange nachwirken. Horst Selbiger steigt in sein Auto und fährt nach Hause. Wir schauen ihm hinterher und finden, dass ein Zeitzeugengespräch mit so einem starken und interessanten Menschen etwas ganz Besonderes ist.



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Geschwister-Scholl-Tag

https://www.wn.de/Muenster/Stadtteile/Kinderhaus/3665528-Geschwister-Scholl-Tag-Eindringliches-Zeitzeugnis

Geschwister-Scholl-Tag

Eindringliches Zeitzeugnis

Münster-Kinderhaus – Die Geschwister-Scholl-Realschule und das Geschwister-Scholl-Gymnasium veranstalten jedes Jahr am 22. Februar einen Scholl-Tag mit einem unfangreichen Programm. Er ist den Namensgebern der Schulen gewidmet und erinnert an die große Zivilcourage, mit der Sophie und Hans Scholl für ihre Überzeugung eintraten und dafür am 22. Februar 1943 hingerichtet wurden.

Von Katrin Jünemann

Freitag, 22.02.2019, 20:00 Uhr

Liesel Binzer überlebte mit ihren Eltern das Getto Theresienstadt. Sie war als Zeitzeugin am Geschwister-Scholl-Tag Gast im Kinderhauser Schulzentrum.
Liesel Binzer überlebte mit ihren Eltern das Getto Theresienstadt. Sie war als Zeitzeugin am Geschwister-Scholl-Tag Gast im Kinderhauser Schulzentrum. Foto: kaj

Als Zeitzeugin war am Freitagvormittag Liesel Binzer (82), eine Überlebende des Gettos Theresienstadt, zu Gast. Was bedeutet es für sie, vor jungen Menschen zu sprechen? „Es ist mir ein Bedürfnis. Ich möchte etwas von der Zeit erzählen. Sonst wird es vergessen“, sagte Liesel Binzer. Im Musikraum warteten Schüler der Jahrgangsstufen neun und zehn auf sie.

Matthias M. Ester vom Geschichtskontor Münster führte das Zeitzeugengespräch mit Liesel Binzer, geborene Michel. Die Schüler sahen Familienbilder – und erfuhren im selben Atemzug von Deportation und Ermordung im KZ. Von den elf Kindern des Großvaters Michel Michel überlebten nur drei das Nazi-Regime. „Alle anderen wurden ermordet, zum Teil mit ihren Partnern und Kindern“, berichtete Liesel Binzer.

Ihre Familie lebte vor der Deportation mit 90 anderen Menschen im sogenannten „Judenhaus“ am Kanonengraben. Am 31. Juli 1942 wurde sie mit ihren Eltern vom Güterbahnhof Münster nach Theresienstadt deportiert. „Meine Mutter hatte mir, obwohl es heiß war, mehrere Kleidungsstücke übereinander angezogen“, erinnert sie sich. „Das war klug von ihr. Denn der einzige Koffer, den wir mitnehmen durften, wurde uns abgenommen. So hatte ich wenigstens Kleidung.“ Zwei Tage waren sie unterwegs. „Nach der Ankunft wurden wir alle getrennt.“ Sie kam allein in das Kinderheim. „Mit fünfdreiviertel Jahren war das ein enormer Shock für mich“, sagt sie.

Liesel Michel gehörte damals zu rund 15 000 Kindern, die in Theresienstadt interniert waren und von denen laut Matthias M. Ester nur 150 überlebten. Familie Michel wurde am 8. Mai 1945 von der Roten Armee befreit. Sie zog nach Freckenhorst, dem Heimatort der Mutter. In Warendorf machte Liesel Michel Abitur, wurde Finanzbeamtin und heiratete 1960 Hans David Binzer. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Liesel Binzer hat ihre Erinnerungen in dem 2017 erschienenen Buch „Ich prägte mein Leben – wegen – trotz Theresienstadt“ festgehalten.

Am Scholl-Tag gibt es traditionell, seit 2007, Veranstaltungen für die Schüler. Das Gymnasium bot zum Beispiel eine Auseinandersetzung mit dem Leitbild der Schule an sowie mit Jugendbüchern zum Nationalsozialismus und einen Workshop, in dem es darum ging, wie man Alltagsrassismus in Kleidung und Musik erkennen kann und diesem argumentativ begegnet. Zudem gab es historische, künstlerische und medienpädagogische Annäherungen an Lebens- und Erfahrungswelten im Nationalsozialismus. Theaterstücke boten eine Auseinandersetzung mit Alltagsrassismus und Diskriminierung in der Gesellschaft heute und in der Geschichte, so das Programm.

Auch für die Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule wurde ein auf die jeweilige Klassenstufe abgestimmtes Programm zusammengestellt, „das die Geschichte und den Mut der Geschwister Scholl erleben lässt und Ansporn ist, eigenes Verhalten kritisch zu reflektieren“, so Konrektor Tobias Regenbrecht. Der siebte Jahrgang fuhr zum Beispiel nach Winterswijk, dem Geburtsort der Autorin Johanna Reiss (geb. de Leuuw), die in ihren autobiografischen Büchern „Und im Fenster der Himmel“ und „Wie wird es morgen sein?“ als Jüdin ihre Erlebnisse zur Zeit des nationalsozialistischen Besetzung und der Nachkriegszeit in Winterswijk und einem Dorf nahe Enschede (Usselo) beschreibt. Das Buch „Und im Fenster der Himmel“ sei vorher in den Klassen gelesen worden, um den Tag vorzubereiten, so Regenbrecht.

Wie die Schülervertretung des Gymnasiums bereits angekündigt hatte, verteilten Schüler im Anschluss an den Scholl-Tag – vor Beginn der Demonstrationen gegen den Neujahrsempfang der AfD – vor Münsters Rathaus 600 Flugblätter. Sie waren versehen mit Zitaten der Geschwister Scholl. Die Schüler trugen damit die Vorbilder ihrer Schule in die Öffentlichkeit. Am Freitagabend wurde im Gymnasium der Willi-Graf-Preis verliehen. (Bericht folgt).

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Kindheitsjahre im KZ

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https://www.op-online.de/region/roedermark/liesel-binzer-gibt-erinnerungen-ober-roden-weiter-sechs-jahren-verschleppt-11487330.html

Liesel Binzer gibt Erinnerungen weiter

Mit sechs Jahren ins KZ verschleppt

26.01.19 03:01

Überlebt im KZ Theresienstadt: Liesel Binzer schilderte gestern im Zeitzeugengespräch von Nell-Breuning-Schule und Stadt drei Jahre Leidensgeschichte. Foto: Löw
Überlebt im KZ Theresienstadt: Liesel Binzer schilderte gestern im Zeitzeugengespräch von Nell-Breuning-Schule und Stadt drei Jahre Leidensgeschichte   © Löw

Ober-Roden – Liesel Binzer wurde im Alter von sechs Jahren ins KZ Theresienstadt verschleppt. Sie überlebte den Nazi-Terror und gibt ihre Erinnerungen an nachfolgende Generationen weiter. Gestern tat sie es in der Nell-Breuning-Schule. Von Michael Löw

Stadt und Nell-Breuning-Schule gedachten mit einem Zeitzeugengespräch den sechs Millionen Opfern des Holocaust. Liesel Binzer hat ihn im Konzentrationslager Theresienstadt überlebt. „War es ein Wunder oder Gottes Fügung?“, fragt sich die 82-jährige Jüdin immer noch. Mehr als 150 Zuhörer – meist Schüler – folgten ihren Erzählungen mucksmäuschenstill. Bilder bürgerlicher Wohnzimmer-Idylle ergänzten ihren Vortrag und machten beklommen: Kaum einer der Fotografierten hatte so viel Glück wie Liesel Binzer.

1936 als Liesel Michel in Münster/Westfalen geboren, kann sie ihren Stammbaum als deutsche Jüdin bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Ihr Vater kämpfte im Ersten Weltkrieg für das Kaiserreich und verlor seine Beine. Lange waren die Michels ganz normale Nachbarn, doch bei der Reichpogromnacht 1938 flogen Steine aus dem braunen Mob in ihre Fenster.

„Wir waren schon vor Theresienstadt verfolgt und ausgegrenzt“, erzählte sie im Nell-Breuning-Saal. Gemeinsam mit 90 Glaubensbrüdern und -schwestern wurden die Michels im Münsterer „Judenhaus“ zusammengepfercht. Am 31. Juli 1942 wurde die sechsjährige Liesel zusammen mit ihren Eltern in einen Viehwaggon gesteckt. Ziel des Transports: das KZ Theresienstadt.

Das Kind trug im Hochsommer zwei Pullover und drei Mäntel übereinander und protestierte. „Das ist, damit du was zum Anziehen hast“, beschied die Mutter das kleine Mädchen. Sie ahnte, wohin die Reise geht und dass der einzige Koffer, den die Familie mitnehmen durfte, ihr wohl bald abgenommen werden würde. Sie sollte Recht behalten. Die Kleider am Leib und der Rollstuhl des versehrten Vaters waren die einzigen Besitztümer, die den Michels blieben.

Im KZ trennten die Wachmannschaften Liesel von ihren Eltern, sie kam ins Kinderheim. Ihre Mutter machte sich durch „kriegswichtige Arbeiten“ unentbehrlich und sicherte damit wahrscheinlich das Überleben ihrer Familie. Denn Behinderte waren meist die Ersten, die Hitlers Schergen umbringen ließen. Jeder Ermordete war aus ihrer Sicht ein unnützer Esser weniger.

Die jüdischen Betreuer im Heim versuchten einen Anschein von normalem Leben aufrecht zu erhalten und brachten ihren Schützlingen Lesen, Rechnen und Schreiben bei. Das war bei Strafe verboten. Immer wenn in der behelfsmäßigen Schule das Trampeln der Nazi-Stiefel zu hören war, mussten Liesel und die anderen Kinder die Hefte verstecken und so tun, als würden sie nichts tun.

Propagandaminister Joseph Goebbels ließ in Theresienstadt einen Film drehen, der der Welt zeigen sollte: Den internierten Juden geht es gut in Deutschland. Liesel Michel musste als Statistin herhalten: Sie saß vor einem Café, auf dem Tisch stand ein Eisbecher. Der war wie der ganze Film Lug und Trug: „Drinnen war nur heiße Luft!“

Je länger der Krieg dauerte, desto leerer wurde das Kinderheim. Liesel Michel hatte Glück und kam zu ihrer hart arbeitenden Mutter. Die meisten Leidensgenossen wurden nach Auschwitz verschleppt und getötet. „1,5 Millionen Kinder wurden einzig aus dem Grund, dass sie Juden waren, ermordet“, fasste die alte Frau das Grauen gestern in Zahlen. Erst als russische Soldaten am 8. Mai 1945 von ihren Panzern herunter Schokolade verteilten, wussten Liesel Michel und ihre Eltern, dass alle Not nun ein Ende hat.

Der Jüdische Friedhof in Berlin

Gräber zwischen viel Grün - der Jüdische Friedhof in Weißensee ist selbst ein Waldstück mitten in der Stadt. Foto: Andreas Heimann
Lange Wege - der Jüdische Friedhof in Weißensee ist mit mehr als 42 Hektar der größte Europas, der noch genutzt wird. Foto: Andreas Heimann
Viele kleine Steine oben auf der Grabstele von Stefan Heym - der 2001 verstorbene Schriftsteller und Alterspräsident des Deutschen Bundestags ist ebenfalls in Weißensee beigesetzt. Foto: Andreas Heimann
Die Trauerhalle am Eingang des Jüdischen Friedhofs in Weißensee - in dem Rondell davor sind die Namen etlicher Konzentrations- und Vernichtungslager zu lesen, in denen Juden aus ganz Europa ermordet wurden. Foto: Soeren Stache

Gleich nach der Befreiung bekam die Neunjährige einen Behelfsausweis. Damit war sie „offiziell am Leben“ und hatte Anspruch auf die kargen Lebensmittelrationen der Nachkriegsjahre. Die Familie kehrte ins Münsterland zurück und wurde in ein Haus einquartiert, aus dem der Bürgermeister „alte Nazis herauskomplimentierte“. Die lebten weitgehend unbehelligt ihr früheres Leben. Scham oder Reue hat Liesel Michel nicht gespürt – im Gegenteil: Die früheren Bewohner verklagten die jüdische Familie auf Herausgabe ihrer Möbel.

Das Verhältnis zu diesen Deutschen und den Überlebenden des Holocaust beschäftigte die Schüler in der anschließenden Fragerunde ebenso wie ganz banale Dinge. Sie wollten zum Beispiel wissen, wie groß die Essensportionen im Kinderheim des KZ Theresienstadt waren.

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https://www.brk-kurier.de/25435-holocaust-%C3%BCberlebende-horst-selbiger-zu-gast

Holocaust Überlebende Horst Selbiger zu Gast

 Kategorie: Bruchköbeler Kurier  Veröffentlicht: 07. Februar 2019

Foto © privat

Foto © privat

„Noch sind wir in der Mehrheit und müssen den Mund aufmachen!“ (Horst Selbiger)

(Bruchköbel/pm) – Der Holocaust Überlebende Horst Selbiger (91) las Schülerinnen und Schülern der Heinrich-Böll-Schule Bruchköbel aus seinem Buch: „Verfemt – verfolgt – verraten. Abriss meines Lebens“ vor und gewährte damit einen vertiefenden und authentischen Einblick in seine Kindheit und Jugend während des NS- Regimes.31.01.2019, Bruchköbel. Am 74ten Jahrestag der Befreiung Auschwitz besuchte der Berliner Horst Selbiger die Heinrich-Böll-Schule in Bruchköbel, las aus seinem Buch und beantwortete Fragen von Schülerinnen und Schülern des zehnten Jahrgangs.

Gegen Ende der Weimarer Republik erlebte Horst Selbiger, der aus einer großen jüdischen Familie stammt, eine „harmonische Vorschulzeit“ in Berlin, ehe die Machtübernahme Adolf Hitlers sein Leben in kürzester Zeit veränderte. Der Journalist und Ehrenvorsitzende des Vereins „Child Survivors Deutschland – Überlebende Kinder der Shoah“ berichtete den Zehntklässlern von der beginnenden Ausgrenzung durch Mitschüler und Lehrer, den einschneidenden Erlebnissen der Pogromnacht am 9.11.1938 sowie dem erzwungenen Umzug der Familie in ein „Judenhaus“. Bewegend schilderte er seine tief empfundene Liebe zu dem Mädchen Esther, welches im März 1943 ein Opfer des Holocaust wurde. 1943 wurde Horst Selbiger im Rahmen der „Fabrikation“ in ein Sammellager verschleppt und im Zuge der später als „Protest in der Rosenstraße“ bekannt gewordenen Demonstrationen kurz darauf entlassen. Bis zum Einmarsch der Roten Armee im April 1945 musste er Zwangsarbeit bei der Trümmerbeseitigung leisten.

Im Anschluss an seine Lesung beantwortete der Zeitzeuge geduldig die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler und spendete der Schulbücherei zwei Exemplare seines Buches. Mit seinem Besuch zeigte Herr Selbiger einmal mehr, wie wichtig es ist sich mit dem nationalsozialistischen Deutschland auseinanderzusetzen.

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Diese folgende Rezension soll besonders Lehrer ansprechen:

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Rezension
Karin Weimann: Sisyphos’ Erbe. Von der Möglichkeit schulischen Gedenkens.
Lichtig-Verlag, 2013

Das Buch “Sisyphos’ Erbe. Von der Möglichkeit schulischen Gedenkens“ von Karin
Weimann ist der mit heißem Herzen und klarem Verstand verfaßte Bericht über die
langjährige schulische Gestaltung des Gedenktages 27. Januar, Tag der Befreiung des
Vernichtungslagers Auschwitz, an der Ruth-Cohn-Schule in Berlin-Charlottenburg.
Die eindrucksvollen Programme belegen die Vielfalt der Angebote für die
Arbeitsgemeinschaften am Tag des Gedenkens. Die Lesungen am Vortag des Gedenktages,
die unter einem bestimmten Motto stehende Gestaltung des Foyers der Schule und die
organisatorischen Vor- und Nachbereitungen dieses für die Schule bedeutsamen Tages
werden umfassend dokumentiert. Dieser Teil des Buches unter der Überschrift „Das
Bewahren“ dient der ehrenden Erinnerung an die inzwischen Verstorbenen, dem Dank der
Jahr und Jahr der Einladung folgenden Gäste und dem Engagement dieses Kollegiums.
Die Gestaltung dieses Tages folgt, so stellt die Autorin fest, bislang einer verbreiteten
„Opferidentifikation“ (vgl. Vorwort. S. 15). Das ist an einem solchen Tag einerseits
angemessen, andererseits erkennt die Autorin, daß die Auseinandersetzung mit den schuldig
Gewordenen (in der Schuld-Definition von Jean Améry, S. 20) in der schulischen
Gedenkarbeit bislang nur unzureichend stattfindet. Das ist der schwerere Teil der
Erinnerungs- und Gedenkarbeit. Eine solche Auseinandersetzung konfrontiert die
Nachkommen mit ihren Familien, denen sie sich in aller Regel durch anhaltende „Loyalität“
verbunden und verpflichtet fühlen.
Die Verfasserin versäumt nicht, die wissenschaftliche und journalistische Kritik an den
eingeübten Formen des deutschen Gedenkens zu erwähnen: Vom Nutzen und Sinn des
Bewahrens, seinen „Entlastungsfunktionen“ bei gleichzeitigem Fehlen einer persönlichen
Auseinandersetzung mit den „Unsrigen“.
Im zweiten Teil des Buches folgen in essayistischer Form kritische Ausführungen zur Sprache
als „Instrument der Verschleierung“; Betrachtungen über die pädagogische Desavouierung
der Moral als „Keule“ schließen sich an. Von besonderem Interesse ist für Rezensentin das
Kapitel „Komplementarität“, in dem die Autorin die unüberbrückbaren, existentiellen
Gegensätze zwischen den Verfolgten, Deportierten, Überlebenden und die Bezogenheit von
„TäterInnen und Opfer“ aufeinander thematisiert.
Im Wissen um die Interdependenz zwischen der Gesellschaft und ihren Subsystemen (hier
Schule) werden unter dem Motto „Drinnen ist wie Draußen“ in den Kapiteln „Mit-Gift“ und
„Blinde Flecke“ die Auswirkungen kultureller und politischer Ideologien auf Schule
dargestellt und problematisiert, die sich als (Ver)Weigerungen mantra-gleich hören lassen.
Die an die Nachkommen weitergegebene Mit-Gift, die diese auf scheinbar entschärfte Weise
reproduzieren, führt die Verfasserin an unsystematisch ausgewählten Beispielen deutscher
Mentalitätsbestände vor: Vom „Vater“ der deutschen Soziologie Leopold von Wiese, über
Martin Heidegger, Hans-Georg Gadamer, C.G. Jung zu Martin Walser und Karl Heinz
Bohrer. Scharfzüngig und mit spürbarem Vergnügen an polemischer Zuspitzung.
Widerstände und Konflikte, die die Verfasserin in ihrer eigenen und einigen anderen Schule
erlebt hat, werden dargestellt, problematisiert, Antworten gesucht.
In einem „Plädoyer“ wirbt sie mit drängender Intensität und auf der Grundlage ihres
Menschenbildes für die Fortsetzung des schulischen Gedenkens. Es ist nicht vorbei. Nicht für
die Überlebenden und ihre Nachkommen. Nicht für uns, die Nachkommen einer schuldig
gewordenen Gesellschaft, auf die das barbarische Erbe gekommen ist.

2

Der Anspruch und das Versprechen „Ihr sollt die Wahrheit erben“ (Anita Lasker-Wallfisch)
beschließen mit den Worten von Jean Améry diesen zweiten Teil des Buches: „Recht und
Vorrecht des Menschen ist es, daß er sich nicht einverstanden erklärt mit jedem natürlichen
Geschehen, also auch nicht mit dem biologischen Zuwachsen der Zeit… Sittliche
Widerstandskraft enthält den Protest, die Revolte gegen das Wirkliche, das nur vernünftig ist,
solange es moralisch ist. Der sittliche Mensch fordert Aufhebung der Zeit“ (S. 321).
Neben einem umfangreichen Literaturverzeichnis sind dem Buch dankenswerterweise
biographische Kurzinformationen über die in den Fußnoten Zitierten beigegeben, die für alle
jene hilfreich sind, die mit der Vielzahl der Namen nicht vertraut sind. Auf den ersten Blick
verwundert die unterschiedliche Ausführlichkeit dieser biographischen Angaben; auf den
zweiten Blick wird im Zusammenhang mit der Vorbemerkung das Motiv der Verfasserin
deutlich: Es geht um kurze Hintergrundsinformationen all jener, die sich vor und nach dem
zweiten Weltkrieg in Deutschland politisch artikuliert, geforscht und veröffentlicht haben.
In keinem Kapitel, auf keiner Seite des Buches ist die Verfasserin um „Ausgewogenheit“,
geschweige um den Versuch des Verstehens des Tuns und Unterlassens der einstigen
Volksgenossinnen/Volksgenossen bemüht. Die Frage: „Wie hätte ich mich verhalten?“ führt
zu keinem nachdenklichen Innehalten, keinem Selbstzweifel. Für sie ist diese Frage
spekulativ-irrelevant; sie dient dem Versuch der Ent-Schuldung der VorfahrInnen. Wichtig ist
für sie die Einsicht: Auch das eigene Versagen, das vermutete, hilft im moralischen Diskurs
nicht weiter. Etliche Menschen werden diese Art der Auseinandersetzung mit Müttern und
Vätern, Großmüttern und Großväter, Tanten und Onkeln, Nachbarinnen/Nachbarn, der
eigenen wissenschaftlichen Disziplin/Berufszugehörigkeit als bornierte Attacke einer
Angehörigen der Nachkriegsgeneration erleben, der die „Gnade der späten Geburt“
unverdient zuteil wurde und sich anmaßt, in unbedrohter Zeit Abrechung zu halten.
Das Buch zeigt aber auch: Hier denkt, fühlt, schreibt eine, die nicht allein Erfahrungen zum
Thema „Erinnern und Gedenken“ in Schulen gewonnen hat, sondern die durch ihre privaten
Bindungen an Überlebende und deren Nachkommen verstanden hat. Eine von Zorn,
Verzweiflung und Trauer Erfaßte, deren existentieller Held Sisyphos ist – ein zu absurdem
Tun Verurteilter, der Steinewälzer, der sein grausames Geschick in eine sinnvolle
Lebensaufgabe verwandelt.
Ich habe dieses Buch mit großem Interesse gelesen. Viele der aufgeworfenen Fragen und
offensiven Antworten beschäftigen auch mich seit vielen Jahren. Die Provokationen, die von
ihm ausgehen, sind von vielen Menschen nicht leicht nachzuvollziehen, hinzunehmen,
geschweige denn zu akzeptieren. Eine Debatte sollte sich anschließen!
Für die mit der dargestellten Gedenkarbeit in der o.g genannten Schule und deren
umfängliche Dokumentation Nichtvertrauten ist das Buch auch eine zeitliche Lese-
Herausforderung, wenngleich das Motiv der Autorin „Das Bewahren“ ehrenwert ist. Bei einer
möglichen Neuauflage sollte die Verfasserin dies bedenken.
Ich wünsche dem Buch Verbreitung, weil es in herausfordernder Art den Finger in eine noch
immer blutende Wunde legt.
Dr. Martina Emme, Berlin
Vorstand OnebyOne, International

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In Berlin Jour fixe mit Horst Selbiger

jungewelt.de/artikel/343547.in-berlin-jour-fixe-mit-horst-selbiger.html

Aus: Ausgabe vom 14.11.2018, Seite 15 / Antifa

Horst Selbiger: Verfemt. Verfolgt. Verraten. Abriss meines Lebens, Spurbuchverlag, 200 Seiten, 17,80 Euro

Berlin. Die Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN–BdA) lädt am kommenden Montag im Rahmen ihres monatlichen Jour fixe zum Zeitzeugengespräch und einer Buchlesung mit dem Holocaust-Überlebenden Horst Selbiger ein. Die Veranstaltung beginnt am 19.11. um 18.30 Uhr im wiedereröffneten Café Sibylle (Karl-Marx-Allee 72) im Ortsteil Friedrichshain. Über sein Leben erzählte Selbiger vergangene Woche auch im jW-Gespräch (siehe Ausgabe vom 7. November). (jW)

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Artikel aus Junge Welt

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Artikel aus Neues Deutschland

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https://www.wn.de/Muenster/3539984-Ausstellungseroeffnung-mit-Holocaust-Ueberlebender-Schmerzhafte-Erinnerungen

Ausstellungseröffnung mit Holocaust-Überlebender

Schmerzhafte Erinnerungen

Münster –

Die Doppelausstellung „Leben nach dem Überleben“ und „Über-Leben“ zeigt zurzeit in der Bürgerhalle des Landeshauses, wie sich Menschen, die den Holocaust überlebten, heute mit ihren schrecklichen Erinnerungen im Alltag zurechtfinden. Zur Eröffnung am Montag kam zu den eindrücklichen Fotografien aber noch etwas Unschätzbares hinzu – eine Zeitzeugin.

Von Andreas Hasenkamp

Mittwoch, 07.11.2018, 19:00 Uhr

Peter Schilling (v.l.), Liesel Binzer und Matthias Ester in der Bürgerhalle.

Erinnern kann schmerzhaft sein, auch befriedigend und befreiend: Diesen Eindruck könnten Besucher der Eröffnung der Doppelausstellung „Leben nach dem Überleben“ und „Über-Leben“ mitgenommen haben. MEHR ZUM THEMA

Eine Zeitzeugin sprach in der Bürgerhalle des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, sogar ein Teil der Sitze auf der Empore war besetzt. „Ich trug auch den sogenannten ‚Judenstern‘“, sagte Liesel Binzer, geboren 1936 in Münster. In der Reichspogromnacht zerbarsten auch bei ihren Eltern die Fensterscheiben.

Von 15.000 Kindern überlebten 150

Seit dem Jahr 2011 spricht Binzer im Dialog mit dem Historiker Matthias M. Ester öffentlich über ihr Leben, begleitet von Bildern: Sie als kleines Mädchen, der Keller am Kanonengraben mit seiner Nässe, in dem die aus der Wohnung vertriebene Familie bis zur Deportation ins Konzentrationslager Theresienstadt leben musste. 15 000 Kinder gab es dort. Binzer war, so Ester, eines von den etwa 150 Kindern, die das „Vorzeige-Ghetto“ überlebten.

Mit ihren Eltern zog sie nach Freckenhorst, kam spät noch in die Volksschule, wurde Finanzbeamtin. Ihre Klassenkameraden wussten etwas, fragten aber nicht. Das habe sie vermisst. Selbst habe sie mit den Eltern und ihren Kindern nicht darüber gesprochen. Spät fand sie zu ihrer Aufgabe, als Zeitzeugin öffentlich zu berichten. Ein Büchlein hat sie verfasst, geht in Schulklassen. „Ich bin erstaunt, was für kluge Fragen die Schüler stellen.“

Die Erinnerung ist wichtiger denn je

In der Info-Tafel zu den Porträtfotos von Ralf Emmerich findet sich ein Zitat von Lissy Frank-Domp: „Endlich kommt mal jemand und fragt, wie es gewesen ist!“ Am Dienstag stand Binzer erneut vor einer Schulklasse. Gern tue sie das, auch wenn „Spaß“ das falsche Wort dafür sei. Das Erinnern sei „heute wichtiger denn je“, sagte Bürgermeisterin Beate-Wendela Vilhjalmsson.

Ein Kern der Ausstellung (wir berichteten) sind Fotos von Helena Schätzle, zwei Generationen jünger als die der Shoah. Sie erzählt von der warmherzigen Aufnahme bei den Überlebenden in Israel, wie sie an jüdischen Festen teilnahm, den Menschen verbunden ist.

Niza Ganor, die kürzlich im Alter von 93 Jahren starb: „Sie hat den Dialog gesucht“. Nicht beantworten könne sie die Frage, wie Menschen, „die so viel Hass erfahren haben, soviel Liebe geben können“. Zum Schluss der Reden kommt eine junge Frau zu Schätzle, dankt.

Traumata reichen bis in die Gegenwart

Viele Überlebende tragen Traumata mit sich. 1987 entstand die Selbsthilfe-Organisation Amcha, als deren Deutschland-Vertreter Lukas Welz sprach. Die seelischen Schäden reichten bis in die Gegenwart, die von Amcha Betreuten seien zwischen 73 und über 100 Jahre alt. Welz dankte Peter Schilling vom Verein „Spuren finden“, die Ausstellung nach Münster geholt zu haben.

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Gespräch mit unserem Ehrenpräsidenten zum Novemberpogrom vor 80 Jahren

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Artikel unseres Ehrenpräsidenten, Horst Selbiger in “Unser Blatt” Seite 3

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Die Geschichte der Holocaust-Überlebenden Liesel Binzer

COSMO Video | 25.09.2018 | 07:31 Min. | Verfügbar bis 25.09.2019 | COSMO

“Wenn ich sehe, was heute wieder in Deutschland passiert, dann weiß ich, dass es wichtig ist über diese Zeit zu reden.” Mit sechs Jahren kam Liesel Binzer ins Konzentrationslager Theresienstadt. Sie hat überlebt und teilt ihre Geschichte mit uns. Denn so etwas darf nie wieder passieren!

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Unser stellvertretende Vorsitzende, Herr Prof. Dr. Gerhard Baader erhielt das Bundesverdienstkreuz!

Bundesverdienstkreuz für Prof. Dr. Gerhard Baader

Pressemitteilung vom 14.09.2018

Die Berliner Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Dilek Kolat überreicht heute Prof. Dr. Gerhard Baader das Bundesverdienstkreuz.

Geehrt wird Herr Prof. Dr. Baader für sein Engagement für die Aufarbeitung der Rolle der Medizin im Nationalsozialismus.

Professor Baader war entscheidend daran beteiligt, die Ende der 70er Jahre in der bundesdeutschen Gesellschaft noch sehr kontroverse Auseinandersetzung mit der Rolle der Medizin im Nationalsozialismus zum Thema des 1. Gesundheitstages zu machen und das Thema so in die akademische Lehre und Forschung hineingetragen. Daraus ist ein intensives und vor allem nachhaltiges akademisches wie außerakademisches Engagement erwachsen.

So ist der von Professor Baader 1982 mitbegründete „Arbeitskreis für die Erforschung der Geschichte der NS-Euthanasie und Zwangssterilisation“ bis heute ein Motor für die historische Auseinandersetzung mit dieser Seite der deutschen Vergangenheit. Er führt die vor allem in medizinischen Einrichtungen, außeruniversitären Krankenhäusern, Landeskliniken oder in der medizinischen Praxis tätigen Interessierten zusammen und vernetzt auf diese Weise seit Jahrzenten sehr effektiv lokale Initiativen, Geschichtsvereine und Arbeitsgruppen.

Die Herausbildung einer offenen, konstruktiven, aber auch kritischen Zivilgesellschaft ist das zentrale Ziel, das Professor Baaders Engagement antreibt. Zahlreiche Projekte zur Aufarbeitung der Medizin im Nationalsozialismus wurden von ihm mit angeschoben – zuletzt die Umwandlung der ehemaligen „Führerschule der Deutschen Ärzteschaft in Alt-Rehse“ in eine Erinnerungs-, Bildungs- und Begegnungsstätte.

Auch im Ruhestand unterrichtet Hr. Prof. Dr. Baader ehrenamtlich als Zeitzeuge und Wissenschaftler Studierende und betreut zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Er engagiert sich trotz seines hohen Alters in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und ist Gabbai der Synagoge Oranienburger Straße und Repräsentant von Masorti Deutschland e.V. bei Masorti Europa. Weiterhin ist er stellvertretender Vorsitzender von „Child Survivors Deutschland e. V. – Überlebende Kinder der Shoah“.

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Aus Facebook:

Horst Selbiger

14. September um 15:18 ·

Bericht von meiner Lesung in Würzburg: “Sehr geehrter Herr Selbiger,
da ich heute den ganzen Tag unterwegs war, komme ich erst jetzt dazu, Ihnen einige Bilder von gestern zu schicken.
Außerdem möchte ich mich nochmals recht herzlich für Ihren ergreifenden und sehr authentischen Vortrag bedanken.
Ich habe Sie bereits vor – ich glaube zwei Jahren – in den Räumlichkeiten von Herrn Hinkel kennenlernen dürfen und war bereits damals von Ihnen „fasziniert“.
Fasziniert ist jetzt vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Ihre Person und ihre Lebensgeschichte haben mich tief beeindruckt.
Will sagen, dass es mich tief beeindruckt, dass jemand wie Sie, der so viel Schreckliches durchleben musste, Angehörige, liebgewonnene Menschen und Freunde verloren hat, das Ganze „Gott sei Dank“ dann überlebt hat und in der neu gegründeten
Bundesrepublik aber wieder keine Gerechtigkeit erfahren hat, trotzdem nicht die Flinte ins Korn geworfen und den Lebensmut verloren hat, sondern aufgestanden ist und uns „Spätgeborenen“, die wir die ganzen Gräueltaten des Naziterrorsystems – gottlob – nur aus den Geschichtsbüchern kennen, von seinem Leben berichtet.
Nochmals vielen Dank dafür und machen Sie bitte noch recht lange weiter!
Mit besten Grüßen aus Unterfranken
Rudi Merkl

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Photos

Photos and small Videos from the August 2014 conference in Berlin.

Copyright according to own recordings of the members, unless mentioned otherwise.

See LINKs to further websites with pictures and a sequence from former meetings at the end of this page.

Andrew Hilkowitz and Horst Selbiger at memorial (© Uwe Steinert):

 

Bildergallerie: 2014 Berlin ConferenceBildergallerie: 2014 Berlin Conference

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Welcome from Speakers

Speaker Introduction
The positive, benevolent welcome speeches on August 24th, 7 pm – 7:30 were a highlight of the conference. Child Survivors from 18 countries came to Berlin with tensions, fears and hopes. All speakers contributed to an excellent start, to a unique feeling of the attendees of being accepted and understood.

Masters of Ceremony:
Max Arpels Lezer / European President of WFJCSH&D (Abbrev. “ML”)
Dr. Philipp Sonntag / German Section CSD Child Survivors Deutschland (Abbrev. “PhS)

  1. ML: Short Introduction
  2. ML for Stefanie Seltzer, President of WFJCSH&D
  3. PhS for Klaus Wowereit, Mayor of Berlin
  4. PhS for Dr. Josef Schuster, Vice President of ZdJ, Central Counsel of Jews
  5. ML for Israel Ambassador Hadas-Handelsmann
  6. ML for USA Ambassador Emerson
  7. PhS for Ambassador Dr. Felix Klein AA (Foreign Office)
  8. ML for Dr. Saathoff, EVZ (download speech)
  9. ML for Andrew Hilkowitz, German Section of Child Survivors (download speech)

Three Introductions by Phil Sonntag

Introduction for Speaker Nr. 2, Klaus Wowereit, Mayor of Berlin:
It is my honor to introduce the Mayor of Berlin, Klaus Wowereit.
It will be our priviledge, to receive an official answer to our uneasy feelings about visiting Berlin, the origin of our bitter fate.
Today, how far is Berlin away from the vicious Nazis? We hope to find a modern spirit.
I promise: with mayor Klaus Wowereit, you will feel the spirit!
(download speech)

Introduction for Speaker Nr. 3, Dr. Josef Schuster
I am happy to introduce Dr. Josef Schuster, Vice President of the “Central Counsel of Jews in Germany” (info addendum: since December 2014 President).
I am happy, because now there is a vivid Jewish life in Germany. Quite a wonder, as we remember the restraints about 60 years ago: “How can a Jew, especially a Survivor ever again live in Germany?”
Well meantime today, “yes he can!”, and I promise, you will see!
(download speech)

 

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Welcome Letter

Dear Friends, Brothers and Sisters, our Survivor Family,

All these many years (yes, a quarter century!) that we have been meeting for our annual conferences we never imagined that we would be going to Berlin in 2014 for our annual gathering. Yet it has become a reality.

It is a very significant event for us. I am sure our workshops participation, and our interactions will reflect the emotional impact of our having come to and being in Germany.

This conference, even more than our previous meetings, has required a lot more than the usual amount of planning, communicating and coordinating.  We hope that you will all experience the positive, enriching, stimulating environment that is the reality of Berlin in the year 2014 we are hoping for. Yes, we are the Child Survivors.  I think that being in Germany will have brought us Child Survivors to yet another aspect of dealing with the shadows of our past.

We want to thank our Vice President, Max Arpels Lezer, for his most active role in the planning for this conference. Max had to travel to Berlin a number of times to meet with Philipp Sonntag, our Berlin Child Survivor contact, and both of them met with governmental leaders, representatives of numerous organizations, and with the former American Ambassador to Germany, Philip Murphy and present Ambassador John B. Emerson, Max also negotiated a favourable contract for our attendees with the Berlin Hilton Hotel.
We also want to thank Roman Kent for initiating contact on our behalf with organizations and political figures in Germany.

Herzlich Willkommen! Hearty welcome and greetings to all!

Stefanie Seltzer, President
World Federation of Jewish Child Survivors of the Holocaust & Descendants

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Glück ist, dass ich überlebt habe

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Bad Teinach-Zavelstein Erinnerung darf nicht verloren gehen

Bad Teinach-Zavelstein Erinnerung darf nicht verloren gehen

schwarzwaelder-bote.de/inhalt.bad-teinach-zavelstein-erinnerung-darf-nicht-verloren-gehen.646a66cf-eced-4cb0-b3a9-5f6a6404b370.html

Von Peer Meinert 20.02.2018 – 18:24 Uhr

Eva Szepesie (links) und Liesel Binzer berichteten in Bad Teinach-Zavelstein als Zeitzeugen von der Judenverfolgung. Foto: Meinert Foto: Schwarzwälder Bote

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Advertorial

Eva Szepesie (links) und Liesel Binzer berichteten in Bad Teinach-Zavelstein als Zeitzeugen von der Judenverfolgung. Foto: Meinert Foto: Schwarzwälder Bote

 

Liesel Binzer ist 81 Jahre alt, sie spricht mit verhaltener Stimme – doch beim Thema Antisemitismus wird sie energisch: "In neuster Zeit nimmt der Antisemitismus in Deutschland wieder zu. Vor 20 Jahren traute sich niemand. Jetzt trauen sie sich wieder."

Bad Teinach-Zavelstein. Binzer ist Jüdin, während der Nazizeit litt sie im Konzentrationslager Theresienstadt. Als Kind – als die Nazis begannen, ihre Familie zu drangsalieren – hätte sie Deutschland am liebsten verlassen. Heute sagt sie: "Wenn es noch schlimmer wird, müssen wir eben wieder auswandern."

Die Frau, die aus der Gegend um Münster stammt und heute in Frankfurt lebt, spricht bei einer Veranstaltung des Projekts "Zeugen der Zeitzeugen" in Bad Teinach-Zavelstein. Diejenigen, die den Holocaust, den Vernichtungs-Wahn der Nazis überlebt haben, werden alt – und können bald nicht mehr reden. Dem bundesweiten Projekt geht es darum, die Erinnerungen zu wahren – die Jugend soll zuhören. "Die jungen Leute werden hierbei zu Zeugen der Zeitzeugen" – so das Ziel der Initiative.

Neben Binzer sitzt Eva Szepesie. Sie ist 85 Jahre alt, sie stammt aus Budapest. Sie hat Auschwitz überlebt. Jahrelang hat auch sie über ihr Martyrium geschwiegen, sie hat ihrem Ehemann nichts erzählt, sie hat ihren Kindern nichts erzählt – doch jetzt spricht sie in aller Offenheit. "Die Erinnerung darf nicht verloren gehen", sagt sie.

Das Grauen kam in Etappen, berichtet Binzer. Zuerst musste die Familie ihre Wohnung verlassen. "Wir kamen in ein Judenhaus", erzählt sie. "Ich konnte nicht einfach auf die Straße gehen und mit den Kindern spielen." Später dann das Vernichtungslager. "Immer wieder verschwanden dort plötzlich eine Menge Kinder", berichtet sie weiter. Lediglich 150 Kinder hätten in Theresienstadt überlebt. "Ich war eines dieser Kinder."

Dabei habe sich die Familie zuvor durchaus als Deutsche gefühlt. "Mein Vater hatte im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft und dabei beide Beine verloren." Zu Hause habe man Deutsch gesprochen. "Wir waren deutsche Juden seit mehreren Jahrhunderten."

Plötzlich bezeichnen Freunde sie als "Saujüdin"

Auch bei Eva Szepesie kam das Grauen in Etappen. Bis sie sechs Jahre alt war, sei die Welt in Ordnung gewesen. Dann hätten ihre Freunde plötzlich etwas Eigenartiges zu ihr gesagt: "Was glotzt Du so blöd, Saujüdin!" Da hatte sie gewusst, dass ihre Welt nicht mehr in Ordnung war. Später dann Auschwitz – sie erinnert sich noch heute an "die SS-Männer mit ihren Hunden und Lederpeitschen". Sie habe sich nackt ausziehen müssen. "Eine Frau näherte sich mit einer Schere, sie schnitt meine Zöpfe ab und warf die Haare auf einen großen Haufen." Dabei sei sie auf ihre schönen Zöpfe so stolz gewesen, sagt sie.

Doch nach dem Ende des Grauens, nach Krieg und Holocaust, habe sie einen großen Fehler gemacht, berichtet Szepesie. Sie habe geschwiegen, selbst vor ihrem Ehemann, selbst vor ihren Kindern. "Meine Tochter wusste nicht, dass sie Jüdin ist." Sie habe das Kind in einen katholischen Kindergarten geschickt. "Heute weiß ich, dass es falsch ist zu schweigen."

Daher reise sie heute im ganzen Land herum, um von dem Grauen, das ihr und Millionen anderer angetan wurde, zu berichten: "Es darf nicht in Vergessenheit geraten."

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Er hatte schon die Auschwitz-Marke So entging Horst Selbiger dem Todeslager

n-tv.de/politik/So-entging-Horst-Selbiger-dem-Todeslager-article19615262.html

Politik

Horst Selbiger musste wie alle Juden bald den Namen "Israel" tragen.

Horst Selbiger musste wie alle Juden bald den Namen "Israel" tragen.

Freitag, 27. Januar 2017

Von Sonja Gurris

Als Junge erlebt Horst Selbiger die Hetze gegen Juden am eigenen Leib. Nur mit viel Glück entgeht er knapp der Deportation ins Todeslager Auschwitz. Eine Geschichte voller Hoffnung in einer schwarzen Zeit.

Sie nennen ihn "Judensau". Er wird beschimpft, erniedrigt, geschlagen. Keiner hält mehr zu ihm. Horst Selbiger ist in seiner Klasse der einzige Jude. Seine Mutter ist Christin, sein Vater jüdisch. In den Augen der Nationalsozialisten führen seine Eltern eine Mischehe.

"Im einst roten Berlin wehten nur noch Hakenkreuzfahnen, und die Menschen gingen dem auf den Leim. Und so kam es, dass auch schon die Sechsjährigen angesteckt waren von diesem Faschismus, dass ich bei meiner Einschulung darunter zu leiden hatte", erzählt der heute 89-jährige Berliner. Mit acht Jahren geht er zum jüdischen Sportverein Makkabi und lernt Boxen, um sich auch gegen die handgreiflichen Mitschüler verteidigen zu können. "Da gab es dann auch mal was zurück auf die Nase."

Seit 20 Jahren engagiert sich Horst Selbiger, heute 89, als Zeitzeuge und spricht mit Abiturienten über sein Leben. Allein 2016 hat er 20 Schulen besucht. Außerdem ist er Ehrenvorsitzender des Vereins "Child Survivors Deutschland - Überlebende Kinder in der Shoah".

Seit 20 Jahren engagiert sich Horst Selbiger, heute 89, als Zeitzeuge und spricht mit Abiturienten über sein Leben. Allein 2016 hat er 20 Schulen besucht. Außerdem ist er Ehrenvorsitzender des Vereins "Child Survivors Deutschland – Überlebende Kinder in der Shoah".(Foto: Sonja Gurris)

Horst Selbigers Vater hat eine Zahnarztpraxis und bekommt Berufsverbot. Doch weil er im Ersten Weltkrieg Frontkämpfer war, darf er später weiterarbeiten. Die Verleumdungen gegen die jüdische Familie hören aber nicht auf. Horst Selbiger wechselt bald die Schule – und ist dann nur noch unter Juden.

Plötzlich wird die Klasse leerer

Die Verfolgung wird für den jugendlichen Horst immer offensichtlicher: "Im Oktober 1938 fehlten plötzlich eine ganze Menge Kinder. Es waren vor allem diejenigen, deren Eltern ursprünglich mal aus Polen kamen." Sie wurden ausgewiesen, mussten Deutschland verlassen – aber Polen nahm sie nicht auf. Auch Selbiger war klar, was ihm bevorstand: "Wir wussten das, die Kinder waren damals klüger als die Erwachsenen." Der erste Transport von Juden aus Berlin in ein Vernichtungslager geht im Oktober 1941. "Aus Theresienstadt gab es mitunter noch Post, aus den anderen Lagern schon nicht mehr", berichtet Selbiger.

"Nachdem die Transporte begonnen haben, haben wir jeden Tag damit gerechnet und uns gefragt: 'Wann sind wir dran?'" Anfang 1942 werden die jüdischen Schulen geschlossen. Für Selbiger bedeutet das Zwangsarbeit – mit 14 Jahren. Er muss  in einer Fabrik mit giftigen Substanzen Flugzeugteile entfetten. Dann geht es Schlag auf Schlag: Am 27. Februar 1943 werden sämtliche Betriebe, in denen Juden beschäftigt sind, umstellt, alle Juden in Berlin werden verhaftet. Die SS bringt mehr als 20.000 Juden in vier Sammellager. Auch Selbiger ist dabei. Er wird ins Sammellager der ehemaligen Synagoge Levetzowstraße gebracht.

Auf der Auschwitz-Liste

Todesfabrik Auschwitz

Auschwitz, Sobibor, Treblinka, Chelmno, Belzec waren die Vernichtungslager der Nationalsozialisten. Im Konzentrationslagern Auschwitz I und dem benachbarten Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau starben während des Zweiten Weltkriegs 1,1 bis 1,5 Millionen Menschen. Die genaue Totenzahl wird nie festgestellt werden, weil Papiere von einigen Deportationen fehlen. Auch der Verbleib der meisten Toten ist unklar, sie wurden in der Regel verbrannt. Die Asche landete in umliegenden Flüssen.

90 Prozent der Getöteten waren Juden aus ganz Europa sowie der damaligen Sowjetunion. Viele wurden nach tagelanger Reise mit Zügen direkt in die Gaskammern getrieben. In Birkenau waren die Anlagen auf 8000 Tötungen pro Tag ausgelegt. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager von Soldaten der Sowjetunion befreit.

"In der Levetzowstraße wurden uns unsere jüdischen Kennkarten weggenommen, wir mussten unterschreiben, dass unser Vermögen beschlagnahmt wird. Und dann bekamen wir die Transportnummer für Auschwitz." In diesem Moment scheint sein Schicksal und das der anderen Juden im Sammellager besiegelt. Ihnen ist bewusst, dass sie vor der Deportation stehen.

Doch dann wendet sich die Geschichte – zumindest für Horst Selbiger und einige andere: "Es war ein Wunder", sagt er heute. Im Sammellager vor der Rosenstraße in Berlin demonstrieren Tausende nichtjüdische Bürger, vor allem Frauen, für die Freilassung ihrer jüdischen Verwandten. Augenzeugen berichten später, dass die Rosenstraße schwarz vor Menschen war, dass es der SS nicht mehr gelang, die Menge auseinanderzutreiben.

Die Demonstration in der Rosenstraße rettet Horst Selbigers Leben. "Ich war in der Levetzowstraße und wir wurden dann in die Rosenstraße verlegt", berichtet er. Alle Juden, die nicht mit Christen verwandt waren, blieben in der Levetzowstraße. Für Selbiger bedeutete die Verlegung in das andere Lager die baldige Entlassung. Es ging zurück ins "Judenhaus" und er stand nicht mehr auf der Auschwitz-Liste. 

Doch das war ihm damals noch nicht bewusst. "Goebbels hatte schon Berlin für judenfrei erklärt, trotzdem wurden wir entlassen. Es war eine Niederlage für die Nazis, dass wir immer noch da waren." Das Damoklesschwert der Deportation hing aber noch über uns, bis die Russen in Berlin eintrafen." Noch im März 1945 gehen die Transporte in die Vernichtungslager, in denen Millionen Menschen starben. Bis zum Kriegsende muss Selbiger Bombenschäden beseitigen, 60 Stunden Zwangsarbeit in der Woche. Er weiß, dass viele andere Juden, mit denen er im Lager in der Levetzowstraße inhaftiert war, deportiert wurden.

"Juden alle tot, du Faschist"

Als die Russen nach Berlin kommen, gerät Selbiger noch einige Tage in Kriegsgefangenschaft. Sie glauben nicht, dass er Jude ist. "Juden alle tot, du Faschist", sagt ein Russe zu ihm. Mit Mühe kann er beweisen, dass er ein Jude ist, der nicht deportiert wurde.

Erst von diesem Moment an ist auch für Horst Selbiger der Krieg vorbei. Seine Eltern überleben den Krieg ebenfalls. Aus seiner gesamten Familie wurden 61 Menschen in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten ermordet.

Bilderserie

... Der Weltkrieg ist da, die Vernichtung des Judentums muss die notwendige Folge sein."Allein in Warschau lebt zwischenzeitlich ein Drittel der Bevölkerung auf drei Prozent des Stadtgebiets, zeitweise bis zu 460.000 Menschen.Den Unmut über die bisherige Vernichtungspolitik drückt auch Hans Frank, der berüchtigte Generalgouverneur in Polen, Ende Dezember 1941 aus.Die Wannseekonferenz und der Holocaust Die Vernichtung der europäischen Juden

Quelle: n-tv.de

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Autorin Salomea Genin “Ich wollte von meinen Peinigern geliebt werden”

http://www.deutschlandfunkkultur.de/autorin-salomea-genin-ich-wollte-von-meinen-peinigern.970.de.html?dram:article_id=401384

IM GESPRÄCH | Beitrag vom 24.11.2017

Autorin Salomea Genin "Ich wollte von meinen Peinigern geliebt werden"

Moderation: Klaus Pokatzky

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Salomea Genin im Maxim-Gorki-Theater in Berlin (imago stock&people)

Salomea Genin im Maxim-Gorki-Theater in Berlin (imago stock&people)

Salomea Genin ist Autorin, Zeitzeugin und Jüdin: Als Mädchen floh sie vor den Nazis nach Australien, nach dem Krieg ging sie zurück nach Deutschland. Sie brauchte Jahrzehnte, um für sich zu begreifen, was Nazis und Judenhass mit ihr gemacht hatten.

Salomea Genin wollte aufhören, eine Jüdin zu sein und kehrte deshalb nach dem Holocaust nach Deutschland zurück.

Heute weiß sie warum: "Ich wollte von den Deutschen in den Arm genommen werden und hören, dass ich keine dreckige Jüdin bin, sondern doch ein ganz nettes, liebes Mädchen."

Jahrzehnte emotionaler und mentaler Arbeit 

Die 85-jährige Zeitzeugin und Autorin ist geborene Berlinerin, eine aus ihrer Geburtsstadt vertriebene Jüdin, eine frühere Kommunistin, Australierin und Deutsche. Ihre unterschiedlichen Identitäten zu integrieren hat Genin Jahrzehnte emotionaler und mentaler Arbeit gekostet. Eine Arbeit, an der sie beinahe zu Grunde gegangen wäre.

Hätte sie nicht zwei Bücher über ihr Leben geschrieben, wäre sie längst gestorben, sagt Salomea Genin heute. 

1932 in Berlin geboren, wuchs Genin in einer Atmosphäre des Hasses auf Juden auf:

"Ich spürte den Judenhass dauernd. Ich war am 9. November 1938 dabei, als ein Nachbar bei uns klingelte und sagte, dass wir ja nicht auf die Straße gehen sollen, denn sie hätten 300 Juden in der Synagoge in der Oranienburger Straße eingepfercht und würden sie jetzt anzünden. Gott sei Dank stellte sich später heraus, dass das ein Gerücht war. Aber all das führte dazu, dass natürlich die Angst ganz stark war. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich am nächsten Morgen zwischen meiner Mutter und meiner großen Schwester Renia zwischen den Glasscherben getippelt bin, und halb Berlin war auf den Beinen, um sich die Folgen der Reichskristallnacht, wie man sie damals nannte, anzugucken. All das habe ich als Kind mitgekriegt, und diese Angst hat mich traumatisiert und hatte schlimme Folgen."

Flucht nach Melbourne

Im Mai 1939 konnte Salomea dann gemeinsam mit ihrer Schwester Renia und ihrer Mutter ins australische Melbourne auswandern.

Mit 17 Jahren trat Salomea Genin in Australien in die kommunistische Partei ein, die für sie zum Ersatz für ihre dysfunktionale Familie wurde. Im August 1944 wurde sie zum ersten Mal eingeladen, an einem Abend des kommunistischen Jugendverbandes teilzunehmen. Dort hielt die Generalsekretärin Audrey Blake einen Vortrag und sprach darüber, dass der Zweite Weltkrieg von Deutschland ausgelöst worden war und die Deutschen die Juden "zum Prügelknaben" gemacht hatten.

"Als ich das hörte, wusste ich zum ersten Mal, warum wir Deutschland verlassen mussten. Und warum wir vor allen Dingen verfolgt wurden – für nichts und wieder nichts."

Die DDR wollte sie nicht aufnehmen

Mit 22 Jahren kehrte sie zurück nach Deutschland, um Bürgerin der DDR zu werden, die sie allerdings mehrere Jahre lang nicht aufnehmen wollte. Und erst sehr viel später verstand Genin dann, was Nazis und Krieg mit ihr gemacht hatten:

"Ich habe Jahrzehnte später begriffen, dass ich ein Stockholm-Syndrom hatte. Das heißt, ich wollte von meinen Peinigern geliebt werden. Ich wollte aufhören, mich so zu fühlen, dass ich eine dreckige Jüdin wäre. So hatte man mir das beigebracht als Kleinkind."

MEHR ZUM THEMA

Neuer Antisemetismus in Deutschland? – Immer mehr Juden fühlen sich von Muslimen bedroht
(Deutschlandfunk, Das Wochenendjournal, 18.11.2017)

Reichspogromnacht – "Ich war von meinen Gefühlen abgeschnitten"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 09.11.2017)

Preis für Zivilcourage an Schülerin vergeben – Selbstbewusst gegen antisemitische Witzeleien
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 08.11.2017)

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Video: Der Tag mit Tina Gerhäusser (DW)

Video:

Der Tag mit Tina Gerhäusser (DW)

Nach dem Putsch in Simbabwe: Mugabe verhandelt mit einer südafrikanischen Delegation und dem Militär, Rekordsumme für Leonardo da Vinci Kunstwerk "Salvador Mundi", Peru löst als letztes Land das Ticket zur Fußball-WM in Russland,

Gast des Tages: Horst Selbiger, Holocaust-Überlebender

Interview der Deutschen Welle mit unserem Ehrenpräsidenten Horst Selbiger ab Minute 35:00

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Video, knapp 4 Minuten mit unserem Ehrenpräsidenten, Horst Selbiger!

"Der Faschismus war nie weg." – Horst Selbiger hat den Holocaust in Nazi-Deutschland überlebt. Der Einzug der AfD ins Parlament macht dem 90-jährigen Angst (via DW Stories)

 

Für Video bitte hier klicken!

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Der-Selbstmord-der-Mutter-rettete-ihm-das-Leben-Freie-Presse

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Zeitzeugen-Gespräche „Gestohlene Kindheit“ im Nazi-Terror

  wn.de/Muensterland/Kreis-Warendorf/2858176-Zeitzeugen-Gespraeche-Gestohlene-Kindheit-im-Nazi-Terror

Zeitgeschichte hautnah: Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke (7.v.r.) startete in Ennigerloh gemeinsam mit Zeitzeugin Liesel Binzer (5.v.r) und dem Historiker Matthias Ester (4.v.r.) das Projekt „Erinnerungspaten – Erinnern über die Zeitzeugenschaft hinaus“. Die Veranstaltung wurde von Realschulleiterin Felicitas Inkmann (7.v.l) und Geschichtslehrer Marco Kühlert (l) sowie Schülerin der Abschlussklassen unterstützt..

Zeitgeschichte hautnah: Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke (7.v.r.) startete in Ennigerloh gemeinsam mit Zeitzeugin Liesel Binzer (5.v.r) und dem Historiker Matthias Ester (4.v.r.) das Projekt „Erinnerungspaten – Erinnern über die Zeitzeugenschaft hinaus“. Die Veranstaltung wurde von Realschulleiterin Felicitas Inkmann (7.v.l) und Geschichtslehrer Marco Kühlert (l) sowie Schülern der Abschlussklassen unterstützt.

KREIS WARENDORF – 

Liesel Binzer war mit 15 000 Kindern im Ghetto Theresienstadt. Mit ihr haben nur rund 150 Kinder überlebt. Ennigerloher Schüler hören ihr jetzt bei ihrem Zeitzeugengespräch zu.

Die Abschlussklassen der Realschule zur Windmühle und Anne-Frank-Hauptschule in Ennigerloh hatten am Dienstag die Gelegenheit mit der aus Münster stammenden Liesel Binzer eine der letzten Zeitzeuginnen zu hören, die in dem Konzentrationslager Theresienstadt interniert waren und die Shoah überlebt haben.

Doch die Zeit, in der Überlebende die Erinnerung an den Holocaust und die Entrechtung und Verfolgung durch die Nationalsozialisten persönlich den nachwachsenden Generationen vermitteln können, neigt sich dem Ende entgegen. Was kommt dann?

Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke gab im Rahmen des Zeitzeugengesprächs in der Realschule Ennigerloh den Startschuss für das Projekt „Erinnerungspaten – Erinnern über die Zeitzeugenschaft hinaus“ für den Regierungsbezirk Münster. „Erinnerungspaten, die in einem engen Kontakt zu den Überlebenden stehen oder standen, können besser als jede Geschichtsschreibung einen unmittelbaren Eindruck von der Dimension des Unrechts vermitteln und damit gegen eine Wiederholung des Bösen immun machen. Es ist höchste Zeit, ihnen zuzuhören“, sagte Klenke.

Die Schüler erlebten den Historiker Matthias Ester vom Geschichts-Kontor Münster als ersten Erinnerungspaten. Er führte das Gespräch und zeigte Dokumente, Fotos und Erinnerungsstationen. Ester steht seit Jahren in engem Austausch mit der Zeitzeugin Liesel Binzer, die 1936 in Münster als Liesel Michel geboren wurde und fünf Jahre alt war, als sie am 31. Juli 1942 mit ihren Eltern vom Güterbahnhof Münster aus nach Theresienstadt deportiert wurde. Ester war es auch, der Liesel Binzer ermutigte, öffentlich über ihr Überleben im Nazi-Terror, ihre Kindheit im Ghetto und später ihre Jugend und Schulzeit im Nachkriegs-Münsterland zu sprechen. Sie war mit 15 000 Kindern im Ghetto Theresienstadt. Nur rund 150 haben überlebt

Liesel Binzer schilderte den Schülern der Abschlussklassen auch, wie sie mit den Erfahrungen und Nachwirkungen einer „gestohlenen Kindheit“ umgegangen ist und wie ihre Kinder und Enkel dieses „Familienerbe“ wahrnehmen.

Für das Projekt „Erinnerungspaten“ hat das Dezernat für Lehrerfortbildung der Bezirksregierung Münster in Zusammenarbeit mit der Geschichtsort Villa ten Hompel ein Konzept entworfen, wie das Gedenken am besten wachgehalten werden kann, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt. Zu diesen Zeitzeugen gehören alle Menschen, deren Leben in der Zeit des Nationalsozialismus massiv gegen ihren Willen verändert wurde, wie Holocaust-Überlebende, Verfolgte, Untergetauchte, Emigranten, Kinder der Kindertransporte, aber auch Angehörige von Überlebenden. Die potenziellen Erinnerungspaten sollen die Zeitzeugen oder die Angehörigen persönlich gekannt und gesprochen, als Zeitzeugen gehört haben und Fotos, Briefe, Dokumente oder Video-Audiomitschnitte aus dem Leben des Zeitzeugen präsentieren können.

Die Erinnerungspaten übernehmen als Vermittler und Botschafter die Geschichte des Überlebenden. Es ist auch wichtig, dass Erinnerungspaten ein vertieftes historisches Sachwissen haben, gut erzählen und mit Schülern umgehen können. Die künftigen Erinnerungspaten werden bei ihrer Aufgabe eng von Fachleuten der Bezirksregierung und der Villa ten Hompel begleitet.   

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